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M.I.A. – MAYA

M.I.ALust an der Irritation

Das erste Album, Arular, benannte sie nach ihrem Vater. Das zweite, Kala, nach ihrer Mutter. Das dritte, Maya (Beggars Group / XL Recordings), nun nach sich selbst. Mathangi Maya Arulpragasam, die sich M.I.A. nennt, ist damit wieder ein Meisterwerk gelungen. Kämpferisch, immens dicht, disparat, Haken schlagend, hoch differenziert, eskalierend, politisch, militant, nervig, großartig. Der Bezug auf sich selbst ist dabei kein Zufall. Ihre Musik war immer auch Abbild ihres Daseins. 1975 in London geboren, ging M.I.A. ein Jahr später mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Sri Lanka. 1986 musste die Familie zurück nach London flüchten, der Bürgerkrieg in Sri Lanka eskalierte damals. Ihr Vater war Aktivist der tamilischen Befreiungsbewegung.

Seitdem ist M.I.A. eine, die Kulturen nicht verbindet, sondern frontal aufeinander prallen lässt. Was sie macht, ist so etwas wie eine Weltmusik 2.0, ohne den versöhnenden und versöhnlichen Konsens, der alle Kanten aufweicht, dafür mit drastischer Lust an der Irritation und der Provokation. In „Lovalot“, einem schon beim ersten Hören unwiderstehlichen, sogartigen, nicht einmal drei Minuten langen und von tiefen Bässen getriebenen Song, nimmt M.I.A. die Perspektive einer Selbstmordattentäterin ein: „I fight the ones that fight me / I really love alot, I really love alot“ , was klingt, als singe sie „I really love Allah“. „XXXO“ wiederum klingt fast ungebrochen nach Lady Gaga. Widersprüche solcher Art sind für M.I.A. kein Problem.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Reviews
26. Juli 2010 | 2 Kommentare




13, BABY! MELT, BABY!

Das Melt!-Festival feierte dieses Jahr seinen 13. Geburtstag. Und was war das für eine Sause: Es wurde geheiratet (kein Scherz!), getanzt, gesungen und gefeiert. Geladen waren Bands aus aller Welt. Neben den Großen Headliner Massive Attack, Goldfrapp, Moderat, DJ Shadow und Booka Shade, durfte man sich auch dieses Jahr auf ein spannendes Line-Up freuen. Natürlich durften auch auf dem diesjährigen Melt! die Vertreter aus dem nördlichen Europa nicht fehlen.

melt2010_headphoto credits: intro.de

Gleich Freitag ging es mit den fantastischen Shout Out Lounds los. Musikalisch begleiteten sie mit „Please Please Please“ und „Walls“ die Sonne beim Untergehen und sorgten mit ihrem „Cure“-esken Sound für einige romantische Momente im Publikum. Sänger Adam Olenius sah wie immer aus, als wäre er gerade einer Haarpflegewerbung entsprungen und Keyboarderin Bebban Stenborg verzauberte mit ihrem elfenhaften Wesen wieder einmal den männlichen Anteil des Publikums.
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TEXT: Kati Weilhammer | RESSORT: Rocket Brother
20. Juli 2010 | Keine Kommentare




VELFERD

Wagen wir einen kleinen Vormarsch in die hierzulande noch unbekannten, dafür aber wirklich sehr hörbaren Gefilde der norwegischen elektronischen Musik. Klar, Röyksopp kennen wir alle und auch die Sologeschichten des guten Herr Øye sind den meisten bekannt.
Wer auf einem Konzert der The Whitest Boy Alive Tour im vergangnen Jahr war, kennt The New Wine bereits. Eine junge aufstrebende Band aus Bergen, die sich ganz den elektronischen Klängen verschrieben hat und gerade an ihrem Debütalbum bastelt.

newwine

Geir Hermansen, der die Keyboards und Synthesizer der Band bedient, ist in seinem Heimatland unter anderem als DJ bekannt. Unter seinem Pseudonym VELFERD hat er auch schon einen Remix für den ebenfalls aus Bergen stammenden Sondre Lerche angefertigt, jetzt gibt es gleich zwei neue Stücke aus seiner Trickkiste.
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TEXT: Kati Weilhammer | RESSORT: Rocket Brother
16. Juli 2010 | 1 Kommentar




C/O POP IM GLORIA, FREITAG ABEND MIT OMD, CARIBOU, BONAPARTE, ROBYN

Ein bisschen peinlich, sehr bunt und leider unemanzipiert

Zwei mittelalte Herren – beide schwarz gekleidet und mit leichtem Doppelkinn-Ansatz – stehen auf einer Bühne und üben eine extreme Faszination auf das gesamte Gloria-Publikum aus. Diese beiden Herren sind die Gründungsmitglieder der 80er Jahre-Kuschelrockband von OMD. Nun könnte man das Publikum in zwei Sparten aufteilen: Glücklich grinsende (Ex-)OMD-Fans und – mittendrin – fassungslose Konzertgänger, die – zum Teil peinlich berührt und kopfschüttelnd – wortlos das Geschehen auf der Bühne beobachten. Denn diese beiden Herren stehen nicht vor den paar hundert Gästen von Günter Jauchs “Die ultimative Chartshow – Die erfolgreichsten Künstler der 80er Jahre”, sondern vor dem Publikum eines ausverkauften Spex-Konzerts im Rahmen der c/o pop. Wer hier Karten ergattern konnte, wartet ungeduldig auf Caribou, Bonaparte und Robyn.

Stattdessen setzt es erstmal altbekannte 80er Jahre-Hymnen und ein paar neue Songs ähnlichen Stils, performed von einem Laptop und zwei Menschen. Versehentlich, aber womöglich nicht ganz zusammenhangslos kommt mir das Wort “Alleinunterhalter” in den Sinn. Der Gipfel des ganzen sind die völlig übertriebenen Schlagersängerattitüden des topgelaunten Sängers Andy McCluskey. Immer wieder zeigt er mit weit ausholenden Gesten ins Publikum, möchte scheinbar die ganze Welt umarmen und wirft seine Arme dann doch nur um sich, gibt sich völlig seiner vor dem Spiegel einstudierten dramatischen Bewegungen (oder doch auch der Musik?) hin.
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TEXT: Senta Best | RESSORT: Reviews
5. Juli 2010 | Keine Kommentare




“SENIOR” – RÖYKSOPP VON EINER ANDEREN SEITE

Röyksopp sind das Aushängeschild norwegischer Musikkultur. Torbjørn Brundtland und Svein Berge hatten mit ihrem Debütalbum „Melody A.M.“ 2001 ihren Durchbruch, auch mit ihren Alben „The Understanding“ (2005) und „Junior“ (2009) konnten sie Erfolge feiern. Die beiden aus Tromsø stammenden Jugendfreunde sind aber auch für ihr goldenes Händchen in Sachen Features bekannt. Neben Erlend Øye, Anneli Drecker, Robyn und Lykke Li waren vor allem die Songs mit Karin Dreijer Andersson (The Knife, Fever Ray) große Erfolge. Im September steht die Veröffentlichung ihres Pendants zu „Junior“ an. Svein Berge verrät schon mal, was uns auf „Senior“ erwartet:

„Als vor ein paar Jahren der Erfolg mit „Melody A.M.“ kam und wir auf Tour gingen, hat sich unser Leben schlagartig veränderte. Alles wurde hektisch und wild, wir waren ständig unterwegs. Inzwischen können wir mit dem ganzen Stress und den Verpflichtungen viel besser umgehen, wir wissen wie die Dinge laufen und sind viel entspannter. Deshalb haben wir auch die Zeit und Energie, um so viel Musik zu machen. Auf „Junior“ widmen wir uns wieder dem energetischen Elektropop, so wie auf den Alben zuvor. Auf „Senior“ zeigen wir uns stilistisch von einer anderen Seite. Es ist ein klassisches Ambientalbum, vergleichbar mit dem, was Brian Eno in den 70ern gemacht hat. Sehr atmosphärisch, energetische Beats und ohne Vocals. Damit erwarten wir keinen kommerziellen Erfolg, aber wir sind uns sicher, dass sich unsere Fans darüber sehr freuen werden.“

Am 13. September erscheint „Senior“ bei PIAS Europe.

TEXT: Kati Weilhammer | RESSORT: Rocket Brother
2. Juli 2010 | Keine Kommentare




THE NATIONAL – HIGH VIOLET

the-national_high-violet2Reproduktionen

Robby Müller, der Filme von Wim Wenders oder Jim Jarmusch fotografierte, sagte einmal, der Stil sei der Tod der Kamera. Hört man die letzten Alben der aus Cincinnati, Ohio stammenden, inzwschen in Brooklyn beheimateten Band The National, ahnt man, was das in Musik bedeuten kann. The National standen vor ein paar Jahren, als sie gerade mit „Alligator“ ein Werk für die Jahrhunderte veröffentlichten, für ein Songwriting, das zwar nicht neu war, aber doch herausragend. Eigensinnige, aus der Stille erwachsende, vom Schlagzeug angetriebene, traurige, düstere Songs. Dazu der in sich zurückgezogene, wehmütige, fast monotone, aber dann auch immer wieder ausbrechende Bariton Matt Berningers.
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TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Reviews
1. Juli 2010 | Keine Kommentare




WILLIAM FITZSIMMONS – DERIVATIVES

wf_derivatives_cd(Grönland) Ein neues Werk des bärtigen Großmeisters, aber keine Sammlung neuer Songs. „Derivatives“ bietet vor allem Remixe von William-Fitzsimmons-Lieder, die er auf seinem letzten vollgültigen Album „The Sparrow and the Crow“ veröffentlichte. Das ist natürlich vor allem etwas für Fans, die Fitzsimmons nach und nach in ausreichender Zahl bekommt. Aber auch für die, die den Singer/Songwriter immer etwas zu ruhig und behäbig fanden, ist nun etwas geboten. Microboys Remix von „If you would come back home“ etwa ist wie für die Tanzfläche gemacht, und hat doch nichts von seiner Wärme verloren.

TEXT: Redaktion | RESSORT: Reviews
28. Juni 2010 | Keine Kommentare




LCD SOUNDSYSTEM – THIS IS HAPPENING

lcd_happeningEndlich ist es da, Kritiker und Fans haben seit 2007 darauf gewartet. Mit seinem dritten und – angeblich – letzten Album liefert James Murphy, Kopf des Projektes LCD Soundsystem, erneut eine tanzbare Disco-Punk-Platte ab, die zwar nicht mehr über-innovativ, aber weiterhin mit das Intelligenteste ist, was die Musikindustrie zu bieten hat. Das bekam auch Lady Gaga zu spüren. Sie musste ihre fünfmonatige Herrschaft über die elektronischen Billboard-Charts für eine Woche an das LCD Soundsystem abtreten.
Nachdem der Hype nun so langsam abebbt, versuchen wir uns mal an einer nüchternen Betrachtung von „This is Happening“:

Unaufgeregt beginnt der erste Track. Doch in gewohnter Murphy-Manier geht’s dann irgendwann los. Nix mehr mit Understatement, das LCD Soundsystem-Mastermind ist zurück. “Drunk Girls”, Song Nummer 2 auf dem Longplayer, erinnert an “Wild Boys” und ist doch mehr als eine Referenz an Duran Duran – gleichwohl kein Versuch den Disco-Punk zu emanzipieren. Denn die Musik, die Murphy geschaffen hat, ist vom ersten Release, Losing my Edge aus dem Jahre 2002, an universell. Hier hören die Mädels im gleichen Maße hin wie die Jungs, die Indie-Fans genauso wie die Elektro-Heads und am Ende der Musiknahrungskette warten die Nerds nur darauf, zu Drunk Girls auf dem Tanzflur die Glieder zucken zu lassen.
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TEXT: Daniela Ullrich | RESSORT: Reviews
25. Juni 2010 | 2 Kommentare




DON VITO – IV

donvito_IV(Discorporate Records/Cargo) Geil! Die überfallartige Intensität (naja, ich hab noch keine erlebt oder veranstaltet, aber man kann sich das ja mal vorstellen), mit der Don Vito aus dem Wilden Osten Deutschlands hier ihre zehn instrumentalen Math-Noise-Rock-Attacken abfackeln, ist bemerkenswert. Das längste Stück dauert 2:09 Minuten, das kürzeste gerade mal 42 Sekunden. Ist also schnell vorbei der Spaß. Aber – wie eine Minutmen-Platte – macht das nichts, weil man die auf „IV“ enthaltenen Informationsmengen ohnehin erst nach mehreren Durchläufen für sich halbwegs sortiert hat und danach erst recht immer mehr will.

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
23. Juni 2010 | Keine Kommentare




ÓLAFUR ARNALDS – …AND THEY HAVE ESCAPED THE WEIGHT OF DARKNESS

O_uelafurArnalds_Album2_cover_print(Erased Tapes/Indigo) Zu seinen Vorbildern zählt er Arvo Pärt und Dmitri Schostakowitsch. Auch deshalb klingt die Musik des Isländers Olafur Arnalds so eigen. Sie erinnert in Teilen an das, was Max Richter erfindet. Ruhige, ganz nach Innen gebogene, vom Klavier getragene Songs, in die sich ein Streichquartett mit meist langen Haltetönen einmischt. Das ist genauso wunderschön wie manchmal auch etwas kitschig. Riesengroß, fast üppig wird es, wenn der PostRock zum Crossover-Meeting vorbeischaut. Doch dann fällt Arnalds auch immer wieder in die Stille zurück, die er so liebt, denn: „Nichts ist so zerbrechlich.“

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Reviews
22. Juni 2010 | Keine Kommentare




BONAPARTE – MY HORSE LIKES YOU

bonaparte_horse_cover(Staatsakt/RTD) Die Party wollte nicht enden. Zwei Jahre lang feierte man das Debütalbum mit dem passenden Titel „Too much“ in allen relevanten Clubs, „Anti Anti“, der TopHit des Erstlings, war der langersehnte Nachfolger von Deichkinds „Krawall und Remmidemmi“. Nun erscheint auf Staatsakt Bonapartes zweiter Longplayer, „My horse likes you“. Wieder entwerfen Bonaparte den zackigsten Indie-Electro-Trash-Sound, der sich derzeit in Berlin finden lässt, etwas grob vielleicht, aber immer auf den Punkt. Und ein Song wie „Computer in Love“ gehört in jede gute Playlist.

Heute übrigens im Rahmen der Fete de la musique live in der Bar 25 in Berlin zu erleben. (19.00 Uhr, freier Eintritt)

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Reviews
21. Juni 2010 | Keine Kommentare




BLACK BONED ANGEL – VERDUN

verdun(Riot Season/Cargo) Deep. Dafür nehmen sie sich Zeit: Etwas über fünfzig Minuten dauert dieses Album, das gar nicht erst in mehrere Tracks zerlegt ist, obwohl es aus drei Teilen besteht. Verdun, das war eine der verheerendsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Fast ein Jahr lang lagen sich deutsche und französische Armee gegenüber, am Ende waren auf beiden Seiten so um die 100.000 Mann „gefallen“, die Gegend in eine Kraterlandschaft verwandelt und nachhaltig verwüstet – und am Frontverlauf hatte sich unterm Strich kaum etwas verändert. Dieser Schlacht widmen sich die Neuseeländer Black Boned Angel mit zermürbender Düsternis und gnadenloser Konsequenz. Wobei zum Schlagzeug (das oft über lange Strecken schweigt) und elektrisch verstärkten Saiteninstrumenten noch Samples kommen, die das Nervenkostüm weiter zerrütten. Neulich schrieb ich über eine Doom-Band, Winter seien dagegen Fun Punk gewesen. Hier passte das auch, allerdings noch ein ganzes, tödliches Stückchen besser…

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
20. Juni 2010 | Keine Kommentare