Die polnischen Hardcore-Brüder Kapsa (Something Like Elvis) gehen neue Wege: Mit dem Contemporary Noise Sextett sind sie jazzig, illustrativ und experimentierfreudig. Kopfkinomusik. Da verwundert es auch nicht, dass CNS auch schon einen Soundtrack zu einem Theaterstück gemacht haben. Auf Ghostwriter’s Joke vertonen sie jedoch kein Szenenspiel, sondern Lebensgeschichten von Freunden und Bekannten. Verschrobene, schwadige Bilder machen sich auf – erinnert mich irgendwie an das hier.
Die Rhytmussektion klebt und die Bläser sind, im meiner Vorstellung, verschwitzt und mit dem Unterleib gen Publikum gebogen. Polens junge Jazzszene ist ja eh gerade am Brodeln (siehe z.B. Mikołaj Trzaska – Leżał Możliwie / robotobibok – 54kw ).
Und auch hier: es groovt gewaltig, „Chasing Rita“ ist eins dieser Stücke, bei denen man unverhofft zu einem ausladenden Kopfnicker ansetzt. Die Arrangements sind weniger mit Jazz, als mit Rock oder Alternative verwandt. Die einzelnen Melodiethemen der Stücke bleiben zwar sehr präsent, stehen jedoch auf einem Prog-Rock schwangeren Unterbau. Dass die Jungs nicht nur Emo-Hardcore-wasauchimmer gehört haben, sondern auch mit Loops und Samples aufgewachsen sind, merkt man auch. Unter den freejazzigen Ausbrüchen hangelt sich im Untergrund immer noch eine Repetition durch.
Obwohl ich mir noch etwas mehr Aufbrüche und den ein oder anderen Knarz und Bimmel gewünscht hätte, überzeugt dieses Album durch seine Entspanntheit und Natürlichkeit. Die Scheibe ist Ausdruck dafür, wie angenehm man da drüben heutzutage mit dem traditionsbelasteten Jazz umgeht. Kein angestrengter Versuch, zu dekonstruieren; kein gewolltes Klangexperiment mit der Beteiligung von Abfall und Lebensmittel.
Rundum halten Contemoporary Noise Sextet eine Spannung aufrecht und überraschen dabei immer wieder. Noch etwas mehr Kitzeln und Ausprobieren hätten mich gefreut, doch sind CNS wie Zubrowka, ein kleiner Grashalm macht es gleich interessant-anders.