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EINE LESUNG UNTER FREUNDEN UND BEKANNTEN

Wolfgang Welt auf dem Dockville Kunstcamp in Hamburg
 
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Inmitten einer Kulisse, die an ein Schulungszentrum für DDR-Logistiker erinnert, werden zunächst kollektiv Lösungsvorschläge für Technik und Mikrofone erarbeitet bzw. einfach gebaut. Hatte man sich so nicht auch die freie Kunstszene vor dem Mauerfall vorgestellt? Für Wolfgang Welt jedenfalls scheint die Wohnzimmeratmosphäre der Location nichts Neues zu sein. Er streift durch die Räume, trinkt Bier, hat nicht so richtig Lust sich zu unterhalten, aber auch nicht so richtig Lust zu schweigen und wird mit späterer Uhrzeit immer aufgeweckter. Nachtwächter halt, aber eine ähnliche innere Uhr scheinen hier alle zu haben.
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TEXT: Julian Niedermeier | RESSORT: Literatur, Präsentationskorb
28. Juli 2011 | 1 Kommentar




WOLFGANG WELT & KNARF RELLÖM

Zusammen mit dem GOLEM präsentieren wir Wolfgang Welt und Knarf Rellöm auf dem Kunstcamp des MS Dockville-Festivals, 24.07., 19 Uhr
 
MS DOCKVILLE Kunstcamp 2011 - FLAUM. EIN FESTIVALRAUM. Seine eigenwilligen Artikel u.a. für den „Musikexpress“ und „Sounds“ haben Wolfgang Welt Anfang der 1980er Jahre als Musikjournalist bekannt gemacht: „Heinz Rudolf Kunze ist eine Null. Er selber weiß es am besten.“ Die kurze Karriere als Musikjournalist endet 1983 abrupt. Welt hatte sich für J.R. Ewing gehalten, hatte in einer Tschibo-Filiale randaliert und war in die Psychiatrie eingeliefert worden. Nach mehreren Monaten wird er entlassen: „Die Ärzte sagten nichts von geheilt, stattdessen würde ich meinen Lebtag Lithium schlucken müssen.“ Heute arbeitet Welt als Nachtportier am Bochumer Schauspielhaus – seine frühen musikjournalistischen Texte gelten mittlerweile als „Meilensteine des Pop-Journalismus“ (Spiegel Special), Welt selbst bezeichnet sie lapidar als „Fingerübungen“ auf seinem Weg zum Schriftsteller. Vier Romane entstanden seit der Entlassung aus der Psychiatrie. Auf Empfehlung von Peter Handke („Ich glaube, Wolfgang Welt ist sein wirklicher Name“) nahm ihn schließlich der Suhrkamp-Verlag unter Vertrag.
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TEXT: Redaktion | RESSORT: Literatur, Präsentationskorb
15. Juli 2011 | 3 Kommentare




VERGESSENE STILE 32

Dr. med. Jens Pitterling:
Dir Alles in allem zu sein
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Was gäbe ich dafür,
dir Alles in allem zu sein!
Das Messer der Heilkunst
schwingt den Reim.
Im Gestankgeschwulst
der Innereien muss ein Herze sein,
dessen Fäden ich seziere,
dessen Bindungen ich studiere,
damit es einmal werde mein
und in meinen Händen blubbert
und dahin gammelt wie alter Leim.
Ja dann, meine Liebe,
hätte es sich ausgeschrubbert,
du wärst nichts mehr
und ich begönne,
dir Alles in allem zu sein.

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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
5. Juli 2011 | 2 Kommentare




DAS OBSZÖNE SCHREIBEN

9783701715688Unlängst erschien ein Text von Michaela Falkner mit dem allzu vielsagenden Titel „Du blutest, du blutest“. Die Autorin und Performerin aus Österreich holt aus, schlägt zu, und lässt das Blut auf 118 Seiten buchstäblich strömen. Bereits das Titelbild kündet vom morbiden Inhalt, ebenso wie vom Streben nach dem Gesamtkunstwerk, Performance als Lebensform: Zu sehen ist Falkner hervorscheinend aus oder verschwindend in dem schwarzen Hintergrund, weiß gepudert (wie Schnee), rote Lippen (wie Blut), dunkler Lidschatten und mit kleinen Reisigzweigen im hochgesteckten schwarzen Haar (wie Ebenholz), während sie den Untertitel ihres vorherigen Buches „Requiem für/ for Euphorie aufgeschlagene Knie“ (der Schilderung einer sado-masochistischen Liebesbeziehung) auf die blasse Haut ihres Armes schreibt. Das Foto zeigt den Moment, in dem der Stift die Innenseite des Handgelenks berührt – die Andeutung des Stifts als Messer, den Puls durchtrennend. Weiß überschrieben in Falkners Handschrift ist das Bild mit Angaben zum neuen Buch, das als Roman ausgegeben wird.
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TEXT: Frauke Pahlke | RESSORT: Literatur, Reviews
30. Juni 2011 | Keine Kommentare




SEHNSUCHT NACH RHYTHMUS – MARC FISCHER AUF DER SPURENSUCHE NACH JOAO GILBERTO

hobalala_rognerundbernhard_gDer frühe Tod des Berliner Journalisten und Autors Marc Fischer vor wenigen Monaten machte traurig – so viele seiner Reisereportagen hatte man gelesen, seine Feuilleton-Texte, so viel, seit seiner Zeit bei „Tempo“, später in der „Frankfurter Rundschau“ oder im „Spiegel“.

Jetzt, kurz nach seinem Tod, über dessen Ursachen Stillschweigen herrscht, erscheint Marc Fischers literarisches Vermächtnis. „Hobalala. Auf der Suche nach João Gilberto“ heißt sein soeben erschienenes Werk – und zu sagen, es wäre ein Buch über den Erfinder des Bossa Nova, würde zu kurz greifen. Doch Gilberto, der Musiker, der Klassiker wie „The Girl from Ipanema“, „Chega de Saudade“, „Bim Bom“ oder „Corcovado“ in die Welt pustete, steht im Mittelpunkt des Romans.
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TEXT: Redaktion | RESSORT: Reviews
9. Juni 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE 30

thumbnail.aspxAus aktuellem Anlass gibt es gleich noch einen Stil um die Ohren, nämlich den Folgenden:

Susanne R., das Lätta-Girl: Selbst ich immer &

Aus dem Mutterleibe kroch ich dreckig,
war erschöpft und schrie ganz blöde
und weil ich bin, wie ich bin:
lebenslustig, spontan, witzig,
leidenschaftlich, kreativ & immer ich selbst.

Als Kind lobsangen die Menschen
meinen süßen Sommersprossen
immer nur, niemand erwähnte, wie
lebenslustig, spontan, witzig,
leidenschaftlich, kreativ & immer ich
selbst sein konnte. Die lahme
Sommersprosse schimpften sie mich.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
30. Mai 2011 | 24 Kommentare




VIOLENT EVOLUTION – HILMAR BENDER AUF LESETOUR

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“Jetzt sag doch mal, wieso eigentlich KREATOR?”
“Das ist halt kein Pillepalle!”
Allerdings. Kreator begleiten einige von uns schon lange. Kreator sind Metal. Aber auch Punk. Und sie waren “Arbeiterkinder, die unter der grauen Smogglocke des immer prekärer werdenden Reviers groß werden”, wie Kristof Künssler in unserer aktuellen Ausgabe schreibt. Hilmar Bender hat sich um etwas gekümmert, das schon lange überfällig war. Er hat die Geschichte dieser wegweisenden Thrash-Metal-Institution festgehalten. In seinem Buch “Violent Evolution”, mit dem er jetzt auf Reisen geht. Es ist uns eine besondere Freude, diese Tour präsentieren zu dürfen. Nicht zuletzt, weil wir endlich mal was mit dem mächtigen Metal Hammer zusammen machen dürfen. Eine dringende Empfehlung von unserer Seite, lasst es euch nicht entgehen!

Hier die weiteren Tour-Daten:

* 18.05. Erlangen, E-Werk
* 19.05. Wiesbaden, Schlachthof
* 20.05. Solingen, Cobra
* 21.05. Münster, Amp
* 22.05. Köln, Sonic Ballroom
* 25.05. Berlin, HBC
* 26.05. Osnabrück, Kleine Freiheit
* 27.05. Hamburg, Haus III & 70
* 28.05. Flensburg, Volksbad
* 29.05. Bremen, Römer

TEXT: Redaktion | RESSORT: Literatur, Präsentationskorb
18. Mai 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE 28

hans_arpGerlinde Glimme:
Valion (Pferd auf Reisen)
Valion, Valion!
Schimmliger Gaul aus Babylon,
dort sind tausend Zungen geborn.
Oder war es Swasilon,
aus dem ich quasi komm?
Fragst du das schon,
o rührend schwimmelnder Valion?
Oder griff ich dir zuvor?
Auf dass im Schwindel hier Furor
dich packt mit rotem Zorn
gebe ich dir die Zotensporn.
Oder waren es die toten Ohrn,
deren Sinn ich verlorn
habe bei dir, Valion,
o bleibe hier in Babylon!

Erst wer verspottet wird, darf sich geliebt nennen, heißt es im kundigen Volksmund. Aber Spott ist für eine Künstlerin wie Gerlinde Glimme zu profan.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
29. April 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE 27

StileXXVIIPOPPO AUS DEM SONNENROTH: DER SCHIEFE FRIED GÄNSTERLEIN

Dolde der Istigkeit, magst dich
eräugen du mir inniglich?
Was gäbe itzt Wiesengrund Geläut,
dir Inburgheit zu zaufen?
Doch bekummert von Grimms
Beständnis erst kehrt ein
der schiefe Fried Gänsterlein
in das Gehaus der Seel.

Die Sprach- und Lyrikinitiative „Die ewig Vorgestrigen“ erreicht als mediales Echo zumeist nur blankes Unverständnis („What the fuck?“- TAZ), spöttelnde Distanz („Mittelaltermarkt eitler, ungereimter sprachlicher Idiosynkrasien“- Bella Triste) oder rigorose Ablehnung („Spinner labern Mist“- Bild). Zu weit zurück in die tatterige Grauzeit der Sprache reicht ihr Duktus, zu fern dem verständlichen Wort der Moderne ist ihr Gestus.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
14. April 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE 26

ich_denkmal.jpg.593935Egon Icherich: Alles ist Ich

Wenn Lyrik schön ist und die Wirklichkeit sich nicht bequemt zu blühen, so muss im Garten der Stile nachgesät werden. Schließlich sollen Blüten sprießen, Stile duften

Und für den frequently askenden unter den Lesenden: Der erste Vergessene Stil in dieser Form trägt die Nummer 26, weil hier bereits unzählige (25) Stile ausgegraben und breitgetreten wurden. Stoff für weiterführende Lektüre bzw. großflächig zu Meidendes ist also ausreichend bei der Hand.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
22. März 2011 | Keine Kommentare




NADAV KANDER: YANGTZE – THE LONG RIVER

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Der 1961 in Israel geborene Fotograf Nadav Kander wuchs in Südafrika auf, doch schon bald zog er nach London: ein Leben, das früh durch den Blick auf andere Länder geprägt wurde. Kander fotografierte für die wichtigsten englischen Zeitungen und Magazine, mit seiner Serie „Obama’s People“ wurde er international bekannt. Vor kurzem ist sein Fotobuch „Yangtze – The Long River“ erschienen.
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TEXT: Marc Peschke | RESSORT: Literatur
20. Februar 2011 | Keine Kommentare




GRANZ ZAPPA. FRANK ZAPPA FÜR FORTGESCHRITTENE

zappa_money.jpgGRAND ZAPPA“ ist der Titel eines Buchs, das sich dem Phänomen Frank Zappa in neuer Weise nähert. Der DIN A3-Schmöker versteht sich als kritisch-vergleichende Diskologie. Etwas ganz Besonderes für Zappatisten.

Dieses Buch ist nicht groß, es ist sehr groß. Beinahe im DIN A3-Format kommt es daher – und schon der Titel setzt eine Duftmarke: „GRAND ZAPPA. Internationale Frank Zappa Discology“ steht auf dem Cover. Doch dieser Band ist nicht nur im Umfang üppig, auch die Ausstattung ist nicht ohne: 1000 Abbildungen, allesamt gedruckt auf 200 Gramm schwerem Bilderdruckpapier.

Doch vor allem überwältigt der Inhalt. Denn der Autor Frank Wonneberg hat dem Jubilar Zappa – er wäre am 21. Dezember 70 Jahre alt geworden – ein Denkmal gesetzt. Der Zappa-Experte hat insgesamt 850 Vinyl-Alben-Versionen der 44 regulären, zu Lebzeiten erschienenen Alben gesammelt, die nun in diesem Band vorgestellt werden – ergänzt um alle seit 1994 erschienenen CDs. Da darf man sich schon fragen: Was ist der Sinn des Ganzen?
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TEXT: Marc Peschke | RESSORT: Reviews
15. Februar 2011 | Keine Kommentare