OPAK | wir müssen reden » OPAK #01

» OPAK #01

PLEXIGLAS & BLUMENGESTECKE

In OPAK #01 schreibt Daniel Windheuser in der Reihe “Abseitsorte” über ein Beerdigungszentrum in der industriellen Peripherie Shanghais.

lfp-blaskapelleEs riecht nach Holzkohle und Blumen am Hauptportal des „Longhua Funeral Parlors“. Rechts und links des Tores kauern sich zur Straße hin offene Läden in den Schatten eines Autobahnzubringers, in einem der Geschäfte, das sich auf Grabsteinplaketten spezialisiert hat, photoshopt soeben ein Angestellter im Beisein eines Kunden ein Bild dessen verstorbenen Großvaters. In einer Vitrine liegen neben alten Emailleplaketten, auf denen Uniformträger und glückliche Ehepaare in Schwarz-Weiß zu sehen sind, kolorierte Beispielvarianten mit dem Abbild Britney Spears’.

Auf dem Gelände selbst fällt als erstes das wohl erst kürzlich errichtete Hauptgebäude auf, das sich mit einer architektonischen Mischung aus Bauhaus und Star Wars über diverse Aussegnungshallen, ein Krematorium und ein eher gastronomisch orientiertes Bauwerk, in dem sich mehrere Dinnersäle befinden, deren Belegung aus einer digitalen Anzeigetafel neben dem Eingang zu ersehen ist, erhebt.

(weiterlesen…)

TEXT: Daniel Windheuser | RESSORT: Heft, OPAK #01
5. Juni 2009 | 362 Kommentare




BARCELONA – EIN ABGESANG

In OPAK #01 beschreibt Sharon Welzel ihren Blick auf Barcelona, der wenig gemein hat mit den üblichen Lobhudeleien.

Mit beachtlichem Tempo hat man aus einem grauen Industriestandort eine mediterrane Metropole gemacht und der Preis dafür war hoch: Um 1992 die barcelona - l'estel ferit Olympischen Spiele zu veranstalten, wurden erneut tausende Menschen umgesiedelt; der Strand, so wie er heute existiert, musste erst erfunden werden.

Als Hommage an diejenigen, die dort einst mit kleinen Paella-Ständen ihren Lebensunterhalt verdient haben und für die Idee von mediterranem Flair weichen mussten, existiert heute nur noch ein rostiges Türmchen von Rebecca Horn. Die Skulptur L’estel ferit (Der verletzte Stern) besteht aus Quadern, die dem Originalformat der Buden nachempfunden sind.
Heute ein unfehlbarer Treffpunkt am sonst so aufgeräumten Strand.

Vamos a la playa – und damit genug des Lamentierens! Es ist großartig in einer Stadt am Meer zu wohnen – künstlich hin oder her. Neben Rauschen, Surf und Weite ist der Strand schließlich ein öffentlicher Raum von beachtlicher Größe und gerade in einer Stadt wie dieser, in der viel zu viele in beengten Kammern ohne Licht hausen unentbehrlich.

(weiterlesen…)

TEXT: Sharon Welzel | RESSORT: Heft, OPAK #01
28. Mai 2009 | 11 Kommentare




TOBERTS TIMBRETIPPS

In OPAK #01 schreibt Tobert Knopp eine Kolumne. Er beschäftigt sich zunehmend mit dem Auffinden von verloren gegangener Musik und interessanten Zeitdokumenten.

Die Aufnahme ist auf die frühen Siebziger datiert. Bei den teils komponierten Versatzstücken handelt es sich aber um Studioarbeit von 1982. Weitere Informationen lassen sich dem Klappentext der Kassette entnehmen.

Auf der A-Seite “Halfway Full The Moon” begeben sich Udo Slatek und Michael Zister bei einer Spieldauer von 25 Minuten auf eine Reise durch das jeweilige Spektrum ihrer Instrumente, wobei hier hauptsächlich modulare Synthesizer und Bandhall zum Einsatz kommen. Polyrhythmische Sequenzen verdichten sich mit einem klaren, analogen Echo zu einem fast tanzbarem Takt, die Vielschichtigkeit der einzeln Schritte verhindert allerdings jegliche Orientierung und es bleibt ein unbestimmbares Gefühl von räumlicher Irre. Schrittfolgen von Tonhöhenmodulation simulieren weitere treppenhaften Zugänge des Klangbildes, während die minimalen Wechsel in Tempo und Takt leichten Schwindel erzeugen. Slatek und Zister konstruieren beeindruckend homogene Bilder unterschiedlicher Klangquellen zu einem scheinbar einzelnen Instrument. Den einzelnen Musiker zu orten, erschwert die Komplexität des Geflechts, sowie die miserable Klangqualität der Aufnahme. Trotz der wirklich sehr diffusen Passagen im Mittelteil endet das Stück auf den Punkt mit einer erstaunlich konkreten Leere und einem ausuferndem Echo.

Die B-Seite “Das Klatschmohn-Manuskript” kann nur als eine Art klangliche Bestandsaufnahme verstanden werden. Sicher ist nicht, welcher Instrumente und Klangquellen sich bedient wurde, zumal der Tonträger keinerlei Informationen darüber liefert. Der Titel ist mit knapp zehn Minuten nicht nur wesentlich kürzer, sondern auch akustisch konkreter, wenn auch wesentlich wirrer und irritierender in der Wahl der verwendeten Stilmittel. Festzuhalten ist ein starker improvisierter Charakter, sowie ein sehr collagenhaftes Gesamtbild. Stimmen mixen sich mit analoger Synthese, herkömmliche Alltagsgeräusche wiederholen sich endlos zu einem mantraesken, flächig schwebendem Teppich aus einem Ganzen; es erinnert stark an die Music Concrete der späten 50er.

Es begeistert mich die Eigenständigkeit der Aufnahme, sowie die wirklich tiefklingende Form der alten, teils selbstgebauten Instrumente. Slatek und Zisters “Halfway Full The Moon / Das Klatschmohn-Manuskript” ist kein Meilenstein der Musikgeschichte, sondern vielmehr ein interessantes Zeitdokument, dessen selbstproduzierter Kassetten-Charakter dem ganzen eine besonders charmante Note verleiht und meines Erachtens auf eine Stufe zu stellen ist, mit der jetzt stattfinden Herangehensweise experimenteller moderner Musik, die oftmals das eigentliche Machen in den absoluten Vordergrund rückt und somit eine rasant-interessante Bewegung zulässt.

TEXT: Tobert Knopp | RESSORT: Heft, OPAK #01
8. Mai 2009 | 7 Kommentare




DIE MÄNTEL DER HAUT –
ÜBER DAS VERHÜLLEN UND ENTHÜLLEN BEI GESA ROSKAMP

In OPAK #01 schreibt Daniel Windheuser über seinen Atelierbesuch bei der Künstlerin Gesa Johanna Roskamp.

Ohne Titel, 2007, Öl auf Leinwand, 108 x 135 cm

Gesa Roskamp malt keine Porträts, sondern verhüllte Körper, die wiederum nur Platzhalter sind für das, was sich hinter und in ihnen verbirgt. Der uralte Diskurs von Verhüllen und Enthüllen, von Sichtbar und Unsichtbar zeigt sich in einer ganz neuen, anderen Variante. Die Oberflächen, mit denen man es hier scheinbar zu tun hat, verweisen zugleich auf sich selbst und auf das, was sie verhüllen. In einem sehr bewussten Umgang mit dem Formenkanon der Kunstgeschichte, der mal an den entrückten Manierismus Jacopo Pontormos, mal an die stilisierte Ikonografie Tamara de Lempickas erinnert, geht es immer um den Verweis auf das Geheimnis, das sichtbare Unsichtbare, das sich ein- und entfaltet in den Varianten der Bekleidung.

(weiterlesen…)

TEXT: Daniel Windheuser | RESSORT: Heft, OPAK #01
19. April 2009 | 9 Kommentare




WIR MÜSSEN BLOGGEN

Das Heft ist da, das Blog nun auch. OPAK findet ihr also zweimonatlich am Kiosk und hier geht es jetzt auch mal in die Vollen. Von nun ab gibt es an dieser Stelle eigenständige Formate, hübsche Kolumnen, gutaussehende Erweiterungen des Heftes, schicke Gäste sowie absolut unverpassbare Tipps und Tricks rund um alles. Natürlich freuen wir uns über euer Feedback zu Heft und Blog, zur Party oder euren Lesegewohnheiten.

Zum Montag starten wir mit einer kleinen Presseschau, denn OPAK wurde auch anderswo im Internet in letzter Zeit mal erwähnt, unter anderem bei

Kabelblume
Tomte
Meedia als „Anti-Neon“
Tücken des Alltags
ElectricGecko
Nummer 15
Herr Metag
Pure Vernunft
Reprodukt

Außerdem wird ab und an aus der Redaktion getwittert.
Follow us.

Guten Tag!

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #01
6. April 2009 | 6 Kommentare




HIER SIND WIR KÄUFLICH!

OPAK wird es an Bahnhofs- und Flughafenverkaufsstellen, sowie ausgewählten Kiosken geben. Es kann allerdings sein, dass das Heft an manchen dieser Verkaufsstellen erst am 31.03. erhältlich ist.
Also kommt entweder heute abend persönlich in Berlin auf der Release Party vorbei, schickt euch das Heft am Wochenende quer durch die Lande oder übt euch (mal wieder – und das könnt ihr gut) in Geduld.

Darüber hinaus könnt Ihr OPAK auch bei uns bestellen:
1 Heft kostet 4 Euro.
Das Abo mit fünf Ausgaben gibt es für 18 Euro.

Schickt dazu eine eMail mit Euren Bestellwünschen und Eurer Postadresse an abo at opak-magazin punkt de, danach das Geld überweisen (Details erhaltet ihr per eMail) und später in den Postkasten gucken. Fertig!

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #01
26. März 2009 | 44 Kommentare




#01 ZÄSUR – EIN EINBLICK

POLITIK

Sehnsucht nach Hölle (Thomas Ebermann)
Ein Kommentar zur Ideologie in der Krise. Was steckt hinter der Fachsimpelei von Wirtschaftsexperten, Philosophen, Politikern und Kirchenvertretern?

 
Kritik der Kritiklosigkeit (Martin Büsser)
Popjournalismus im Leerlauf. Wo ist eigentlich die substanzvolle Musik geblieben und wer assoziiert Pop noch mit einem Gefühl von Kritik?

 
Ein dramaturgischer Fehlgriff
Ein Volk kommt aus den Sümpfen. Warum ist die Hetze gegen das Finanzkapital fürchterlich und was hat das mit Thomas Bernhard zu tun?

(weiterlesen…)

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #01
25. März 2009 | 10 Kommentare




SEI DA ODER SEI QUADRAT!

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #01
23. März 2009 | 17 Kommentare




DER BARCODE

„Ich glaube, der Barcode funktioniert nicht. Guck mal, der sieht komisch aus.“
„Seit wann kannst du mit deinen Augen Barcodes lesen?“
„Guck mal hier, auf der inTouch. Da sieht der anders aus.“
„Wieso hast du eigentlich die inTouch?“
„Die hat André mitgebracht.“
„Wer ist überhaupt André?“

Das führt zu nichts und eine Odysee durchs Viertel beginnt.
Im Copy-Shop streikt der Farbdrucker. Nach 20 (!) Minuten mit ausgedruckter Seite zum ersten Laden. Hat keinen Barcode-Scanner. Dafür aber Zigaretten. Ab zum zweiten Laden. „Haben sie einen Barcode-Scanner?“ „Einen WAS?“ „Alles klar, tschööösss!“.

Dritter Laden mit Scanner-Kasse:
„Können sie mir den Gefallen tun, diesen Barcode hier zu scannen?“
„Aber dann müssen sie das auch kaufen!“
„Aber das ist doch meins, das habe ich mitgebracht.“
„Dann geht das leider nicht.“
„…“

Beim nächsten Supermarkt klappt es:
„4 Euro. Zeitschriften.“
JAAAAAA!

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #01
18. März 2009 | 13 Kommentare




THE PROOF IS ON FIRE

“OPPPACKKK. Ich glaube, das ist für sie. Ich hoffe, es ist nichts Wichtiges!”, nein, liebe Postbotin. Wie immer ist es nichts Wichtiges. Sie brauchen die Umschläge aber nicht grundsätzlich zu knicken oder falten, basteln sie doch beim nächsten Mal am besten gleich ein kleines Schiffchen aus den großen Umschlägen! Und setzen dieses dann draußen in einer Pfütze ab, wir finden es ganz bestimmt!

“Druck & Werte” lautet der Absender, der Brief ist so steif, als wäre ein dickes Stück Pappe drin. Aufgerissen, ausgepackt, aufgefaltet, erst mal Kaffee geholt. Für die Nerven, oder dagegen. Wieso kleben die Bögen eigentlich so? Ahh, vielleicht ist das hier das berühmte Fotopapier, von dem alle immer reden. Aber wer hat eigentlich den Namen der Fotografin falsch geschrieben? Mist, das war ja ich! Danke Proof, jetzt wissen wir, was noch zu korrigieren ist. Auch photomäßig, denn was der freundliche Mann in der Modestrecke trägt, das ist gar kein Ölfilm, wie du es uns zeigst, es ist eine Jacke, die sicherlich auch Falten wirft! Was auch immer zu tun ist, heute nachmittag geht es damit weiter.

TEXT: Oliver Koch | RESSORT: Heft, OPAK #01
12. März 2009 | 11 Kommentare




ÜBERSCHRIFTEN

Es hat geschätzte drei Wochen gedauert, bis sich die Überschrift gefunden hatte. Ein recht experimenteller Artikel in Anlehnung an Thomas Bernhard. Zitate, Schnitte, Bedeutungsebenen, verschiedene Handlungsstränge zeichnen Bernhards Spirit nach, seinen politischen Gehalt, die Verweigerungstaktik wird in die Jetztzeit übertragen. Aber ehrlich gesagt: Wie soll die Überschrift lauten?
„Ein Mann geht keinen Weg“ – hm…
„Eine Faust fährt durchs Land!“

Letztere Überschrift ist natürlich ein Geniestreich. Keine Frage: 1a Punchline! Leider vollkommen unpassend und irreführend, weil zu gaggig. Trotzdem machen? Der Autor ziert sich. Ja, aber ist doch super! Der Autor sagt, das sei natürlich ein ausgezeichnetes Argument, nur stehe diese Überschrift dem Text wirklich nicht zu Gesicht. Na gut, okay. Das ist ein Punkt. Außerdem sei doch kommuniziert worden, dass bei OPAK anders gearbeitet würde. Überschriften seien nicht der Willkür redaktioneller Entscheidungen ausgesetzt, der Autor hätte da ein bedeutendes Wörtchen mitzureden. Ein prinzipielles Problem also. Ja, stimmt auch wieder. Dahinter sollte man nicht zurück. Hinter Absprachen, die sein müssen, wenn man es ohne Kohle probiert. Schon wieder eine unangenehme Diskussion.

Und welche Überschrift ist es letztlich geworden? Bitte das Heft aufschlagen. Ab 27. März.

TEXT: Oliver Koch | RESSORT: Heft, OPAK #01
10. März 2009 | 3 Kommentare