OPAK | wir müssen reden » OPAK #02

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WRITE DOWN YOUR TOWN

Aus dem neuen Heft gibt es hier als PDF bereits einen Info-Text zu den Mobile Sessions.

TEXT: admin | RESSORT: Heft, OPAK #02
11. September 2009 | 6 Kommentare




FEUER GEGEN DEN GLANZ-VERFALL

In OPAK #02 schreibt Politikressortleiter Lasse Koch im Literaturteil über „Lefeu oder Der Abbruch“ in: Werke Bd.1 von Jean Améry.

„Sie kommen schon, sie rücken näher: die Staffelei und das halbfertige Bild mit der Häuserfassade, das Lavabo, darin millimeterdick Ölfarben kleben, das schmutzige Geschirr, das sich anhäuft, die rissigen, abblätternden Wände, schmutzfarben wie das Bild, dem sie Obdach geben, wie das graue, unrasierte Antlitz, das aus dem Spiegel blickt, der von einer Zigarette angekohlte Brief des Anwalts auf dem durch queren Sprung ornamentalisierten Tisch.“

tanja-krokos-1Der Maler Lefeu lebt den Verfall. Er wohnt und arbeitet in einem heruntergekommenen Mietshaus, das früher einmal eine Fabrikhalle war und das jetzt einer modernen Stadtplanung zum Opfer fallen soll. Lefeus Abbruchhaus ist zum Abriss freigegeben. Das Paris der 70er Jahre soll sauberer werden. Der Abbruch des Hauses Cinq in der Rue de Roquentin hat bereits begonnen, längst arbeiten Bauarbeiter im Treppenhaus und in den Fluren, erstickt der Lärm der vorrückenden Bagger und Bulldozer fast jegliche Unterhaltung. Die Toilette ohne fließendes Wasser, die Heizung funktioniert nicht mehr, der Strom wurde abgestellt – aber Lefeu geht nicht, obwohl ihm eine Abfindung und ein modernes Appartement in Aussicht gestellt wurden.

In Gedanken formuliert Lefeu Protestschreiben, die er in Pariser Zeitungen veröffentlichen will, mittels eines Anwalts prozessiert er gegen die Baubehörde. Sich dem Verfall hinzugeben bedeutet für ihn den Rückzug aus der das Leben immer stärker nach Funktionalitätskriterien strukturierenden Moderne, gleichzeitig ist es Ausdruck einer Rebellion, die Lefeu durch eine „Verfallsphilosophie“ theoretisch zu begründen versucht.

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TEXT: Lasse Koch | RESSORT: Heft, OPAK #02
16. August 2009 | 46 Kommentare




DIE MODERNE SPRACHE DER EWIGGESTRIGEN

In OPAK #02 schreibt Fabian Lutz über die Kontaminierung deutscher Alltagssprache. Juliane Bartsch hat sich dem Thema auf andere Weise genähert.

Wer glaubt, die Zeiten von Sprachmanipulationen aus dem Dritten Reich wären vorbei, irrt. Nicht nur benutzen wir auch heute noch völlig unbedarft Begriffe, die nazistische Sprachdrechsler vor ca. 70 Jahren unter die Leute brachten; auch schaffen es Radikale unserer Zeit, mit einem neuen Sprachkodex nahezu unbemerkt in das Denken vieler Einzug zu halten und damit langfristig ihre Meinungsmache zu betreiben.

Wie viele häufig benutzten Begriffe oder Wendungen der Nationalsozialisten stecken im folgenden Absatz?
Es ist heutzutage leider weiterhin wichtig, große Kampagnen gegen Rechtsextremismus aufzuziehen. Jede noch so klein scheinende Aktion gegen Fremdenhass und Antisemitismus hat historische Bedeutung. Wir müssen uns fanatisch gegen Faschismus jeglicher Ausprägung stellen, aber beachten, daß wir bei der totalen Ausradierung aller rechtsradikalen Tendenzen trotzdem unser sonniges Gemüt bewahren, um frisch und fröhlich unsere alltäglichen Aufgaben zu organisieren.

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TEXT: Juliane Bartsch | RESSORT: Heft, OPAK #02
11. August 2009 | 2 Kommentare




DIE ETABLIERUNG DER UNORDNUNG

In OPAK #02 schreibt Musikressortleiter Björn Bauermeister über das Album der Ausgabe: “Bitte Orca” von den Dirty Projectors.

dirty projectors - bitte orca

Es soll eine Überraschung werden: Manolo setzt sich abends kurz entschlossen in Madrid in einen Flieger, um am nächsten Tag bei der Hochzeit seines alten Freundes am Meer von Steinhude aufzuschlagen. Und das, obschon Manolo die Trauerfeiern deutscher Vermählungen im Allgemeinen nicht gutheißen kann. „Warum macht ihr das so früh am Tag und dann auch noch so förmlich? Warum feiert ihr nicht richtig, sondern so verhalten und verstimmt?“ fragt Manolo die mit ihren Nasen im Nudelsalat herumstochernde Bekanntschaft seines frisch vermählten Kumpels. Manolo versteht die Welt ihrer Antworten nicht, krempelt seine Hosenbeine hoch und beginnt zu reden. Mit allen und jedem, stets ungeachtet dessen, dass sich die geschniegelte Hochzeitsgesellschaft unter dem Plastikpavillon und auf den Holzbierbänken eigentlich nur für Eines begeistern kann: Die Krise, also bitte!

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TEXT: Björn Bauermeister | RESSORT: Heft, OPAK #02
20. Juli 2009 | 3 Kommentare




SUNN-O)))

In OPAK #02 beschäftigt sich Nils Quak mit der Bedeutung von Klangästhetik. In seinem Beitrag „Sound und Rand“ widmet er sich insbesondere der Frage, wieso sich Musik zwischen Noise, Drone/Doom und atonalem Experiment gesteigerter Beliebtheit erfreut.

Passend zu dem Artikel im Heft hat Sebastian Cleemann für uns mit der Band Sunn-O))) gesprochen, die – einstmals nur einer überschaubaren Gruppe Eingeweihter bekannt – mittlerweile jede/r irgendwie auf dem Schirm hat.

 
01
At First I Thought It Was Not Even Music

Sie sind ein Krake mit offenen Armen. The parasite that keeps on giving. Seit 1998 erweitern Greg Anderson und Stephen O’Malley ihre Grundidee einer konzentriert langsamen Metaltektonik, und seit frühen Tagen halten sie sie offen für Einflüsse und Kollaborationen. “Es gab viele wichtige Mitspieler in der Geschichte von Sunn 0))). Einige sind geblieben, andere spielen nur nicht sehr häufig mit uns”, und sie alle haben Spuren hinterlassen, der schieren Wucht der Gitarren- und Frequenzarbeit des Kernduos Richtungen gegeben, von ihr getrieben selbst umwerfende Orte und Klänge entdeckt. Schnell wurde so das Konzept “Echt Langsamer Metal” gesprengt und Sunn 0))) entwickelten sich zu der kaum vergleichbaren Band, die an diesem Punkt ihrer Existenz wohl kein anderes Album als “Monoliths & Dimensions” hätte veröffentlichen können.

“Die gesamte Geschichte dieser Band hat uns an diesen Punkt gebracht, an dem es uns Können, Material, Kontakte und Helfer möglich machen, ein Album wie dieses aufzunehmen, das die Band so festhält, den Sound so greifbar macht.”

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TEXT: Sebastian Cleemann | RESSORT: Heft, OPAK #02
9. Juli 2009 | 33 Kommentare




HOW TO RECYCLE TRASH TV

In OPAK #02 schreibt Elisabeth Rank vom Fernsehen bei Twitter

„Als Zuschauer wirste gebuttert, ins Waffeleisen gepresst und danach gepuderzuckert und geerdbeert.“ (HappySchnitzel)

Wenn der einsame Mensch am Sonntagabend vor seinem Tatort sitzt, am Donnerstag vor seiner Modeldeutschlandinszenierung oder seiner Einrichtungssendung, alles in allem in jedem Fall vor dem Fernseher, greift er beherzt in die Schale mit den Flips, guckt kurz aus dem Fenster und reicht die Schale dann weiter an seinen Laptop. Dieser steht auf den eigenen Knien, surrt geschäftig und lässt ihn auch in dieser geruhsamen Stunde nicht im Stich, denn er hält den Draht zur Außenwelt, dort, wo das Wetter ist, das man vor dem Fenster sehen kann. Der Laptop hält die Verbindung und die Kommunikation aufrecht, dabei ist es eigentlich so quiet, i can hear that the refrigerator is on (There Are Ghosts, Karate). Und so klackern die mit Flipskrümeln verklebten Finger auf der Tastatur herum und schreiben auf, was sie sehen: deutsches, meist sehr massenkompatibles Privatfernsehen. Und schon ist der einsame Mensch auf seinem Sofa nicht mehr allein, denn vielen anderen Menschen geht es in Deutschland ganz genauso.

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TEXT: Elisabeth Rank | RESSORT: Heft, OPAK #02
2. Juli 2009 | 5 Kommentare




DANKESCHÖN!

handschuh

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TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #02
26. Juni 2009 | 6 Kommentare




PUTZIG

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #02
25. Juni 2009 | 15 Kommentare




DIE GROSSE SCHMUTZ-SAUSE!

opakreleaseparty 02

 
Die zweite Ausgabe wird gerade gedruckt und passend zum Release am 25. Juni findet unsere Party im NBI statt, auf der unter anderem die Lieblings-Schmutz-Songs der Redaktion gespielt werden.

Außerdem wollen wir auch eure dreckigen Lieder:
In die Kommentare schreiben, zur Party kommen, hören, freuen!

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #02
20. Juni 2009 | 29 Kommentare




ÜBER… ACH SCHEISS DER HUND DRAUF

In OPAK #02 schreibt Nagel in seiner Kolumne passend zum Heft-Thema “Schmutz” über eine Hündin und die Exkremente, die damit einhergehen.
Joachim Zimmermann hat ihn exklusiv für’s Blog fotografiert. Die Online-Redaktion kam nicht umhin, zwei der Bilder zu zensieren…

nagel mit hund

Die Hündin meiner Freundin Sonja heißt Rioja, wie der Wein, den es verwirrenderweise in Weiß, Rot und Einiges dazwischen gibt. Ein guter Name für einen Hund, wie ich finde.

nagelhaufenstein Nur manchmal, wenn wir nachts noch mal um den Block müssen und der Hund mal wieder zu lange in irgendeinem Gebüsch herumschlawinert, ist es mir etwas unangenehm, dass Sonja laut den Namen eines alkoholischen Getränkes durch die leeren Straßen brüllt.

Rioja ist häufig sehr übel (ich rede von dem Hund – der Wein schmeckt mir meistens sehr gut), denn sie hat einen schlechten Magen. Ohne ersichtlichen Grund lässt sie dann den Schwanz hängen und frisst jede Menge Gras, damit sie sich übergeben kann. Zuckend und würgend eilt sie davon und reihert peinlich berührt in irgendeine Ecke. Es sieht aus, als würde sie ersticken, und es klingt wie der Husten meines kettenrauchenden Nachbarn (45 Jahre Reval ohne Filter), aber danach geht es ihr meistens schlagartig besser.

nagelhaufenwieseSonja findet diese Kotzattacken lustig, hat aber auch Mitleid mit ihrem Hund. Wenn es Rioja nach dem Aufstoßen besser geht, streichelt Sonja ihr den Kopf und flötet mit hoher Stimme Sätze wie „Jaaaa, du Süße, das hast du aber fein gemacht!“ oder, wenn sie und der Hund missbilligend von irritierten Mitbürgern angestarrt werden: „Ihnen war wohl noch nie schlecht, was?“

Natürlich räumt Sonja niemals mit Schippe und Plastiktüte hinter ihrem Hund auf, was manch einer für unmöglich hält. „Da können wir doch nichts dafür, dass hier alles voller Beton ist!“ ereifert sich Sonja dann…
 

nagelmitspinnenweben

Den vollständigen Text gibt es ab 25. Juni in OPAK #02.

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #02
17. Juni 2009 | 3 Kommentare




OPAK #02 – DAS COVER

Augen auf ab nächster Woche! Das ist das Cover der neuen Ausgabe:

 
cover #02

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #02
17. Juni 2009 | 3 Kommentare




OPAK #02 – THEMA “SCHMUTZ”

schmutz1Wenn die Zähne schmutzig sind, sollten sie geputzt werden – ansonsten fallen sie aus und man kann nur noch Suppe essen. So einfach ist das. Sauberkeit ist anscheinend ein erstrebenswerter Zustand, der immer wieder aufs Neue hergestellt und behauptet werden muss. Gegen seinen klebrigen Zwillingsbruder namens Schmutz. Als gesellschaftliche Kategorien verkörpern beide weit mehr als nur Stoffliches: „Sauber ist schön und gut. Schmutzig ist hässlich und anderswo. Sauber hat recht“, schrieb Christian Enzensberger in seinem Essay „Größerer Versuch über den Schmutz“.

Wo Schmutz sich breit macht, ist das Verlangen nach Ordnung nicht weit. Man denke an die Broken-Windows-Theorie oder etwa die Landowsky-Affäre im Berliner Abgeordnetenhaus: „Wo Müll ist, sind Ratten, und wo Verwahrlosung herrscht, ist Gesindel. Das muss in der Stadt beseitigt werden“.

Aber so sehr sich einige von uns vor Vergänglichkeit, dem Verfaulen und Zerfall fürchten mögen, der Schmutz ist ein notwendiges Element industrialisierter Gesellschaften. Ob das 20. Jahrhundert als Etappensieg einer hygienischen Revolution oder aber als Demokratisierung des Sauberkeitswahns zu bezeichnen ist, darüber können wir nur spekulieren. Sicher ist, dass Schmutz ein facettenreiches Thema ist, über das es sich zu schreiben lohnt.

schmutz2Beispielsweise erklärt Dietmar Dath in unserer zweiten Ausgabe, wie immer mehr Klugheit in immer mehr Elend entsteht, und proklamiert die Aussicht, dass der Zustand der Menschheit trotzdem schön, wahr und gut werden wird.

Thees Uhlmann hat einen Mann getroffen, der oftmals als in mancherlei Hinsicht sehr unappetitliche Verkörperung des Punk wahrgenommen wurde, obwohl er eine tiefe Abneigung gegen Schmutz hat.

Jens Thomas findet nicht nur einen Zusammenhang zwischen Schmutz, Perfektion und Disziplinierung – er appelliert außerdem an den Gerechtigkeitssinn.

Apropos Gerechtigkeitssinn: Petra Engelke wundert sich über eine Mentalität, die in Aufrichtigkeit nur Nestbeschmutzung erkennt.

Was mancherorts immer noch als „Schundliteratur“ bezeichnet wird, hat sich als krisensicheres Phänomen herausgestellt. Ein bisschen hängen wir alle mit drin, und Senta Best erklärt, wieso.

Nils Quak wundert sich über das Interesse am akustischen Dreck unter den Fingernägeln der Popkultur.

Lasse Koch schreibt über Zivilisationskritik im Abbruchhaus. Anti-modernistisch und trotzdem progressiv? Wie geht das denn?

Die neue Ausgabe erscheint am 25. Juni.
Und kein Release ohne Party: Am gleichen Tag sehen wir uns deshalb im Berliner nbi!

Details folgen! Hurra!

Das erste Bild ist von Joachim Zimmermann, das zweite von Sarah Bernhard, bei denen jeweils das Kopierrecht liegt.

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #02
12. Juni 2009 | 17 Kommentare