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GANZ GROSSES KINO #05

LARS WEISBROD, geboren 1985 in Bremen, studiert in Köln und ist Gründungsmitglied der Trivial-Pursuit-Jugend Westerwald. Nachts arbeitet er heimlich am Gründungsmanifest der Neuen Gesellschaft der Dilettanti. Außerdem würde er gerne zum Humor in der analytischen Philosophie forschen und trinkt oft Limonade.
 

Das Cinedom in Köln ist ein seltsamer Ort, aber auch hier gibt es eine Sneak Preview, sogar OV, was ja allgemein als Steigerung von OmU gesehen wird, höchstens noch übertroffen von OmenglU, wenn das O aus einem abstrusen Land kommt, dessen Sprache kein Mensch versteht (Russland, Japan). So etwas erwartet man von Multiplex-Kinos wie dem Cinedom natürlich nicht, man erwartet, wenn man überhaupt etwas erwartet, dass sie tollkühne Riesenmaschinen aus Glas und Stahl sind, die wie gestrandete intergalaktische Raumschiffe in der Landschaft herumstehen. Auch im Cinedom gibt es natürlich Kinosäle, von denen jeder so groß ist wie ein Ballsaal in den Hamptons, man fährt auf langen Rolltreppen herum und wenn man von ganz oben runter guckt, denkt man: „Ui, ganz schön hoch!“ Bei genauerer Betrachtung verwandelt sich allerdings alles in eine kuriose Fehlplanung mit dem Charme einer Schulturnhalle. Dann sieht der Cinedom ein wenig so aus wie die Büros der Firma ADM Anfang der neunziger Jahre.

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TEXT: Lars Weisbrod | RESSORT: Film, Ganz großes Kino
6. Oktober 2009 | Keine Kommentare




GANZ GROSSES KINO #04

LARS WEISBROD, geboren 1985 in Bremen, studiert in Köln und ist Gründungsmitglied der Trivial-Pursuit-Jugend Westerwald. Nachts arbeitet er heimlich am Gründungsmanifest der Neuen Gesellschaft der Dilettanti. Außerdem würde er gerne zum Humor in der analytischen Philosophie forschen und trinkt oft Limonade.
 

Während ich das hier schreibe, sitze ich im Kaminzimmer des alten englischen Landhauses meiner Eltern, in dem ich in meiner Jugend die Sommerferien verbracht habe, so lange bis ich schließlich wieder in jenes altehrwürdige Londoner Internat zurückkehren musste, dem ich meine schulische und charakterliche Bildung verdanke. 

Das ist natürlich nicht wahr und möglicherweise wäre es nicht einmal besonders schön, wenn es wahr wäre. Unzweifelhaft aber ist es schön, so zu tun, als sei es wahr. 
In Wirklichkeit sitze ich im Kino meiner Heimatstadt, umgeben von Jungen und Mädchen, die so jung sind, wie ich war, als ich hier noch öfter herkam, dienstags, halb elf, zur Sneak Preview. Es gibt vor dem Film eine Verlosung von Promo-Kram, der sonst in Kinos einfach zum Mitnehmen ausliegt, es ist voll, weil Ferien sind, und die Zuschauer rufen und sind laut.

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TEXT: Lars Weisbrod | RESSORT: Film, Ganz großes Kino
1. September 2009 | Keine Kommentare




GANZ GROSSES KINO #03

LARS WEISBROD, geboren 1985 in Bremen, studiert in Köln und ist Gründungsmitglied der Trivial-Pursuit-Jugend Westerwald. Nachts arbeitet er heimlich am Gründungsmanifest der Neuen Gesellschaft der Dilettanti. Außerdem würde er gerne zum Humor in der analytischen Philosophie forschen und trinkt oft Limonade.
 

In der kleinen Nachbarstadt besuche ich die Sneak im weltberühmten Stern-Kino, Montaigne lässt ihre Magisterarbeitsvorbereitungen netterweise ruhen, um mich zu begleiten. Es kommt ein Film über amerikanische Soldaten im Irak. Auf Deutsch lautet der Titel ungefähr “Der Spind der Schmerzen”, in echt wird er hier aber vermutlich ganz anders heißen, “Die Teufelskerle der Delta-Kompanie” oder “Helden unter Feuern”. Die Gazetten werden den Film dann vermutlich geißeln, weil er sich nicht genug Mühe gegeben hat, kein Action-Blockbuster zu sein, aber ein Kriegsfilm sich die Mühe machen sollte (und die Gazetten haben damit natürlich recht).

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TEXT: Lars Weisbrod | RESSORT: Film, Ganz großes Kino
17. Juli 2009 | 1 Kommentar




GANZ GROSSES KINO #02

LARS WEISBROD, geboren 1985 in Bremen, studiert in Köln und ist Gründungsmitglied der Trivial-Pursuit-Jugend Westerwald. Nachts arbeitet er heimlich am Gründungsmanifest der Neuen Gesellschaft der Dilettanti. Außerdem würde er gerne zum Humor in der analytischen Philosophie forschen und trinkt oft Limonade.
 
Das mit der Überraschung ist heutzutage, hierzulande schwierig geworden. Man hat ja alles schon gesehen und weiß, was kommt. Wenn man sich überraschen lassen will, muss man sich schon einem konstruierten Überraschungsmoment hingeben. Man kauft sich ein Überraschungsei. Oder man geht in einen Überraschungsfilm der Woche. Ein monatlicher Bericht aus der Sneak Preview.

Keine Trailer. Ich bin alleine. Zidane konnte nicht, sie “musste reden”, das müssen jetzt wohl alle. Außer ihr ist sowieso keiner da. Es sieht düster aus. Auf die türkischen Jugendlichen vor dem Kino fielen dicke Regentropfen. Und jetzt auch noch keine Trailer! Vorhang auf, Film ab. Was kann es Schrecklicheres geben?

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TEXT: Lars Weisbrod | RESSORT: Ganz großes Kino
11. Mai 2009 | Keine Kommentare




GANZ GROSSES KINO #01

LARS WEISBROD, geboren 1985 in Bremen, studiert in Köln und ist Gründungsmitglied der Trivial-Pursuit-Jugend Westerwald. Nachts arbeitet er heimlich am Gründungsmanifest der Neuen Gesellschaft der Dilettanti. Außerdem würde er gerne zum Humor in der analytischen Philosophie forschen und trinkt oft Limonade.
 
Das mit der Überraschung ist heutzutage, hierzulande schwierig geworden. Man hat ja alles schon gesehen und weiß, was kommt. Wenn man sich überraschen lassen will, muss man sich schon einem konstruierten Überraschungsmoment hingeben. Man kauft sich ein Überraschungsei. Oder man geht in einen Überraschungsfilm der Woche. Ein monatlicher Bericht aus der Sneak Preview.

Zidane ist gerade vom Dreh am Meer zurückgekommen, wir treffen uns fünf vor zehn vorm Kino. Ich habe eine Nachricht von Montaigne bekommen, glaube ich jedenfalls, ich hatte ja ihre Nummer gelöscht. Ob noch jemand ins Stereo kommt, Bier trinken. Ich bin aufgeregt, aber Zidane hat schon Karten geholt. Ich kaufe mir Bier und Popcorn, Zidane kauft eklige Nachos, sie soll sich damit bitte woanders hinsetzen, sage ich ihr, macht sie aber nicht. Bevor die Vorschauen anfangen, schreibe ich Montaigne, dass ich Lust habe, mich zu betrinken. Und später vorbeikomme und schaue, ob an der Bar noch jemand sitzt, den ich kenne. Montaigne antwortet nicht. Ich freue mich trotzdem auf später.

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TEXT: Lars Weisbrod | RESSORT: Film, Ganz großes Kino
7. April 2009 | 2 Kommentare