CLEMENS J. SETZ – DIE LIEBE ZUR ZEIT DES MAHLSTÄDTER KINDES
Clemens Johann Setz ist ein wahres Multitalent. Der Grazer Germanistik- und Mathematikstudent ist nicht nur Übersetzer und „Gelegenheitszauberer“ – wie dem Klappentext seiner jüngsten Veröffentlichung zu entnehmen ist –, der Autor brilliert vor einem beeindruckten Buchmessepublikum zudem als Obertonsänger.
Die Vielseitigkeit Setz´ überträgt sich auch auf die breitgefächerte Themenwahl seines neuesten Erzählbandes. Wie sonst ließe sich erklären, was der Planet „Charakter IV“, „mehrhändiges Anal-Fisting“ und ein „stadtbekannter Behindertenkünstler“ zusammen unter einem Buchdeckel zu suchen haben. „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ ist die dritte Veröffentlichung des Autors, dessen Vorgängerroman „Die Frequenzen“ ihm bereits viel Aufmerksamkeit und positive Kritiken eingebracht hat. Dieser Band nun vereint 18 Erzählungen, die jedoch nicht nur in der Sujetwahl, sondern auch in ihrer Qualität sehr stark variieren.
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31. August 2011 | Keine Kommentare




Jeden Abend flattern die Bilder aus Südafrika über die Bildschirme nach Deutschland. Bilder des großen Fußball-Spektakels, farbige Bilder, bunt bemalte Fans, Bilder phantasievoller Kostüme, denen andere gegenüberstehen, die weniger bekannt sind. So scheint auch genau der richtige Zeitpunkt gekommen, die künstlerische Fotografie Südafrikas mit einer Ausstellung und einem Buch in den Fokus zu rücken. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Der Qualität des Bandes indes tut das keine Abbruch.
(Suhrkamp) „Man rechnet ja nicht damit. Wir glaubten an ein Morgen.“ Lene und Tonia verbringen unbekümmert ihren Studentenalltag in Berlin, bis ein Unfall alles verändert. Tim verliert dabei sein Leben, und Lene ihren Freund. Lene und Tonia verlassen Berlin, den Ort ihrer Erinnerungen, und begeben sich auf eine Reise, deren Richtung sie nicht kennen.
Petra Scholl-Artur hat mit „Das Pferd Daisy lahmt“ einen der ganz großen Tierromane unserer Zeit verfasst. Das 2476 Seiten starke Buch beschreibt das Leben der Stute Daisy von der Geburt bis zum tragischen Ende. Was hat man Petra Scholl-Artur nicht alles vorgeworfen: „Vermenschlichung“ schreibt der Glashüttener Stadtanzeiger, „falsch verstandene Tierliebe“ die Bad Camberger Morgenpost.
(Suhrkamp) Das lokale Käseblatt von Stepford versetzt seine Leser mit der Veröffentlichung eines Fotos, das ein absonderlich hässliches Wesen im Wald zeigt, in Aufruhr: „Etwas direkt von einer Müllhalde in Jersey. Oder aus den Tiefen eines Dixi-Klos.“ Andere meinen, es sehe eher aus „wie Richard Nixon, über und über mit Schlamm oder Kot bekleckert.“ Klar ist aber: Der Teufel von Blue Ball geht wieder um. Die alte Legende vom Werwolf, der im Landstrich sein Unwesen treibt, erwacht, und die Ereignisse spitzen sich zu, als „besorgte – also bewaffnete“ Bürger beschließen, das Ungeheuer zur Strecke zu bringen.
(Siebenhundertzwanzig Grad) In „Die Reserven” wird der junge Geologe Wenzel Hoffmann während der späten siebziger Jahre in ein Intrigenspiel um Ölfunde an der deutsch-deutschen Grenze verwickelt. Der Roman erscheint im neuen Themenbuchverlag Siebenhundertzwanzig Grad, dessen erste Themenreihe „Energie und Strategie” hiermit ihren Auftakt erfährt.
(Matthes & Seitz Berlin) Wie in einem Labyrinth irrt der Franzose Jacques Revel, der für ein Jahr als Korrespondent bei der Handelsfirma Matthews & Sons tätig sein wird, durch die nordenglische Stadt Bleston, die ihm so feindlich, monoton und erstickend scheint, dass er bereits bei seiner Ankunft spürt, wie sie seinen Geist durchdringen und Stück für Stück zersetzen wird. Es scheint als läge ein Bann über Bleston, ein grausames Verbrechen, dessen Auflösung Revel in der richtigen Entzifferung der Stadt und ihrer Geschichte sieht. Er beginnt damit, Bleston Stück für Stück zu erkunden und seine eigenen vergangenen und gegenwärtigen Erlebnisse aufzuzeichnen. Die komplexe Struktur der Stadt spiegelt sich in den immer wirrer werdenden, teils rückläufigen, teils Monate auseinanderliegenden Aufzeichnungen Revels wider, die sich langsam zu einem wuchernden, jegliche Rationalität verschlingenden Gebilde formieren. Michel Butors erstmalig 1957 erschienener Roman schafft durch seine mythologischen, literarischen und historischen Spiegelungen eine Erforschung des Phänomens Stadt. Für seine Erzählung nutzt er die grundlegenden Strukturen der Polyphonie. In Anlehnung an die literarische Moderne werden die Aufzeichnungen Revels zu einzelnen Stimmen, rückläufig und in gleicher Bewegung nach einander einsetzend. Die wirklich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr langen Sätze und unnötig blumigen Ausschmückungen Butors lassen einen leider oft verzweifeln, so dass man sich alle vier Seiten einen Kamillentee kochen muss, um nicht ins Buch zu beißen.



