First Aid Kit, zwei kaum volljährige Mädchen aus Schweden, sind das womöglich beste Folk-Duo des gesamten Planeten. Wir sahen sie zuallererst beim holländischen Eurosonic Festival in Groningen vor annähernd drei Jahren. Es wehte ein Hauch von Ewigkeit durch das alte Kino, in dem sie auftraten. Gestandene Business-Typen und Musikjournalisten hatten Tränen in den Augen. Wir auch. Kein Flachs. Eternal love. Aber von der reinen Sorte. Gerne präsentieren wir nun ihre jüngste Deutschland Tournee.
13.02.12 Hamburg / Prinzenbar
14.02.12 Köln / Gebäude 9
18.02.12 Frankfurt / Brotfabrik
19.02.12 Berlin / Postbahnhof Booking: Neuland Concerts
Unser einzig täglich Brot
ist die Aussicht auf den Tod.
Sieben Monate ist es her, dass im Pazifischen Ozean im Müllstrudel ein Schiff in einem wüsten Sturm unterging. Ein Großteil der Passagiere konnte sich auf ein abgelegenes Eiland flüchten, wie Rettungskräfte bei ihrer fieberhaften Suche herausfanden. Doch sie fanden weit mehr als Leben. Die bis dato vollkommen unbekannte Insel, kaum größer als ein Walrücken, wurde nämlich von den Gestrandeten auf ureigene Weise genutzt, um Hilfe anzulocken und dem sicheren Tod durch Verdursten, Kannibalismus oder Langeweile zu entgehen. Hier weiterlesen »
Die erste Single RENTNER & STUDENTEN des kommenden neuen DIE TÜREN Albums ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ macht die Parole “Rentner & Studenten” zum mahnenden Schlachtruf für die Generation berufsjugendlicher Lifestyle-Workaholics auf Lebenszeit:
“Als wir damals die Möglichkeiten hatten zu studieren konnte ein Studium auch schon mal gut und gerne zehn Jahre dauern. Und man konnte den Gedanken an Arbeit ja überhaupt nur ertragen weil am Ende das Wohlstandsversprechen der Rente stand. Heute: Rucki-Zucki-Studiengänge und zur Belohnung ein prekäres Leben im Alter mit Sozialwohnung statt Weltumseglung und Eigenheim während man im Hier- und Jetzt ständig den Karrierechancen hinterher twittert!”, formuliert es das Presseinfo auf den Punkt.
Im neuen Video wird deshalb demonstriert, aber sehen Sie selbst. Ein herrliches Mockumentary. Mit echten Polizisten.
Editor’s note: Weil es so schön ist – und weil wir den Liedschatten letzte Woche nicht bringen konnten, gibt es jetzt gleich zwei Stück in Folge. Aber lesen Sie selber.
UNBEFRIEDIGENDES WERBEN
Die nächste Folge “Liedschatten”: bei den Stones gibt’s weniger Sex als gedacht. Zumindest in “(I can’t get no) Satisfaction”.
Irgendetwas ging schief bei der Überlieferung, dieser Irrtum müsste doch schon längst aus der Welt geschafft worden sein. Doch noch immer scheinen viele Menschen zu glauben, es handele sich bei „(I can’t get no) Satisfaction“ um ein Lied über sexuelle Frustration, ein Lamento über unbefriedigtes, unstillbares Begehren. Das Bekenntnis eines Menschen eben, der ein Dasein als kleiner Lüstling mit großer Zunge bestreitet. Hier weiterlesen »
Mit düsterem Elektropop hat man mich ja quasi sofort. Ich mochte schon als Teenie lieber zu She Wants Revenge als Christina Aguilera auf Schulparties tanzen, ich mag Fever Ray, ich mag es wenn es dunkel wird und wenn die Bässe böse und treibend werden. Und genau darum geht’s bei Notic Nastic. Aber auch um artsy Party, sehr femininer Sexyness und – dessen bin ich bin mir ziemlich sicher: die haben da so eine Sache mit Zombies am Laufen.
Schon das Debüt des New York/Berlin-Duos erschien auf Shitkatapult, ein Jahr später also der Nachfolger der selbstbenannten Techno-Aliens, die ihre Identität lieber für sich behalten und ganz zeitgeistig in ihren Texten ein bisschen Kapitalismuskritik üben und über die Musikindustrie herziehen – Kritik ist dieses Jahr eben angesagter als Blingbling. Besonders gut funktioniert das beim Kracher „Illuminati Bitch“. Hier weiterlesen »
“Imaginary Future” von den French Films hört sich so unfassbar britisch an, dass man von selbst nie auf die Idee kommen würde, dass es sich bei dem Quintett um Finnen handelt. Doch braucht man britisch klingenden Indie-Wave aus Finnland, wo man doch eben erst aufgehört hat, Indiemusik aus England zu hören?
Dass die Band nicht nur sehr viel The Drums gehört hat, sondern auch unter großem Joy Division-Einfluss steht, kann und will sie scheinbar gar nicht verleugnen. Die düstere Stimme von Sänger Johannes Joni bietet einen wohltuenden Kontrast zu fröhlichen Indiemelodien, die dadurch melancholisch werden, was dem Ganzen eine gewisse Ernsthaftigkeit verleiht. Dazu gibt es treibende Gitarren, ein reduziertes Schlagzeug und insgesamt eine Vielzahl an wunderbaren Melodien, die uns schon im frühen Winter den Sommer herbeiwünschen lassen. French Films können in der Indie-Reihe ganz vorne mitspielen, so viel ist klar. Hier weiterlesen »
GOTTHOLD PFEIFENKRAUT: DAS OPERNHAUS LEBEN LÄDT EIN
Wohl wissen wir, wenn die Götter
schlaftrunken ihre Oper
ausgesungen haben,
immer noch von keinem Heiligen-
schein, dem es entgegen-
zulaufen gilt.
Es wäre auch zu früh, um hoffen
zu können und zu vermessen,
um zu glauben.
Daher sperren wir unsre Ohren
im Konzertsaal nur
verzweifelt auf
und nehmen geduldig und brav
die Strenge der Askesen-
fibel in Kauf.
Es wäre auch zu früh, um
zu hoffen.
Dem gemeinen Volksmund galt die Sinnes- und Wahrheits- bzw. Glaubens- und Gottessuche schon immer als Dorn im Auge. Hier weiterlesen »
Erkenntnisschwierigkeiten und eine gar zu sanfte Melodie: fruchtlose Nachdenklichkeit in unserer Chartskolumne. Im Anschluss daran Krieg.
Es ist an der Zeit für ein weiteres Eingeständnis: ab und zu wird in dieser Reihe versucht, vom Charakter der behandelten Stücke (Nr. 1 Hits der BRD seit 1959 in chronologischer Abfolge) Aussagen über die inhaltlichen und ästhetischen Vorlieben der Menschen zu treffen, die sie erwarben. Nicht selten wird es dabei ein wenig polemisch. Hier weiterlesen »
„The coast, red wine, the northumberland countryside, you, me, the deep blue sea, good bands, bad bands, Newcastle upon Tyne, dancing in the dark.“ So beschreiben Lanterns On The Lake ihre Musik. Damit ist schon viel gesagt über die Heimat und die Musik der Briten.
Im Video zur Single „Keep On Trying“ findet sich einiges davon wieder:
Im November spielen Lanterns On The Lake zwei Shows in Deutschland. Bloß nicht verpassen!
09.11. 2011 Köln – Studio 672
10.11. 2011 Berlin – Privatclub
Erst binnen der vergangenen Monate wurde aus dem Solo-Projekt des Cheftauchers Niklas Kramer eine mehrköpfige Band namens Deep Sea Diver – die nun nichts sehnlicher erwartet, als mit ihren kontrastreichen Indie/Folk-Songs endlich an Land zu gehen. Nach der “Aquatic Life Expedition” im März geht es für die Aquanauten im November also auf „BEACH TOUR“. Hier der dazu passende Tourtrailer:
Mit an Bord als Toursupport: Charlie Barnes (UK) und Eirwen Skye (AUS), zwei großartige Künstler, die ab dem 15.11. jeweils für einen Tourpart die Abende eröffnen. Auch in der ersten Woche hat die Band einen “Support” dabei – dieser ist zwar nicht musikalischer Natur, aber mindestens ebenso kreativ wie außergewöhnlich: Hier weiterlesen »
Ich habe mich gerade gefragt, ob Argumente ganz allgemein aus der Mode gekommen sind. Oder ob das nur bestimmte Bereiche des Lebens betrifft. Wie Plattenkritiken zum Beispiel.
Die zwar ihrerseite nicht wirklich aus der Mode gekommen sind, aber dafür wegen der Krise ihres Objekts schon auch selbst in eine geraten sind, wofür man nicht nur Diederichsen lesen muss. Der zumindest sinngemäß gesagt hat, man könne über aufregende Musik nur noch im Feuilleton schreiben. Und schließlich: Was ist aufregende Musik? Was einen aufregt, hängt schließlich immer stark von dem ab, wo man herkommt. Zum Beispiel das hier: Hier weiterlesen »
Die konservativen Stones kommen auf dem alten Gaul Provokation geritten und eröffnen mit “The Last Time” die gefühlten 60er.
Die Rolling Stones, das ist, einige werden sich erinnern, die Band, deren Mitglied einst Brian Jones war und die es sich nach dessen Austritt und Ableben 1969 nicht nehmen ließ, weiter Musik zu spielen; erst Bluesrock, dann Rock und mittlerweile wohl Classic Rock. Ihnen noch nie in irgendeiner Form begegnet zu sein ist ebenso unwahrscheinlich wie ihnen gegenwärtig nicht zu begegnen. Und warum auch nicht? An eine Band, die Alben wie „Aftermath“, „Their Satanic Majesties Request”, „Beggars Banquet“, „Sticky Fingers“ und „Exile On Main St.“ veröffentlicht hat, kann man sich ruhig erinnern. Auch dann, wenn nicht immer klar ist, welches Maß der Achtung dabei angebracht ist. Hier weiterlesen »