MEIN ALTERNATIVES LEBEN #03
Man weiß es ja nicht sicher, aber manchmal kann man es sich wünschen oder ausdenken. Auf jeden Fall sollte man immer eine Alternative haben. Hier erklären uns ausgesuchte Menschen, wer wie und was sie geworden wären, wenn sie nicht geworden wären, wer wie und was sie sind.
Dieses Mal Mek Wito.
In meinem alternativen Leben wäre ich Lehrer. Lehrer von etwas älteren Jugendlichen, Lehrer an der Berufsschule beispielsweise, kein Gymnasium, kein höheres Niveau, sondern Lehrer einfacher Schüler mit einem direkten, konkreten Ziel; Lehrer von Schülern, die Fleischer werden wollen, oder Automonteur oder Drucker, Gärtner, Richter, Maurer, Koch; Schüler, denen ich die Liebe zu meinen Themen nahe bringen muss, sie zu etwas verführen, weil sich der Automonteur in meinen klischeebeladenen Bildern der sozialen Schichten nur schwer für so Sitzfleisch fördernden Stoff wie Geschichte, Geografie, Deutsch begeistern lässt. Es ist der Bildungsauftrag der mich weckt, den ich in meinem echten Leben als Löwenzähmer nicht nachgeben kann.
29. September 2009 | 7 Kommentare
So sitze ich in meiner Kreuzberger Dachwohnung und träume mich hin zu zwei Dobermännern vor dem Kamin und kleinen Jagdhunden, die nie auf die Jagd müssen und Tweedjacken, die so dick sind wie mein Handgelenk. In Berlin fängt jetzt wieder die Außensaison an. Haut raus, Augen wegpacken. Alle sehen irgendwie gut aus, ich nenn das den San Francisco Effekt – die Uncoolen haben sie erschossen oder von der Brücke geschubst. Mental note: Ich will mehr Häßliches, ich will mehr Obskures außerhalb von Project-Talk. I don’t know why you guys are always in spring while I’m in fall. Ich will nur Teil von irgendwas sein, wenn die anderen Teile weit genug von mir weg sind.


