» Reviews

I AM OAK – OASEM

iamoakNachdem Thijs Kuijkens Debüt „On Claws“ bereits großen Anklang in der internationalen Musikpresse fand, kann der Niederländer sich nun tatsächlich „Let’s make the Netherlands a threat again“ auf die Fahne schreiben. Und so singt er auf seiner neuesten Veröffentlichung (Midsummer Records) auch „Raise your fists like you ought to / Raise your voice like mine“. Dieser symbolische Aufschrei bleibt aber das einzig Bedrohliche des Albums, denn Oasem beinhaltet den ruhigen Folk, den man von Kuijken bereits gewohnt ist. Das vertraute Gerüst aus Gitarre und einem sich langsam schleppenden Schlagzeug wird auf Oasem allerdings immer wieder von elektronischen Instrumenten unterwandert und die rauschenden Synthies versehen das Album mit einer Wärme, die fast schon greifbar erscheint.
(weiterlesen…)

TEXT: Maximilian Römer | RESSORT: Reviews
14. Juli 2011 | Keine Kommentare




DEEPCHORD – HASH-BAR LOOPS

booklet_coverUm es neutral auszudrücken: Dub Techno ist eine recht wertekonservative Sache. Seit mehr als fünfzehn Jahren werden die gleichen Sounds immer wieder aufs Neue durchdekliniert. Die Reverb geschwängerten metallischen Räume, die modulierenden Synth-Chords, die ewig gleichen Echo-Sounds. Was in den Neunzigern hoffungsvoll mit Basic Channel und den Chain Reaction Veröffentlichungen begann, wurde schnell ein ziemlich klischeebehaftetes Untergenre der Elektronikmusik – quasi die Afterwork-House Variante für vermeintliche Bescheidwisser.
(weiterlesen…)

TEXT: Nils Quak | RESSORT: Reviews
27. Juni 2011 | Keine Kommentare




TANNHÄUSER STERBEN & DAS TOD – EIGENGIFT

LP_Cover.aiWo bin ich hier gelandet? Der Planet Tannhäuser Sterben & das Tod ist eine ganz, ganz seltsame Welt. Irgendwie endzeitig, irgendwie vorzeitig, man kann das alles nicht genau zuordnen. Da vorne plätschert eine Reggaeton-Gitarre, drüben ist plötzlich ganz rockig, dann für Sekunden tanzbar, bis es anfängt zu knattern, zu knarzen. Synthies und Computerklicks und -klacks, Stimmen, die verzerrt werden und in Hall münden, eine fast sphärische Frauenstimme, krrrk macht es und Filme reißen und im Hintergrund erahnt man etwas, was man früher noch Musik nannte. Aber vorne hört es sich an wie Monster und kaputte Elektrogeräte, die sich aber von der Menschheit losgesagt haben und nun ein eigenes Leben führen. Nochmal: Wo bin ich hier gelandet?
(weiterlesen…)

TEXT: Aida Baghernejad | RESSORT: Reviews
31. Mai 2011 | 4 Kommentare




ARMS AND SLEEPERS – THE ORGAN HEARTS

Arms and SleepersLangsam rollt die neue Platte der Arms and Sleepers an. Ihre Dramaturgie ist von Vorne bis Hinten derart stringent das man sich manchmal fragt, wozu denn überhaupt noch Pausen zwischen die Tracks geschnitten wurden. Das Gefühl von Zugfahrt, das sich schon zu Beginn des Albums einstellt, wird man auch im restlichen Verlauf nicht los. Man steigt also ein – nicht in einen spektakulär verrosteten Ostblockzug mit besoffenem Schaffner, auch in keinen ICE 3 – und fährt gemächlich auf ziemlich festen Schienen durch die Landschaft. Ihre vorherigen Alben wurden oft als filmische Erlebnisse bezeichnet, doch Filme, dich ich als Erlebnis bezeichnen würde sind auch verstörend und brutal, verletzend oder experimentell. Das ist hier wohl nicht der Fall. Stattdessen wurde eine Strecke gewählt, die unerklärlicherweise durch Touristendörfern wie Air (Antwerp), Gotan Project (Reprise) oder gar U2 (I sing the body electric) führt. Sie verschwinden zwar bald schon wieder im sphärischen Dickicht der Platte, aber nichtsdestotrotz…
(weiterlesen…)

TEXT: Hendrik Lehmann | RESSORT: Musik, Reviews
4. Mai 2011 | Keine Kommentare




CONNAN MOCKASIN – FOREVER DOLPHIN LOVE

conanMockasinKinderchöre sind eine schreckliche Geisel moderner Populärmusik, weshalb es eigentlich keinen sichereren Weg gibt, affektive Spontanablehnung gegenüber einem Album hervorzurufen, als eine Bande quietschiger Quälgeister die ersten Worte singen zu lassen. Einen solchen Frontalangriff auf das akustische Ästhetikempfinden mutet nun Connan Mockasin den Hörern seines neuen Doppelal-bums „Forever Dolphin Love“ (Phantasy Sound/Because Music/Alive! ) zu. Um sie umgehend wieder zu versöh-nen, denn die folgenden 36 Minuten der ersten CD (die zweite umfasst hörenswerte Liveaufnahmen) hinterlassen gebanntes Staunen.
Anders, kurios, seltsam – das sind die Worte, die einem nach dem ersten Hören durch den Kopf schießen. Aber auch vertraut, verspielt, packend. Früher nannte man das wohl Psychedelic. Musik wie eine sich sonnende spanische Katze, die man nicht aufhören kann voll Faszination zu betrachten.

(weiterlesen…)

TEXT: Peter Merg | RESSORT: Reviews
2. Mai 2011 | Keine Kommentare




THOS HENLEY – A COLLECTION OF EARLY RECORDINGS

digipack_6seitig_thos_PRINT-1Thos Henley hat ein hübsches Stimmchen, kann passabel Gitarre spielen, hat die Granden des gefühl-vollen Singen & Songwritens verinnerlicht und ist offenbar der Ansicht, dass diese Umständen ihn dazu qualifizieren, sich auch einmal an der Musik zu versuchen. Womit er durchaus Recht hat. Beziehungsweise Recht hätte, wenn noch ein weiterer Umstand hinzu käme: Die Fähigkeit gute Songs zu schreiben.
Dann wäre auch alles andere kein Problem: Die allzu glatte Produktion, die (mal männlichen, mal weiblichen, aber immer hochemotionalen) Woohuu-Chöre, der dramatische Hall auf der Stimme, das Flüstern, die so hübsch gespielte Akustikgitarre, die gewöhnliche Instrumentierung aus eben derer und den üblichen Verdächtigen E-Orgel, Slide-Guitar, verhalten geschlagenen Drums.

(weiterlesen…)

TEXT: Peter Merg | RESSORT: Reviews
29. April 2011 | 1 Kommentar




DVA – HU

68580Dva heißt auf Slawisch: zwei. Und besteht hier aus „Jen“ und „Jenna“, einem und einer (wieder auf Slawisch – zumindest dem einiger Gegenden) nämlich. Nur die Gäste werden namentlich genannt. Sind übrigens auch zwei. Das Album (Indies Scope/Broken Silence), ihr zweites, soweit ich informiert wurde, kommt diesmal mit übersetzten Texten, ist also nicht mehr in Phantasisch getextet wie auf dem Debüt. Die Musik scheint allerdings immer noch eine Folklore nicht existenter Ländereien zu sein, die hier allerdings noch einmal erweitert wurden, und zwar um Elektronik und einen verstärkt experimentellen Ansatz, was interessanterweise nicht zu Ausfaserung geführt, sondern eher zum Gegenteil:
(weiterlesen…)

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
21. April 2011 | Keine Kommentare




CONNY OCHS – RAW LOVE SONGS

9369Das ist also der junge Mann, mit dem Wino sich auf der gemeinsamen Tour auf Anhieb so gut verstand, dass er mit ihm ein gemeinsames Album aufnahm. Passt auf den ersten Blick so gar nicht. Dann wiederum hat Wino bekanntlich neulich ein akustisches Solo-Album aufgenommen, das zwar von seinen Wurzeln im Blues deutlich geprägt ist, aber eben doch ebenso eindeutig ein Singer-Songwriter-Werk ist. Und hier finden sich dann durchaus Verbindungslinien zu Conny Ochs, der sein Debüt (Exile On Mainstream/Soulfood) allein und ohne hörbare Overdubs aufnahm. Und den Blues kennt auch er.
(weiterlesen…)

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
15. April 2011 | Keine Kommentare




NAVEL – NEO NOIR

l_01035acc78234386ab807e87ea6350beSie waren eines der Flaggschiffe von Patrick Wagners Louisville Records. Und sie haben es überlebt. Das Label, meine ich natürlich. Wo sie vielleicht auch nicht richtig hingepasst haben – wobei dann die Frage ist, wo solche Musik eigentlich heute hinpasst (Noisolution/Indigo), die so tief in eine Grube mit klassischem Rock um und kurz nach 1990 (ihr ahnt, worauf ich hinaus will) gefallen ist. Noisolution griff dennoch beherzt zu – dort hat man ein Herz für sowas (Gruß an Jingo!). Und das ist auch – pardon, ich verweigere mich eigentlich diesem Spruch – auch gut so. Denn Navel führen etwas weiter, was heute ansonsten ein recht kümmerliches Dasein in den Probekellern der Provinz fristet. Dabei gelingt es ihnen, aus dem scheinbar von allen Seiten gut genommenen Stoff noch eine Dringlichkeit herauszuhauen, die beachtlich ist.
(weiterlesen…)

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
8. April 2011 | Keine Kommentare




ON TOUR – JOSH T. PEARSON

Layout 1Die Älteren unter euch mögen sich entsinnen: Josh T. Pearson hatte vor einem geschätzten Jahrzehnt seine 15 Minuten des Ruhms mit seiner Band Lift To Experience (Pias). Shoegazende Texaner, immer am Kreuzweg zwischen Hölle und Erlösung, John Peel liebte sie dafür. Pearson selbst auf dem Cover mit Cowboy-Hut und Dornenkrone. Zehn Jahre Einsamkeit später: Josh T. Pearson solo und bei Mute unter Vertrag. Geblieben ist dieser Charles Manson Gesang, den ein Freund zuletzt treffend als “Verliebter-Serienkiller-fleht-um-Vergebung-Gesang” bezeichnet hat. Harter Tobak, dieses neue Album.
(weiterlesen…)

TEXT: Redaktion | RESSORT: Präsentationskorb, Reviews
4. April 2011 | 1 Kommentar




TIM KASHER – THE GAME OF MONOGAMY

up-kasherMan kennt ihn beziehungsweise seine beträchtlichen Songwriter-Künste von Cursive und The Good Life, nun hat er noch diese Fesseln des Kollektivs abgestreift, um seine Lyrik noch ungehemmter zu vertonen. Und es ist gar ein Konzeptalbum (Affairs Of The Heart/Indigo), mit einer „offiziellen“ Ouvertüre, die in gerade mal zwei Minuten von zartem Frühling zu bedrohlichen Tönen führt und so auf das einstimmt, was folgt. „I am a grown man / how did this happen? / People are gonna start expecting more from me / but this is all i am“, singt Kasher im ersten Song. Die Krise des Erwachsenwerdens, keine Kinder zu wollen und keines mehr sein zu können, keinen Job zu wollen, aber das Geld zu brauchen, das Betreiben einer Beziehung aus Angst vorm Alleinsein, der wechselseitige Betrug im gegenseitigen Wissen, der Versuch, sich selbst zu verwirklichen, die unzulänglichen Mittel dafür – wir sehen, es geht nicht allein um Liebesbeziehungen, sondern auch um die Verhältnisse, in denen sie stattfinden.
(weiterlesen…)

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
2. April 2011 | Keine Kommentare




POLAR BEAR WITH JYAGER – COMMON GROUND

Common-Ground-320x320Die viel gelobten Jazz-Neuerer um Sebastian Rochford treffen auf den in London ansässigen portugiesischen Rapper Jyager. Jazz und HipHop, wir erinnern uns, da gab es immer mal Versuche, Fusionen, Wahlverwandtschaften. Wobei diese hier schon ein bisschen anders ist. Weder rappt hier einer über die instrumentale Version von HipHop, noch bemüht sich der Rapper allzu sehr um eine Einbettung seines Stils in eher klassischen Jazz.
(weiterlesen…)

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
30. März 2011 | Keine Kommentare