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FRANCIS INTERNATIONAL AIRPORT

FIA_7inch_cover Punk ist tot. Es lebe Pop! Falco würde vor Freude hüpfen. Christian, Gittarist der Band, trägt das schwere Erbe Neffe des berühmten österreichischen Pophelden zu sein. Aber so leicht lässt sich Francis International Airport nicht auf eine Formel bringen. Der Song „Monsters“ erscheint wie ein Rückgriff auf „Running from the Rain“ von Thursday, allerdings wirkt die Band im Vergleich eher wie die erste Ausgabe der NEON 2003, die wir damals alle gekauft haben – neu, mit diesen faszinierend körnigen Bildern, nicht zu politisch, aber schön anzuschauen – eine perfekte Band für das Immergut-Festival.
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TEXT: Nadine Schildhauer | RESSORT: Musik, Reviews
24. August 2010 | Keine Kommentare




CA’A

Ca'a Die CD mit dem ungewöhnlichen Namen Chi’en kommt voller Pathos daher, ohne in Kitsch abzugleiten. Schon der erste Track verspricht viel – doch die Spanier Ca’a schaffen es der Erwartungshaltung gerecht zu werden: Sechs experimentelle, verzerrte, laute und krachige Tracks, die teilweise eine Länge von 15 Minuten überschreiten. Ca’a führen uns in die bizarre Welt der schrägen Klänge behutsam ein, so dass einige Stücke beinahe unbemerkt im wüsten Schrammeln enden.

Die Stimme des Sängers ist kratzig, emotional, leidend – keineswegs gerade und agiert als zusätzlicher Bruch. Am besten jedoch wirken die Soundfetzen dann, wenn auf Stimmen und Paukenschläge verzichtet wird. Man lauscht Bassrauschen, Piepen, Klacken und dröhnend Tönen, die verschmelzen und am Ende langsam abklingen. Die Stücke mit lauten und leisen Tönen sind poppig sanft arrangiert und durchbrechen schon in der nächsten Sekunde genau dieses Schema. Klingt interessant! Auch wenn meine Schmerzgrenze zeitweise überschritten wird, erreichen Ca’a (fast) immer rechtzeitig die Kurve und liefern ein gelungenes Album mit Widersprüchen ab.

TEXT: Nadine Schildhauer | RESSORT: Musik, Reviews
22. August 2010 | Keine Kommentare




RIOT FOR CANDY

RFC “In den besten Familien” lässt man laufen und Mithörende fragen sich verwundert, wer diese Band eigentlich ist. Riot for Candy heißen sie und klingen jung. Jünger zumindest als all die großen deutschen Punkrocker, die mithilfe der Vokabeln Deiche, Bierflasche und Liebe („die sich am besten auf Angstschweiß reimt“) dem Leben andauernde Sinnschwere unterstellen. Die Wortwahl dieses Albums ist stark daran angelehnt, aber der Blick auf die Dinge ist ein anderer. Er ist der einer Generation abweichend von eben jenen Musikern, die die Dreißig längst überschritten haben. Die einen fühlen sich dabei alt, die anderen fühlen sich vielleicht verstanden. Wer wo was verloren hat wird nicht über pures Geschrammel besungen. Geboten wird ferner die Instrumentalseichtheit und ein Klavier wird auch gespielt. Am Album interessierte Nachfragen werden ab morgen direkt als Komplimente an Riot for Candy weitergeleitet.

TEXT: Janina Friedhoff | RESSORT: Musik, Reviews
15. August 2010 | Keine Kommentare




TELEVISION PERSONALITIES

TV

Rolf Zuckowski kann einpacken, denn Dan Treacy ist unter die Kinderliedmacher gegangen – so hört es sich erst an, wenn man „A Memory Is Better Than Nothing“ in den Player schiebt und sich dazu das Cover der neuen Television Personalities-Platte anguckt. Aber nein, dazu ist die ganze Sache viel zu fragil, viel zu kaputt. Seit 1978 haut der „Übervater all der komischen Käuze“ der Popwelt, wie Dan Treacy im Popblog der Taz genannt wird, entgegen aller Widrigkeiten – wie auseinanderbrechende Bands, Drogensucht, Gefängnisaufenthalte – mal mehr, mal weniger regelmäßig und fleißig Alben heraus.
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TEXT: Aida Baghernejad | RESSORT: Musik, Reviews
11. August 2010 | 1 Kommentar




NEUE PLATTEN IN ALLER KÜRZE

TR167_hgicht_coverHGich.T

Ok, das ist doch mal wieder ein Albumtitel: Mein Hobby, Arschloch. Warum nicht. Vielleicht war auch der Bandname Verpflichtung, sich mit Gewöhnlichem nicht zufrieden zu geben – wer heißt schließlich schon HGich.T? Ihre Musik aber ist einer der großen Hypes der Stunde. Irgendwo zwischen Rave und Kunsthochschule irrlichtern die Tracks, und man weiß nicht, ob man sich dafür nun fremdschämen oder lachend mittanzen muss.

HGichT: Mein Hobby: Arschloch (Tapete Records)


I am Kloot

iaksan-150 Wer verlässlich Melancholie geliefert bekommen will, die keine Posen braucht, sondern nur ein paar Moll-Akkorde, Bass, Gitarre, Schlagzeug und eine nicht einmal besonders markante Stimme, der ist bei I am Kloot seit Jahren genau richtig. Auch „Sky an night“, ihr jüngstes Album, ist unaufgeregt wie eh und je, gelassener, in sich ruhender klang Manchester schon lange nicht mehr.

I am Kloot: Sky at night (Shepherd Moon)

expo86Wolf Parade

Dass die beste Independentmusik der letzten Jahre vor allem aus Kanada kommt, kann kein Zufall sein. Im Norden Amerikas hat sich eine Szene etabliert, die mit Hingabe alte Strukturen mit neuem Inhalt füllen. Wolf Parade spielen zwar nicht in der Liga von Arcade Fire und Broken Social Scene, aber die Opulenz, mit der sie Musik machen, hat etwas Bestechendes. Gitarrensoli wie Kirchenorgeln, riesengroß.

Wolf Parade: Expo 86 (Sub Pop / Cargo Records)

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Reviews
7. August 2010 | 1 Kommentar




OPAK PRÄSENTIERT: YESTERDAY SHOP

yest.inddDie Frage nach dem „Warum“ kann ich inzwischen schon gar nicht mehr beantworten, aber bevor ich „Spring“ zum ersten Mal in den CD-Player steckte, kreisten meine Erwartungen scham- und willenlos rund um die 60er Jahre. Ob das nun am Beatles-Klassiker oder schlicht und erschreckend einfach nur am Wort lag – keine Ahnung. Die zweite Erwartungs-Enttäuschung entpuppte sich am Ende dann als noch viel besser: „Yesterday Shop“- diese wunderbaren Songs mit den mal verspielten und dann wieder verzerrten Gitarren, den verträumt-melancholischen Melodien und dem stark UK-akzentuierten Gesang – kommen angeblich aus Deutschland. Noch dazu aus dessen Süden, gibt es doch gar nicht! Was erwartet man da im Normalfall? Jedenfalls nichts allzu Weltbewegendes. Meine unverschämten Gedanken, Erwartungen und Vorurteile enttäuschten also auf ganzer Linie – sehr zum Wohlwollen der verwöhnten Gehörgänge. Bei Yesterday Shop handelt es sich weder um die 60er-, und noch weniger um die 10er Jahre. Die Band aus Reutlingen/Balingen bietet vielmehr eine Mischung aus dem, was Emo war, bevor es Schimpfwort wurde und dem, was Postrock war, bevor diese Bezeichnung als universelle Schublade für alles, was nicht als Pop durchging verwendet wurde. Also doch eine kleine Reise in die Vergangenheit, wenn auch nur in die nähere?! Ach, ganz egal. Hauptsache, mich verzaubern wunderschöne Melodien, die gemeinsam mit Shoegazergitarren auf poppigen Klangteppichen daherwabern. Und zwar Song für Song, von Anfang an und immer wieder.
Die vier Jungs von Yesterday Shop sind u.a. mit Songs der aktuellen EP „Spring“ live zu bewundern ab dem 2. August. Hingehen!

02. August 2010: Franz K. (mit Dear Paris) – Reutlingen
03. August 2010: Kriegkstr12 (mit Kiwus) – Frankfurt
05. August 2010: Molotow Bar – Hamburg
07. August 2010: AZ (mit Bloons) – Mülheim
08. August 2010: Café Waldi – Leipzig

TEXT: Redaktion | RESSORT: Präsentationskorb, Reviews
30. Juli 2010 | Keine Kommentare




M.I.A. – MAYA

M.I.ALust an der Irritation

Das erste Album, Arular, benannte sie nach ihrem Vater. Das zweite, Kala, nach ihrer Mutter. Das dritte, Maya (Beggars Group / XL Recordings), nun nach sich selbst. Mathangi Maya Arulpragasam, die sich M.I.A. nennt, ist damit wieder ein Meisterwerk gelungen. Kämpferisch, immens dicht, disparat, Haken schlagend, hoch differenziert, eskalierend, politisch, militant, nervig, großartig. Der Bezug auf sich selbst ist dabei kein Zufall. Ihre Musik war immer auch Abbild ihres Daseins. 1975 in London geboren, ging M.I.A. ein Jahr später mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Sri Lanka. 1986 musste die Familie zurück nach London flüchten, der Bürgerkrieg in Sri Lanka eskalierte damals. Ihr Vater war Aktivist der tamilischen Befreiungsbewegung.

Seitdem ist M.I.A. eine, die Kulturen nicht verbindet, sondern frontal aufeinander prallen lässt. Was sie macht, ist so etwas wie eine Weltmusik 2.0, ohne den versöhnenden und versöhnlichen Konsens, der alle Kanten aufweicht, dafür mit drastischer Lust an der Irritation und der Provokation. In „Lovalot“, einem schon beim ersten Hören unwiderstehlichen, sogartigen, nicht einmal drei Minuten langen und von tiefen Bässen getriebenen Song, nimmt M.I.A. die Perspektive einer Selbstmordattentäterin ein: „I fight the ones that fight me / I really love alot, I really love alot“ , was klingt, als singe sie „I really love Allah“. „XXXO“ wiederum klingt fast ungebrochen nach Lady Gaga. Widersprüche solcher Art sind für M.I.A. kein Problem.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Reviews
26. Juli 2010 | 2 Kommentare




C/O POP IM GLORIA, FREITAG ABEND MIT OMD, CARIBOU, BONAPARTE, ROBYN

Ein bisschen peinlich, sehr bunt und leider unemanzipiert

Zwei mittelalte Herren – beide schwarz gekleidet und mit leichtem Doppelkinn-Ansatz – stehen auf einer Bühne und üben eine extreme Faszination auf das gesamte Gloria-Publikum aus. Diese beiden Herren sind die Gründungsmitglieder der 80er Jahre-Kuschelrockband von OMD. Nun könnte man das Publikum in zwei Sparten aufteilen: Glücklich grinsende (Ex-)OMD-Fans und – mittendrin – fassungslose Konzertgänger, die – zum Teil peinlich berührt und kopfschüttelnd – wortlos das Geschehen auf der Bühne beobachten. Denn diese beiden Herren stehen nicht vor den paar hundert Gästen von Günter Jauchs “Die ultimative Chartshow – Die erfolgreichsten Künstler der 80er Jahre”, sondern vor dem Publikum eines ausverkauften Spex-Konzerts im Rahmen der c/o pop. Wer hier Karten ergattern konnte, wartet ungeduldig auf Caribou, Bonaparte und Robyn.

Stattdessen setzt es erstmal altbekannte 80er Jahre-Hymnen und ein paar neue Songs ähnlichen Stils, performed von einem Laptop und zwei Menschen. Versehentlich, aber womöglich nicht ganz zusammenhangslos kommt mir das Wort “Alleinunterhalter” in den Sinn. Der Gipfel des ganzen sind die völlig übertriebenen Schlagersängerattitüden des topgelaunten Sängers Andy McCluskey. Immer wieder zeigt er mit weit ausholenden Gesten ins Publikum, möchte scheinbar die ganze Welt umarmen und wirft seine Arme dann doch nur um sich, gibt sich völlig seiner vor dem Spiegel einstudierten dramatischen Bewegungen (oder doch auch der Musik?) hin.
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TEXT: Senta Best | RESSORT: Reviews
5. Juli 2010 | Keine Kommentare




THE NATIONAL – HIGH VIOLET

the-national_high-violet2Reproduktionen

Robby Müller, der Filme von Wim Wenders oder Jim Jarmusch fotografierte, sagte einmal, der Stil sei der Tod der Kamera. Hört man die letzten Alben der aus Cincinnati, Ohio stammenden, inzwschen in Brooklyn beheimateten Band The National, ahnt man, was das in Musik bedeuten kann. The National standen vor ein paar Jahren, als sie gerade mit „Alligator“ ein Werk für die Jahrhunderte veröffentlichten, für ein Songwriting, das zwar nicht neu war, aber doch herausragend. Eigensinnige, aus der Stille erwachsende, vom Schlagzeug angetriebene, traurige, düstere Songs. Dazu der in sich zurückgezogene, wehmütige, fast monotone, aber dann auch immer wieder ausbrechende Bariton Matt Berningers.
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TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Reviews
1. Juli 2010 | Keine Kommentare




WILLIAM FITZSIMMONS – DERIVATIVES

wf_derivatives_cd(Grönland) Ein neues Werk des bärtigen Großmeisters, aber keine Sammlung neuer Songs. „Derivatives“ bietet vor allem Remixe von William-Fitzsimmons-Lieder, die er auf seinem letzten vollgültigen Album „The Sparrow and the Crow“ veröffentlichte. Das ist natürlich vor allem etwas für Fans, die Fitzsimmons nach und nach in ausreichender Zahl bekommt. Aber auch für die, die den Singer/Songwriter immer etwas zu ruhig und behäbig fanden, ist nun etwas geboten. Microboys Remix von „If you would come back home“ etwa ist wie für die Tanzfläche gemacht, und hat doch nichts von seiner Wärme verloren.

TEXT: Redaktion | RESSORT: Reviews
28. Juni 2010 | Keine Kommentare




LCD SOUNDSYSTEM – THIS IS HAPPENING

lcd_happeningEndlich ist es da, Kritiker und Fans haben seit 2007 darauf gewartet. Mit seinem dritten und – angeblich – letzten Album liefert James Murphy, Kopf des Projektes LCD Soundsystem, erneut eine tanzbare Disco-Punk-Platte ab, die zwar nicht mehr über-innovativ, aber weiterhin mit das Intelligenteste ist, was die Musikindustrie zu bieten hat. Das bekam auch Lady Gaga zu spüren. Sie musste ihre fünfmonatige Herrschaft über die elektronischen Billboard-Charts für eine Woche an das LCD Soundsystem abtreten.
Nachdem der Hype nun so langsam abebbt, versuchen wir uns mal an einer nüchternen Betrachtung von „This is Happening“:

Unaufgeregt beginnt der erste Track. Doch in gewohnter Murphy-Manier geht’s dann irgendwann los. Nix mehr mit Understatement, das LCD Soundsystem-Mastermind ist zurück. “Drunk Girls”, Song Nummer 2 auf dem Longplayer, erinnert an “Wild Boys” und ist doch mehr als eine Referenz an Duran Duran – gleichwohl kein Versuch den Disco-Punk zu emanzipieren. Denn die Musik, die Murphy geschaffen hat, ist vom ersten Release, Losing my Edge aus dem Jahre 2002, an universell. Hier hören die Mädels im gleichen Maße hin wie die Jungs, die Indie-Fans genauso wie die Elektro-Heads und am Ende der Musiknahrungskette warten die Nerds nur darauf, zu Drunk Girls auf dem Tanzflur die Glieder zucken zu lassen.
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TEXT: Daniela Ullrich | RESSORT: Reviews
25. Juni 2010 | 2 Kommentare




DON VITO – IV

donvito_IV(Discorporate Records/Cargo) Geil! Die überfallartige Intensität (naja, ich hab noch keine erlebt oder veranstaltet, aber man kann sich das ja mal vorstellen), mit der Don Vito aus dem Wilden Osten Deutschlands hier ihre zehn instrumentalen Math-Noise-Rock-Attacken abfackeln, ist bemerkenswert. Das längste Stück dauert 2:09 Minuten, das kürzeste gerade mal 42 Sekunden. Ist also schnell vorbei der Spaß. Aber – wie eine Minutmen-Platte – macht das nichts, weil man die auf „IV“ enthaltenen Informationsmengen ohnehin erst nach mehreren Durchläufen für sich halbwegs sortiert hat und danach erst recht immer mehr will.

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
23. Juni 2010 | Keine Kommentare