(USA 2009, 161 Min., Regie & Buch: James Cameron – 20th Century Fox) Zwölf Jahre nach „Titanic“ ein neuer Spielfilm von James Cameron: „Avatar“ ist ein entfesselter Drogentrip im Fantasy-, Sci-Fi-, Western- und Kriegsfilmgewand, ist Romanze, Mythos und Moralkeule, Kindergeburtstag und Philosophieseminar gleichermaßen, ein technisches Meisterwerk. Mehr Pop jedenfalls geht nicht.
Damit diese Mixtur aufgeht, muss die Geschichte eine einfache sein: An den Rollstuhl gefesselter Ex-Marine gerät mithilfe eines ferngesteuerten biologischen Körpers – der titelgebende Avatar – auf fremdem Planeten mit vielsagendem Namen Pandora in Kontakt mit Eingeborenenstamm, der in tiefstem Einklang mit wundersamem Ökosystem lebt. Ex-Marine verliebt sich in Stammestochter und wird nach diversen Prüfungen in selbigen aufgenommen. Kapitalistische Auftraggeber planen Vernichtung der Eingeborenen zum Zwecke kolonialer Erzgewinnung, und epische Schlacht führt unausweichliche Entscheidung zwischen Gut und Böse herbei. Noch Fragen? Hier weiterlesen »
(Wichita/Cooperative) Sieben Mädchen und Jungs finden sich an der Universität Cardiff, gründen eine Band, geben sich einen spanischen Namen und setzen ein Ausrufezeichen dahinter. Soviel zur Geschichte. Für ihr neues Album „Romance Is Boring“ wählen Los Campesinos! nur die ganz großen Themen. Sie möchten vom Tod, dem Zerfall des menschlichen Körpers und von verlorener Liebe erzählen und davon, dass wahrscheinlich am Ende des Tunnels doch kein Licht scheint. Im übersättigten Krach der Klänge von Geige bis Glockenspiel gehen diese Motivation – und leider auch der hübsche britische Akzent von Sänger und Sängerin -, schier unter. Man möchte der Band das so gewollt Disharmonische mitsamt Satzzeichen im Namen entfernen und ihnen mit auf den Weg geben, dass weniger wie immer und überall mehr ist. 16 Songs lang findet man nur zwanghaft Melodien, die den Lärm durchbrechen, die die Schwere der Themen tragen und durch das Ohr dann doch noch ins Herz führen. Überzeugend bleiben am Ende wenige Titel, die wie: „The Sea Is A Good Place To Think Of The Future“ ihre Wahrheit schon im Namen tragen. Dahinter gehört das Ausrufezeichen!
Und gleich noch einen Clip: OK Go – man halte von ihnen musikalisch, was man wolle – ihre Clips sind schlicht ein “Hammer”, um Dieter E. Zimmer out of context zu zitieren…
Vor einigen Monaten hatten wir die Ehre, die Release-Party von Lonski & Classen zu präsentieren. Das Album „Climbing on Branches“ ist immer noch heiß, jetzt hat die Berliner Künstlerin Britt Dunse ein Musikvideo zum Song „The Punisher“ gemacht. Und man kann es nicht anders sagen: Hier kommt der Vogelmann, Baby!
(Indie Recordings/Soulfood) Oh Mann! Die hatten mich mit ihrem letzten Album „Grindstone“ wirklich umgehauen. Ultrakomplexer Grind/Metal/Core-Jazz mit Saxophon, wie ihn sonst wohl niemand macht: Dillinger Escape Plan? Nun ja, immer ein wenig auf der Harte-Männer-Seite, ein bisschen prollig. Alboth oder Naked City auf der anderen Seite sind da zwar ähnlich vertrackt und ganz gewiss in ihrem Landstrich Könige, wenn nicht Kaiser. Aber Shining verbanden mit der Rasanz eine Brachialität, die sie zu etwas Einzigartigem macht. Verbanden – und verbinden. Zwar sind sie hier nicht ganz gefeit gegen Tendenzen zur Bedeutungshuberei, was auf „Grindstone“ zumindest nicht so hörbar war. Hier weiterlesen »
Liebe HamburgerInnen, wir hätten da eine sensationelle Abendgestaltung anzubieten! Am 03. März wird Elisabeth Rank aus ihrem Debutroman „Und im Zweifel für dich selbst“ lesen. Ab 20.00 Uhr geht’s los in der Hasenschaukel , besser pünktlich sein, denn: Release-Lesung für 3 Euro!
Danach geht’s in einer großen Polonaise zielstrebig am Rettungsring vorbei in die U-Bahn Richtung Altona. Ab 22.30 Uhr wird „Where the Wild Things Are“ von Spike Jonze im Zeise-Kino gezeigt. Und zwar einmalig in Hamburg: die Originalfassung im Spätprogramm! Und danach? Vielleicht ins Familieneck, ist ja direkt gegenüber…
Und die BerlinerInnen? Euch möchten wir eine Veranstaltung ans Herz legen, die sich hier perfekt einreiht: Im Rahmen der Punkfilmreihe im mächtigen Ramones Museum wird am 03. März ab 20.00 Uhr der Hammerhead-Film gezeigt. Neben Mitgliedern der Band werden Thees Uhlmann und Nagel anwesend sein, um „Fragen zu beantworten“. Heftig!
Es gibt Momente im Leben, in denen Musik auftaucht und hilft. Hoffnungslos und zu Tode betrübt lag ich da, als eine gebrannte CD mich erreichte und plötzlich alles nicht mehr so grau und kaputt erschien. Jemand hatte alles Nötige auf den Punkt gebracht, um mich aus meiner Lebenslethargie zu holen – und es funktionierte besser, als ich es mir jemals erträumt hätte. Musikalisch eine Mischung aus getragener Fülle und dem Gefühl, das tschechische Märchenfilme transportieren. Textfetzen, die sich eilig im Gedankenzentrum festsetzen und eine insgesamt erhabene, aufbauende Gelassenheit. So traten GET WELL SOON 2006 in mein Leben. Als sie ihr fantastisches und zu Recht umjubeltes Debüt im Januar 2008 veröffentlichten, fühlte ich Zufriedenheit, obwohl ich erstaunt war, dass sich hinter dem Namen nur eine Person verbarg. Konstantin Gropper hatte die Platte im Alleingang geschrieben, produziert und aufgenommen und galt sofort als Wunderkind im deutschen Musikzirkus.
Derartigem Erfolg muss man natürlich standhalten und erneut abliefern. „Everybody’s Darling“ würde im zweiten Durchgang bis aufs Mark geprüft werden, der kleinste vermeintliche Fehler dazu genutzt, den Vogel wieder abzuschießen. Ob dies der Grund war, warum Herr Gropper sein Zweitwerk „VEXATIONS“ nannte, kann ich nur vermuten – die Platte jedenfalls ist durch keinerlei Ärgernisse gezeichnet. Finden sich auch stellenweise die tschechischen Märchenfilme wieder, hat doch eine erstaunliche Selbstsicherheit Einzug genommen: Die kindliche Verspieltheit des Debüts ist einer kontrollierten Perfektion gewichen. Aus dem Märchen ist ein Drama geworden, ohne sich jedoch im Schwulst zu verlieren. Auch diese Platte wird verzaubern und helfen. Ohne Ärgernisse.