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THE DANCE INC. – EINE KLEINE GESCHICHTE UND EIN DOWNLOAD

This Fighting Booklet.pdfEs war so:
Circa 2002 holte ich Jan Elbeshausen vom Hamburger Flughafen ab. Er hatte die letzten fünf Wochen in Kalifornien verbracht, ein paar Freunde besucht, die durch den Verkauf von Kaffee zu Wohlstand gekommen waren. Allesamt Musiker, verbrachten sie ihre Tage zwischen Strand und Proberaum, Jan besorgte dutzende Paare Chucks – man machte das damals so.
„Ey, check das mal!“, sagte er, gerade aus der Schleusentür kommend und drehte sich um. Auf dem Rücken seiner neuen schwarzen Collegejacke stand in roten Lettern „The Dance Inc.“ geschrieben. Was soll das denn jetzt wieder, dachte ich mir, ließ mir aber nichts anmerken. Jan, vollkommen euphorisch: „Geil, oder?! Das ist das neue Ding!“ Welches Ding auch immer, es war wunderbar, dass Jan mit einer Idee zurück gekommen war.
Der Weg zur Verwirklichung seines Vorhabens aber war steinig. Für Jan, weil er noch nie anders konnte, als seine Pläne mit einer Konsequenz zu verfolgen, die ihm jede Ruhe versagte. Und für mich? Eigentlich aus demselben Grund, denn ich wohnte damals mit ihm zusammen. Zu Gesicht bekam ich ihn zwar kaum mehr – er hatte vor kurzem das alte Klavier unserer Nachbarn gekauft und den Gitarrenverstärker aus dem Proberaum nach Hause geholt. Dafür hörte ich ihn. Das Geklimper riss nicht mehr ab, tagelang spielte er Gitarre und sang dazu.
Ich erinnere mich daran, dass seine Sätze damals alle mit „Ich muss…“ anfingen und grundsätzlich nicht zuende gebracht wurden. Eines Tages saßen wir zusammen in der Küche. Ich durchblätterte die Zeitung, während Jan die letzten Seiten eines Buches von Rimbaud las. Plötzlich schlug er den schmalen Band zu, sah mich an und sagte: „Do it to me, demon!“
Wir lachten. Das Zitat war natürlich nicht schlecht! In Wirklichkeit aber machten wir uns langsam Sorgen. Um „den Kleinen“, wie Jochen und Lars Jan damals immer nannten. „Das ist eine Metamorphose“, sagte Jochen. „Ja, wenn wir nicht aufpassen, wird er Mick Jagger und Jim Morrison in Personalunion!“, sagte Lars und fügte hinzu: „Das wird kein gutes Ende nehmen. Aber wir lassen ihn machen.“
Um ehrlich zu sein, wir hatten nicht daran geglaubt, dass The Dance Inc. lange bestehen würde. Es dauerte acht Jahre bis Stefan Goetsch von der Bühne kam und seufzte: „I’m over!“ Jan antwortete nicht, es war klar, The Dance Inc. waren am Ende angekommen.
Zum Abschied gibt es nun „This Fighting“ zum gratis Download. Ob es nun Hamburgs verspätete Antwort auf Soft Cell, Human League und Stevie Wonder ist oder einfach der letzte Baustein einer Idee, die viele Jahre zuvor aus Kalifornien mitgebracht wurde, sei dahin gestellt. Gerüchten zufolge gibt es eh schon wieder eine neue Idee. Für’s erste aber gilt: Bitte laden sie runter!

TEXT: Ulf Ayes | RESSORT: Reviews
4. Juni 2010 | 4 Kommentare




SERENA-MANEESH – S-M 2: ABYSS IN B-MINOR

s-m-sm2-aa(4AD/Beggars Group/Indigo) Es ist alles nur ein Trick. Vordergründig unbeherrscht, ruhelos und krachig, scheint das zweite Album der Norweger doch endlos durchkonzipiert. Eine Art inszenierter Kontrollverlust, ausgelöst in einer Höhle bei Oslo. Dorthin nämlich zog sich die Band 2008 zurück, um ihren Entwurf von Zügellosigkeit durchzudeklinieren. Von ebendiesem Widerspruch lebt das Album. Es ist abgeklärt und psychedelisch zugleich, minutiös kalkuliert und trotzdem einigermaßen verkifft. Dermaßen am Gazen waren wirklich zuletzt My Bloody Valentine, streckenweise werden wir erinnert an die letzte UNKLE-Platte. Mitsamt ihrer Verschmelzung von Stoner-Rock und Rave. Was ist so kunstvoll an Serena-Maneesh? Ihr Trick ist ein guter, das Album eine planvolle Einladung zum Freak-out, die wir gern annehmen können.

TEXT: Ulf Ayes | RESSORT: Reviews
25. April 2010 | Keine Kommentare