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VERGESSENE STILE XL

Johnny Strohbuben: Sonne auf, Herz runter

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Winken die Worte nach innen,
was werden sie nur finden?
- ein Haus in den Frühling oder
das geteilte Echo der Verzweiflung?
Distanzen, länger als alle Gedanken,
nicht wie früher, als noch Sonne war
im Blick, als noch Herzen rhythmisch herrschten.

Und ein und aus gingen die Zeilen, nie
versiegend sondern Wurzeln treibend.
Eine Epoche in Gesang herrlich wie nie,
sonnambulant sich nie sättigend, denn
der Horizont war nicht wollern, wollte
es sein, ein hochtrabendes Märchen.
Heute geht nur Geld und es geht aus.

Aus dem alten Land ritt einst ein junger Dichter mit Hut im Gesicht in die große Stadt ein. Er wollte Lyrik, Liebe und Leidenschaft in die leeren Augen der Moderne pflanzen und tief und bohemistisch wie ein Werther leben und lieben, dichten und denken.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
6. Dezember 2011 | 1 Kommentar




VERGESSENE STILE XXXIX

Unser einzig täglich Brot
ist die Aussicht auf den Tod.

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Sieben Monate ist es her, dass im Pazifischen Ozean im Müllstrudel ein Schiff in einem wüsten Sturm unterging. Ein Großteil der Passagiere konnte sich auf ein abgelegenes Eiland flüchten, wie Rettungskräfte bei ihrer fieberhaften Suche herausfanden. Doch sie fanden weit mehr als Leben. Die bis dato vollkommen unbekannte Insel, kaum größer als ein Walrücken, wurde nämlich von den Gestrandeten auf ureigene Weise genutzt, um Hilfe anzulocken und dem sicheren Tod durch Verdursten, Kannibalismus oder Langeweile zu entgehen.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
24. November 2011 | 22 Kommentare




VERGESSENE STILE XXXVIII

GOTTHOLD PFEIFENKRAUT: DAS OPERNHAUS LEBEN LÄDT EIN

Mit_Gott_per_Du_CDWohl wissen wir, wenn die Götter
schlaftrunken ihre Oper
ausgesungen haben,
immer noch von keinem Heiligen-
schein, dem es entgegen-
zulaufen gilt.
Es wäre auch zu früh, um hoffen
zu können und zu vermessen,
um zu glauben.
Daher sperren wir unsre Ohren
im Konzertsaal nur
verzweifelt auf
und nehmen geduldig und brav
die Strenge der Askesen-
fibel in Kauf.
Es wäre auch zu früh, um
zu hoffen.

Dem gemeinen Volksmund galt die Sinnes- und Wahrheits- bzw. Glaubens- und Gottessuche schon immer als Dorn im Auge.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
10. November 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE XXXVII

fahrstuhlpinguin-stilFANNY VESPER: FAHRSTUHLVERGÄNGNIS

Ab und zu
fahren die Fahrstühle
und auch du
nach oben oder unten,
je nachdem,
wohin du willst.

Gleich den Blättern im Winde
drehen und verschnaufen sie
manchmal und allerorten, doch
ihre Bestimmung finden sie:

Die kalte, tote Erde.

(Aber keine Angst:)
Bevor wir sterben,
werden wir leben,
wohl oder übel,
hier wie dort.

Wir werden wandern auf Erden,
Freunde werden
mit der Verzweiflung und Angst,
die wir fühlen,
wenn wir über dem Orkus unserer
Vergängnis
spazieren und fliehen
in Lüfte und Wolken.

Fahrstühle werden uns verfolgen,
uns umarmen und, so geht es allen,
mit uns steigen, leiden, fallen
in kalte, tote Erde.

Schön, dass der ehrgeizige Geist der Wirtschaft endlich den torkelnden Sinn der Hochkultur vereinnahmt hat. Und es stimmt: Wer will nicht, dass Produktion, Konsum und Sein besser, schöner und effizienter werden und er irgendwann (bald!) am besten und optimalsten machen, kaufen und sein kann.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
25. Oktober 2011 | 1 Kommentar




NEVER GET OLD? EIN DEZENTER HINWEIS IN EIGENER SACHE

screen-capture Wie wird man im Musikgeschäft alt? Wie lebt es sich in einem Körper, der nicht verdrängen kann, dass er einmal jünger war? Was sind die Risiken und Nebenwirkungen von Liveauftritten, langen Tourneen und ständigem kreativen Output? Jörn Morisse und Oliver Koch haben mit Musikern über das Älterwerden gesprochen: In ihrem Interviewbuch „Never get old?“ erzählen unterschiedliche Künstler von Utopien, Kompromissen, altersadäquatem Verhalten und wie es gelingt, körperliche und geistige Widerstände zu überwinden.

Anlässlich der Veröffentlichung von “Never get old?” wird am 08.10. (19:30 Uhr) Jean-Hervé Péron auf die Bühne des Hamburger Golem gebeten. Als Gründungsmitglied der legendären Krautrock-Band “Faust” steht Jean-Hervé seit mehr als vier Jahrzehnten auf der Bühne. Seit 2002 führt er als “Art-Errorist” dada Events und Performances (z.B. ein Konzert für 46 Betonmischer und eine Flöte) auf und veranstaltet ein Avantgarde-Festival.

Schauen Sie doch einfach vorbei, der Eintritt ist frei!

“Never get old” versammelt Interviews mit: Vashti Bunyan, Wino (The Obsessed, St. Vitus), Edwyn Collins, Melissa Auf der Maur (Hole, Smashing Punpkins), Larry Parypa (The Sonics), Jon King (Gang of Four), Kim Wilde, Genesis Breyer P-Orridge (Throbbing Gristle, Psychic TV), DJ Tanith, Conor Oberst (Bright Eyes), Gloria Gaynor, Jaki Liebezeit (Can), Grant Hart (Hüsker Dü), Ian Mitchell (Bay City Rollers), Animal Collective, Justine Frischmann (Elastica), Marian Gold (Alphaville), Anvil, Tom Rapp (Pearls Before Swine), Poly Styrene (X-Ray Spex), Jason Molina (Songs: Ohia, Magnolia Electric Co.)

TEXT: Redaktion | RESSORT: Literatur, Präsentationskorb
6. Oktober 2011 | 6 Kommentare




VERGESSENE STILE XXXVI

TAMARA KLARA GANSGENAU: VÖGEL

Vögelein!
Vöhögelein!
Vöhöhöhöhöhö
gelein.
Vögelein!

Vögelein klein,
Vögel allein,
jRqtykO Vögelein!

Vögel!
Vögelein!
Vöhöhögelein!
O Vöhöhöhögelein!
O Vögelein!

Vögelein!

Neue Lehrbücher und Almanache brauche die Welt, meint zumindest die Dichterin Tamara Klara Gansgenau selbst. Neue, überarbeitete Wissensbrocken, die den oftmals allzu trockenen Gegenständen endlich mal ein bisschen Leben einhauchen, Sachverhalte auf den Punkt bringen und dabei trotzdem unser aller melodisches Herz zum Springen bringen.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
6. Oktober 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE XXXV

sonneNEMO HOSTIE: E TENEBRIS

Guten Morgen, du dunkle Nacht der Seele!
Bemerktest du schon die Sonnenstrahlen,
die dich kitzeln und die Welt anmalen
und warten auf den zarten Wind
deines Schaffens?
Oder den zarten Hauch des Klingeling,
den dein Freund der Wecker singt
dir vom Tage und vom Tun,
vom Licht und von den Farben?
Denn dein williger Teint
soll lebendig gerötet werden
und banal blühen wie Blumen
es nur tagsüber pflegen zu tun.

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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
13. September 2011 | 2 Kommentare




CLEMENS J. SETZ – DIE LIEBE ZUR ZEIT DES MAHLSTÄDTER KINDES

Setz_CoverClemens Johann Setz ist ein wahres Multitalent. Der Grazer Germanistik- und Mathematikstudent ist nicht nur Übersetzer und „Gelegenheitszauberer“ – wie dem Klappentext seiner jüngsten Veröffentlichung zu entnehmen ist –, der Autor brilliert vor einem beeindruckten Buchmessepublikum zudem als Obertonsänger.
Die Vielseitigkeit Setz´ überträgt sich auch auf die breitgefächerte Themenwahl seines neuesten Erzählbandes. Wie sonst ließe sich erklären, was der Planet „Charakter IV“, „mehrhändiges Anal-Fisting“ und ein „stadtbekannter Behindertenkünstler“ zusammen unter einem Buchdeckel zu suchen haben. „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ ist die dritte Veröffentlichung des Autors, dessen Vorgängerroman „Die Frequenzen“ ihm bereits viel Aufmerksamkeit und positive Kritiken eingebracht hat. Dieser Band nun vereint 18 Erzählungen, die jedoch nicht nur in der Sujetwahl, sondern auch in ihrer Qualität sehr stark variieren.
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TEXT: Miriam Schmidt | RESSORT: Literatur, Reviews
31. August 2011 | 12 Kommentare




VERGESSENE STILE XXXIV

SYLVIO NIMMERMÜDE: ALKOHOL- NEBEL- KLARHEIT-GEDICHT

absinthAn Tür und Kamin klopfte ich,
und schon öffneten die Pforten sich.
Ich gab ab Leid und Gleichgewichtssinn
und bekam dafür grünen Absinth

in die Hand und in Massen,
um Elend zu vergessen, mich zu therapieren,
kroch ich später auf allen Vieren
vor all den alkoholreichen Tassen.

Schwummrig schwammig unbestimmt,
wankend wabernd, endlich unverstimmt,
riss selig mein Film gen Morgen
und nahm mir wenig Freude, viele Sorgen.

Und auch der Kater, der mich beschwert,
ist mir edel’ Freund und Gefährt’.
und sinnig vegetieren ist Goldes wert,
Dank der Regierung, bist nicht verkehrt!

Die Regierung hat ihre Ideen wieder entdeckt und nach Jahrhunderten an einfallslosen Einsparungen und rigiden Verboten in Zusammenarbeit mit der Mast-Jägermeister AG, den deutschen Krankenkassen und der Vereinigung ACAB (Alleiniges Cognac- und Alkoholika- Bündnis) ein Programm erschaffen, was gleichzeitig dem Problem der Depressivität Abhilfe zu schaffen sucht (und Millionen an Medikamenten einspart) und die überkommene Kultur der AA um Kreativität und Selbstmedikation erweitert:
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
23. August 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE XXXIII

FRIEDRICH LEID: MEHR ALS BEWUSSTSEIN

EsmarchFriedrichvon_210_280Das Überbewusstsein muss
im Überdruss sein.
Auf der Oberfläche
des tätigen Seins
bilden sich Risse klein-
die werden wir selbst sein!

Denn über der Reflexion
schwebt das Schaffen,
das wir sind schon
längst und täglich.
Unser Körper sinniert
kläglich, verträglich
und synchron
über Bananen und Affen

Über die Psychoanalyse könne er nur lachen, gibt Friedrich Leid (geb. am 23.9.1939, nicht umsonst Freuds Todestag. Daher auch das Sprichwort: „Freud und Leid liegen manchmal nicht weit auseinander“), tschechischer Doktor der Anthroposophie und gleichzeitig Dichter und Meinungsbildner, gern mal bei Tisch zu Protokoll, wenn er seine Gedichte einer auserwählten Anzahl an Freunden, Geschäftspartnern und Bewunderern vorträgt.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
9. August 2011 | Keine Kommentare




EINE LESUNG UNTER FREUNDEN UND BEKANNTEN

Wolfgang Welt auf dem Dockville Kunstcamp in Hamburg
 
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Inmitten einer Kulisse, die an ein Schulungszentrum für DDR-Logistiker erinnert, werden zunächst kollektiv Lösungsvorschläge für Technik und Mikrofone erarbeitet bzw. einfach gebaut. Hatte man sich so nicht auch die freie Kunstszene vor dem Mauerfall vorgestellt? Für Wolfgang Welt jedenfalls scheint die Wohnzimmeratmosphäre der Location nichts Neues zu sein. Er streift durch die Räume, trinkt Bier, hat nicht so richtig Lust sich zu unterhalten, aber auch nicht so richtig Lust zu schweigen und wird mit späterer Uhrzeit immer aufgeweckter. Nachtwächter halt, aber eine ähnliche innere Uhr scheinen hier alle zu haben.
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TEXT: Julian Niedermeier | RESSORT: Literatur, Präsentationskorb
28. Juli 2011 | 3 Kommentare




WOLFGANG WELT & KNARF RELLÖM

Zusammen mit dem GOLEM präsentieren wir Wolfgang Welt und Knarf Rellöm auf dem Kunstcamp des MS Dockville-Festivals, 24.07., 19 Uhr
 
MS DOCKVILLE Kunstcamp 2011 - FLAUM. EIN FESTIVALRAUM. Seine eigenwilligen Artikel u.a. für den „Musikexpress“ und „Sounds“ haben Wolfgang Welt Anfang der 1980er Jahre als Musikjournalist bekannt gemacht: „Heinz Rudolf Kunze ist eine Null. Er selber weiß es am besten.“ Die kurze Karriere als Musikjournalist endet 1983 abrupt. Welt hatte sich für J.R. Ewing gehalten, hatte in einer Tschibo-Filiale randaliert und war in die Psychiatrie eingeliefert worden. Nach mehreren Monaten wird er entlassen: „Die Ärzte sagten nichts von geheilt, stattdessen würde ich meinen Lebtag Lithium schlucken müssen.“ Heute arbeitet Welt als Nachtportier am Bochumer Schauspielhaus – seine frühen musikjournalistischen Texte gelten mittlerweile als „Meilensteine des Pop-Journalismus“ (Spiegel Special), Welt selbst bezeichnet sie lapidar als „Fingerübungen“ auf seinem Weg zum Schriftsteller. Vier Romane entstanden seit der Entlassung aus der Psychiatrie. Auf Empfehlung von Peter Handke („Ich glaube, Wolfgang Welt ist sein wirklicher Name“) nahm ihn schließlich der Suhrkamp-Verlag unter Vertrag.
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TEXT: Redaktion | RESSORT: Literatur, Präsentationskorb
15. Juli 2011 | 5 Kommentare