Dream a little dream with Leo. Oder auch vier. Oder fünf.
2. Darum geht‘s:
Ein so verworrenes Story-Labyrinth hat Christopher Nolan für „Inception“ erdacht, dass eine Inhaltsangabe entweder sehr lang oder sehr kurz wird. Entscheiden wir uns für letzteres: Leonardo DiCaprio besitzt die Fähigkeit, Traumwelten zu entwerfen, in Träume anderer Menschen einzusteigen und benutzt dieses Können, um ihnen im Traum Geheimnisse zu entlocken.
„Inception“ ist ohne Zweifel die größte Kinosensation des Jahres. Nach gut drei Wochen Laufzeit steht die imdb-Uhr auf 9.2 von 10 Punkten und der Film auf Platz 3 der besten Filme aller Zeiten. Man muss auch unbedingt der originellen Grundidee im Zeitalter des ewigen Recyclens, dem Wagemut, sie auch umzusetzen und der Brillanz in ihrer visuellen Ausführung applaudieren. So etwas wie „Inception“ hatte man noch nicht gesehen – und so hatte man einen Film auch noch nicht gesehen. Hier weiterlesen »
Ok, das ist doch mal wieder ein Albumtitel: Mein Hobby, Arschloch. Warum nicht. Vielleicht war auch der Bandname Verpflichtung, sich mit Gewöhnlichem nicht zufrieden zu geben – wer heißt schließlich schon HGich.T? Ihre Musik aber ist einer der großen Hypes der Stunde. Irgendwo zwischen Rave und Kunsthochschule irrlichtern die Tracks, und man weiß nicht, ob man sich dafür nun fremdschämen oder lachend mittanzen muss.
HGichT: Mein Hobby: Arschloch (Tapete Records)
I am Kloot
Wer verlässlich Melancholie geliefert bekommen will, die keine Posen braucht, sondern nur ein paar Moll-Akkorde, Bass, Gitarre, Schlagzeug und eine nicht einmal besonders markante Stimme, der ist bei I am Kloot seit Jahren genau richtig. Auch „Sky an night“, ihr jüngstes Album, ist unaufgeregt wie eh und je, gelassener, in sich ruhender klang Manchester schon lange nicht mehr.
I am Kloot: Sky at night (Shepherd Moon)
Wolf Parade
Dass die beste Independentmusik der letzten Jahre vor allem aus Kanada kommt, kann kein Zufall sein. Im Norden Amerikas hat sich eine Szene etabliert, die mit Hingabe alte Strukturen mit neuem Inhalt füllen. Wolf Parade spielen zwar nicht in der Liga von Arcade Fire und Broken Social Scene, aber die Opulenz, mit der sie Musik machen, hat etwas Bestechendes. Gitarrensoli wie Kirchenorgeln, riesengroß.
Dellamorte Dellamore – besser als Romeros Zombiefilme?
Da ich für den nächsten Teil der grandiosen Comicserie The Walking Dead das Nachwort schreibe – einen filmhistorischen Abriss über Zombiefilme – musste ich mir jüngst eine ganze Reihe von Achtziger Jahre-Zombiekomödien anschauen. So unterhaltsam die manchmal auch waren, ich freue mich auf den nächsten Band, weil die Neunziger mit Dellamorte Dellamore ein ganz anderes Kaliber zu bieten haben. Dietmar Dath schrieb darüber einmal, dass es ein Ingmar Bergman-Film mit Zombies sei. Damit liegt er gar nicht mal so falsch. Michele Soavi gelingt es in Dellamorte Dellamore einen Erzählton anzuschlagen, in dem sich Zombiemeuchelslapstick mit symbolträchtigen Bildern und existentiellen Sinnsprüchen vereinigen, ohne dass sich jemals eine Disharmonie ergeben würde.
Bereits am Anfang klingt an, dass er dabei an eine Idee in Romeros Dawn of the Dead anknüpft. Dort bevölkern noch ganz konsumkritisch Zombies während der Apokalypse ein Einkaufszentrum, weil es ihr Lieblingsort gewesen ist, als sie noch tote Lebende waren. Hier weiterlesen »
Wäre ich nicht in eurpäisch-deutschen Gefilden – sagen wir es ruhig: in Berlin-Neukölln – geboren und aufgewachsen, sondern hätte das Verschmelzen von Spermium und Eizelle, dieses zufällige Endergebnis, das man beseeltes Ich nennt, in indischen Breitengraden stattgefunden, dann wäre ich jetzt mit Sicherheit ein indischer Asket, ein weltabgewandter Sadhu. Hari Om!
Klar, als ausgewiesener Asket wäre ich nicht auf die Welt gefallen, nein, ich wäre zuerst das Kind von hoffentlich einigermaßen der indischen Mittelschicht verhafteten Eltern: Behütete Verhältnise auch diesseits des Arabischen Meeres, bittesehr. Ich wäre in einem großen Familienverband aufgewachsen, hätte vielleicht drei oder vier jüngere Geschwister, mit denen ich allmorgendlich auf einer klapprigen Rikshaw zur Schule gebracht würde, und nach acht, vielleicht zehn Jahren Schule müsste ich mich für einen Job entscheiden. Und hier beginnt die Problematik: Denn weder habe ich Lust, traditionell denselben Beruf zu ergreifen wie mein Vater (der ist beispielsweise Autoschlosser bei TATA), noch will ich überhaupt irgendein „nützliches“ Mitglied der hektischen Gesellschaft sein, das sich sein Leben ruiniert, indem es sich täglich 17 Stunden abrackert für ein paar Rupien im Tauschwert von vielleicht sieben Euro. Hier weiterlesen »
Uffffff, endlich geschafft, die Nummer 6. Und auch nur, weil wir probiert haben, die Hitze zu ignorieren. Hier im 4. Stock: Kreuzberg, Industrieetage, schwerer Teppich; in Hamburg, wo sich der Dunst in den schmalen Straßen von St. Pauli staute; in Köln, wo Sentas Roller einfach nicht mehr anspringen wollte. Die ganze Zeit auf 120 Prozent aber nur halb so schnell wie sonst. Und hinter der Ziellinie? Erst einmal Erschöpfung.
Aber man berappelt sich. Guckt sich die Druckvorlage vielleicht nochmal an und realisiert so langsam, dass es sich gelohnt hat. Wir hatten mal beschlossen, das neue Heft müsse immer das beste sein, ansonsten könnten wir es lassen. Deshalb dürfen wir freudig verkünden: Es kann weiter gehen! Hurra!
Was geht ab in #6?
Na, Diebstahl! Klingt reißerisch, ist es aber nur bedingt. Das Cover thematisiert es offen: Was passiert eigentlich, wenn etwas plötzlich verschwunden ist? Wenn das Eigene entwendet, heraus gelöst, kurzerhand gestohlen wurde?
Der Philosoph Roger Behrens widmet sich dem Themenkomplex um Eigentum und Diebstahl auf fundamentale Weise und erklärt, wie das Eigentum den Menschen in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen grundlegend bestimmt. Andi Schoon zeigt, wie aus Diebstahl die Aneignung fremder Macht und damit eine politische Aktion werden kann; der Professor für Copyrights Kembrew McLeod entwendete der US-amerikanischen Öffentlichkeit das Recht auf freie Meinungsäußerung und produzierte einen (fast) verbotenen Film über die Geschichte des Samplings; ein Rechtsanwalt und ein Tourneeveranstalter streiten über „geistiges Eigentum“; Claudia Grist geht auf eine spezielle Form von Inbesitznahme im literarischen Schaffensprozess ein; die Künstlerin Cornelia Sollfrank berichtet von Zensurerfahrung und weigert sich schlicht, Originale zu produzieren.
Ein paar Tage dauert es noch, bis das Heft frisch aus dem Druck in die Läden geht. Ab 12. August findet ihr uns wie immer im Bahnhofsbuchhandel, seit dieser Nummer allerdings erstmals auch am Kiosk!
Die Frage nach dem „Warum“ kann ich inzwischen schon gar nicht mehr beantworten, aber bevor ich „Spring“ zum ersten Mal in den CD-Player steckte, kreisten meine Erwartungen scham- und willenlos rund um die 60er Jahre. Ob das nun am Beatles-Klassiker oder schlicht und erschreckend einfach nur am Wort lag – keine Ahnung. Die zweite Erwartungs-Enttäuschung entpuppte sich am Ende dann als noch viel besser: „Yesterday Shop“- diese wunderbaren Songs mit den mal verspielten und dann wieder verzerrten Gitarren, den verträumt-melancholischen Melodien und dem stark UK-akzentuierten Gesang – kommen angeblich aus Deutschland. Noch dazu aus dessen Süden, gibt es doch gar nicht! Was erwartet man da im Normalfall? Jedenfalls nichts allzu Weltbewegendes. Meine unverschämten Gedanken, Erwartungen und Vorurteile enttäuschten also auf ganzer Linie – sehr zum Wohlwollen der verwöhnten Gehörgänge. Bei Yesterday Shop handelt es sich weder um die 60er-, und noch weniger um die 10er Jahre. Die Band aus Reutlingen/Balingen bietet vielmehr eine Mischung aus dem, was Emo war, bevor es Schimpfwort wurde und dem, was Postrock war, bevor diese Bezeichnung als universelle Schublade für alles, was nicht als Pop durchging verwendet wurde. Also doch eine kleine Reise in die Vergangenheit, wenn auch nur in die nähere?! Ach, ganz egal. Hauptsache, mich verzaubern wunderschöne Melodien, die gemeinsam mit Shoegazergitarren auf poppigen Klangteppichen daherwabern. Und zwar Song für Song, von Anfang an und immer wieder.
Die vier Jungs von Yesterday Shop sind u.a. mit Songs der aktuellen EP „Spring“ live zu bewundern ab dem 2. August. Hingehen!
02. August 2010: Franz K. (mit Dear Paris) – Reutlingen
03. August 2010: Kriegkstr12 (mit Kiwus) – Frankfurt
05. August 2010: Molotow Bar – Hamburg
07. August 2010: AZ (mit Bloons) – Mülheim
08. August 2010: Café Waldi – Leipzig
Nur noch wenige Tage bis zum Klangbadfestival! Vom 06. – 08. August gibt es im oberschwäbischen Scheer ein fantastisches Line-up zu sehen. These New Puritans spielen ihre einzige Festival Show in Deutschland, Jimi Tenor reist mit achtköpfiger Band an, Gustav ist dabei, ebenso FM Einheit & der Faust-Gründer Hans Joachim Irmler, A Hawk & A Hacksaw uva. Wir verlosen 3×2 Tickets. Schreibt einfach bis 31. Juli eine eMail (Betreff: Klangbad) an redaktion at opak-magazin punkt de, wir melden uns.
JAAA! There’s a new Cover in Town! Ab 12.08. im Zeitschriftenhandel Ihres Vertrauens! Neuerdings sogar am Kiosk! Gleich hin da! Oder abonnieren!
Das Thema der Ausgabe lautet: DIEBSTAHL. Mehr in Kürze!
Das erste Album, Arular, benannte sie nach ihrem Vater. Das zweite, Kala, nach ihrer Mutter. Das dritte, Maya (Beggars Group / XL Recordings), nun nach sich selbst. Mathangi Maya Arulpragasam, die sich M.I.A. nennt, ist damit wieder ein Meisterwerk gelungen. Kämpferisch, immens dicht, disparat, Haken schlagend, hoch differenziert, eskalierend, politisch, militant, nervig, großartig. Der Bezug auf sich selbst ist dabei kein Zufall. Ihre Musik war immer auch Abbild ihres Daseins. 1975 in London geboren, ging M.I.A. ein Jahr später mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Sri Lanka. 1986 musste die Familie zurück nach London flüchten, der Bürgerkrieg in Sri Lanka eskalierte damals. Ihr Vater war Aktivist der tamilischen Befreiungsbewegung.
Seitdem ist M.I.A. eine, die Kulturen nicht verbindet, sondern frontal aufeinander prallen lässt. Was sie macht, ist so etwas wie eine Weltmusik 2.0, ohne den versöhnenden und versöhnlichen Konsens, der alle Kanten aufweicht, dafür mit drastischer Lust an der Irritation und der Provokation. In „Lovalot“, einem schon beim ersten Hören unwiderstehlichen, sogartigen, nicht einmal drei Minuten langen und von tiefen Bässen getriebenen Song, nimmt M.I.A. die Perspektive einer Selbstmordattentäterin ein: „I fight the ones that fight me / I really love alot, I really love alot“ , was klingt, als singe sie „I really love Allah“. „XXXO“ wiederum klingt fast ungebrochen nach Lady Gaga. Widersprüche solcher Art sind für M.I.A. kein Problem.
Some of them are full of black water. Others have become graveyards for old lawn furniture and rodent carcasses. They are shaped like jelly beans and manufactured by companies named Sunny Side and Champagne. Once upon a time, Fresno was the California Dream. Own a car. Own a house. Own a pool. Everyone wanted it and the wonderful world of credit made it all possible. But now, with the foreclosure monster running wild, the dream is dry. Thousands of pools are festering in the hot Central Valley sun. For most people this is tragic. But for some, it’s an opportunity.