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ODDJOB – CLINT

Cover_9494-2Clint. Das kann man so stehen lassen. Wie Miles. Fünf Buchstaben, die sich wie ein Manifest lesen lassen. Dachte sich auch die schwedische Jazzrockcombo Oddjob und widmete ein ganzes Alben verschiedenen Musiken aus Filmen Clint Eastwoods. Ennio Morricone natürlich, dessen The Good, The Bad, The Ugly hier seinen Western-Schrecken verliert, aber super klingt. Dazu das grandiose Lalo-Schifrin-Material aus Magnum Force oder Hang ´Em High, das Oddjob nicht einfach abspielen oder bloß neu instrumentieren, sondern spielerisch und mit großer Klanglust in ihre Welt übersetzen.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Allgemein, Musik, Reviews
2. April 2010 | Keine Kommentare




ALCOHOLIC FAITH MISSION – LET THIS BE THE LAST NIGHT WE CARE

PONY29(PonyRec./IMorr/Indigo) Wieder eines dieser Indie-Kollektive mit Sinn für tragische Größe mag man für einen kurzen Augenblick denken, wieder eine Combo, die auf der Welle reitet, die Arcade Fire oder Broken Social Scene ausgelöst haben. Aber schon ein paar Sekunden später spürt man den Eigensinn, den Alcoholic Faith Mission trotz aller Referenzen aufbieten. Das Songwriting ist offener, brüchiger, stärker nach Innen gebogen, die instrumentale Opulenz noch einmal fragiler. Und ein vom Klavier getragener Song wie Put the virus in you ist schlicht grandios.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
30. März 2010 | Keine Kommentare




MARDI GRASS.BB – VON HUMBOLDT PICNIC

mg_coverIns Unnahbare

In den Hazelwood-Studios in Frankfurt Rödelheim entsteht seit vielen Jahren schon famose Musik, die famoseste von Mardi Gras.bb (Hazelwood/Indigo), dem dreckigen Dutzend um Snake Doctor Wenz und dem ehrwürdigen Reverend Krug. Nachdem sie den Voodoo nach Deutschland gebracht hatten, reisten sie in die Roaring Twenties zurück, „zu alerten Gelagen in Absinth-Spelunken und Kokain-Saloons“, wie es damals hieß. Ohnehin war schon immer die größte Qualität von Mardi Gras.bb, das jedes Album einer neuen Häutung gleichkam.
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TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
28. März 2010 | Keine Kommentare




DEICHKIND PRÄSENTIERT: PAPA PROFESSIONELL

88296(Buback/Indigo) Hinter dem Erfolg von Deichkind stand ein Mann, den die Öffentlichkeit kaum wahrnahm, weil er lieber Verborgenen tüftelte: Sebastian Hackert. Im letzen Jahr starb er völlig überraschend und viel zu früh. Nun präsentieren Deichkind eine Hommage in Compilation-Form, mit vielen Songs aus dem direkten Hamburger Umfeld. Fünf Sterne Deluxe, Ferris, Eins Zwo, Fettes Brot, Das Bo, aber auch Hackerts Remixe, etwa von International Pony. Eine Zusammenstellung, die, so sagen es die Macher, „es einem in ihrem Wildwuchs nicht zu leicht machen will“.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
25. März 2010 | Keine Kommentare




JOANNA NEWSOM – HAVE ONE ON ME

NewsomHaveOneOnMe(Drag City/RTD) Als vor zwei Jahren ihr Album “Ys” mit nichts mehr als fünf ziemlich langen, von einer Harfe getragenen Songs erschien, hatte der New-Folk eine neue Ikone. Joanna Newsom galt manchen sogar als Reinkarnation einer Joni Mitchell, so eigensinnig und tief traurig war ihre Musik. Nun hat sie ihr zweites Album veröffentlicht, “Have one on me”, das in seiner Länge ziemlich sperrig daherkommt, auf über zwei Stunden summiert sich das auf drei CDs verteilte Songmaterial. Wieder aber bewegt sich Newsom in ihrer ganz eigenen Welt, die so schön ist, dass sie sich kaum beschreiben lässt.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
15. März 2010 | Keine Kommentare




LA STAMPA – PICTURES NEVER STOP

cover_la_stampa_webSelbstbewusst aufgeklärt

(staatsakt./RTD) Manchmal lohnt es sich zu wissen, wo Musik herkommt. Und damit ist nicht ein Herkunftsland gemeint, auch keine Stadt oder eine ominöse Szene, sondern ein Umfeld, in dem Gedanken sich entwickeln und andere auf Widerstände treffen, die man nicht wegschieben kann. La Stampa benennt ein solches Umfeld diffus. Man bewege sich im „internationalisierten, komisch schwer verortbaren Berliner Kunst-Musik-Milieu“. Aha, mögen manche denken. Aber wer die Musik von La Stampa hört, findet viel davon wieder. Das Internationalisierte, das schwer Verortbare, die Annäherung an den Pop von den Rändern her und meinetwegen auch das Komische.
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TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
9. März 2010 | Keine Kommentare




GIL SCOTT-HERON – I’M NEW HERE

gil-scott-heron-im-new-here(XL Recordings/Beggars/Indigo)
16 Jahre lang hat der Mann geschwiegen, der mehr war als nur ein Sänger, mehr auch als ein Offbeat-Poet, wie man ihn nannte. Gil Scott-Heron war ein Aufbrecher im besten Sinn. Er hat den Rap erfunden, lange bevor man eine Idee hatte, was Sprechgesang eigentlich sein könnte. Er hat der schwarzen Befreiungsbewegung eine Stimme gegeben und ihnen die berühmten Worte mit auf den Weg gegeben: „The revolution will not be televised“. Nun hat er ein neues Werk veröffentlicht, das den schönen Titel “I’m new here” trägt und ihn in einem tatsächlich neuen, nämlich minimal-elektronischen Umfeld zeigt.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
8. März 2010 | Keine Kommentare




FEHLFARBEN – GLÜCKSMASCHINEN

Fehlfarben_gluecksmaschinenGegenwart, nicht Geschichte

(Tapete/Indigo) Als zu Beginn des neuen Jahrtausends der Punk wieder in aller Munde war und man sich dabei auch der Anfänge in Deutschland erinnerte, sorgte ihr Comeback noch für Furore. Im Januar 2003 verkauften Fehlfarben die Große Freiheit in Hamburg aus, und Peter Hein, der Abtrünnige, der 1980 zwei Tage vor der ersten großen Tour ausgestiegen war, war plötzlich wieder ihr Frontmann. Schon da stritt er darum, nicht bloß als ein Fossil anerkannt zu werden, sondern als ein Stück Gegenwart. Zum Abschied, als längst schon Bierbecher flogen, rief Hein der in Erinnerung schwelgenden Ex-Punk-Gemeinde den wunderschönen Satz zu: „Es tut mir leid, dass ich euer Abi-Treffen gestört habe.“
Die Auftritte danach erregten weniger Aufsehen, genauso wie die Platten, die Fehlfarben nun wieder einigermaßen regelmäßig aufnahmen. Das lag einerseits an der noch immer gepflegten, uralten Punk-Tradition, selten überprobt auf die Bühne zu gehen – andererseits war das, was Fehlfarben im Studio ersannen, dagegen oft schlicht grandios. Das ist auf dem neuen Album, das „Glücksmaschinen“ heißt und auf dem Hamburger Label Tapete Records erschienen ist, nicht anders. Ok, über die Synthesizer in der „Stadt der 1000 Tränen“ kann man streiten, aber die Präsenz, die gerade Heins phänomenal-charakteristischer, widerborstiger Gesang hat – das ist nicht Geschichte, das ist pures Jetzt. Man muss sich nur einmal den Titelsong anhören. Große, druckvolle, berstende Musik.
„Wir leben, wir sind Glücksmaschinen. Wir sind noch lange nicht ausgeschieden.“

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
16. Februar 2010 | Keine Kommentare




VAMPIRE WEEKEND – CONTRA

Vampire-Weekend-Contra-Cover-Art(XL Recordings/Indigo) Mehr Aufmerksamkeit kann man nicht erzielen. Vampire Weekend sind die Band der Stunde, ihr zweites Album, Contra, wird landauf, landab verhandelt. „Globale Rhythmen und geniales Melodieverständnis“, so bringt es ein Boulevardblatt etwas grob, aber nicht einmal ganz falsch auf den Punkt. Die Referenzen sind natürlich deutlich komplexer, die vier New Yorker Jungs haben aus der Geschichte viel gelernt. Ihr Faible für die verspielte Leichtigkeit eines Paul Simons ist dabei geblieben, wie Contra ohnehin vor allem wie eine Fortsetzung des selbstbetitelten Debütalbums klingt.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
16. Februar 2010 | Keine Kommentare




OWEN PALLETT – HEARTLAND

owen_pallet(Domino/Indigo) Für Arcade Fire arrangierte er den Streicherpart, für die Pet Shop Boys oder auch für die Last Shadow Puppetts. Aber am zauberhaftesten ist Owen Pallett dann, wenn er selbst Musik macht, nur er mit seiner Geige und einem Meer an elektronischen Spielereien. Früher trat er unter dem Pseudonym Final Fantasy auf. Sein drittes Solo-Album, Heartland, veröffentlicht er nun unter eigenem Namen. Die Musik ist ausschweifend wie eh und je. Owen Pallett ist sein eigenes Orchester, das Pop in Filmmusikgröße gibt und sich dabei eine seltsame Zerbrechlichkeit bewahrt.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
22. Januar 2010 | Keine Kommentare