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VERGESSENE STILE XLII – STIL DER LIEBE

ELISABETH WÜRFEL: GESPIELEN DES GESCHICKS

Tarot-Die-LiebendenDie Liebenden muss niemand feiern,
sie feiern sich selbst-
in dreckigen Hotelzimmern,
in heimlichen Zusammenkünften.
Sie können nicht anders und der Schmutz
an ihren Fingern kleistert das Bündnis
gegen die Welt zu.

Sie sind Gespielen des Geschicks
und schicken sich selbst einander zu
weit jenseits des Schicklichen.
Verbotene, verwünschte Liebesschwüre
an abseitige und dumme Götter.
Das ist die Heiligkeit der Liebenden,
sie feiern sich selbst.

„Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“ sagte schon der alte Preußenkönig von Clausewitz und da die Liebe nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, so verbarg der weise Flötenspieler immer eine Kanonenkugel in den Blumen an seine Geliebten.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
27. Januar 2012 | 13 Kommentare




VERGESSENE STILE XLI

Charlotte Schimmel: Weil Weihnachten ist

Rudolph, der Weihnachtsmann,
stellt sich nicht zimperlich an,
wenn sein leuchtender Bart
am ewigen Geburtstag
leuchtet und schimmert
und der rote Sack voller Cola
auf dem Rücken wimmert
wie die Gedichte der Kinder
unter der Knute der Rute.

tontoepfe-rudolph
Er reitet auf seinem dicken Bauch
durch alle Schornsteine
und Heizungsrohre auch.
Rudolph, der Weihnachtsmann,
kommt Weihnachten meist gut an.

Nein, fein säuberliches Differenzieren und ehrfürchtige Traditionstreue sind keineswegs ihre Tasse Tee.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
24. Dezember 2011 | 24 Kommentare




VERGESSENE STILE XL

Johnny Strohbuben: Sonne auf, Herz runter

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Winken die Worte nach innen,
was werden sie nur finden?
- ein Haus in den Frühling oder
das geteilte Echo der Verzweiflung?
Distanzen, länger als alle Gedanken,
nicht wie früher, als noch Sonne war
im Blick, als noch Herzen rhythmisch herrschten.

Und ein und aus gingen die Zeilen, nie
versiegend sondern Wurzeln treibend.
Eine Epoche in Gesang herrlich wie nie,
sonnambulant sich nie sättigend, denn
der Horizont war nicht wollern, wollte
es sein, ein hochtrabendes Märchen.
Heute geht nur Geld und es geht aus.

Aus dem alten Land ritt einst ein junger Dichter mit Hut im Gesicht in die große Stadt ein. Er wollte Lyrik, Liebe und Leidenschaft in die leeren Augen der Moderne pflanzen und tief und bohemistisch wie ein Werther leben und lieben, dichten und denken.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
6. Dezember 2011 | 1 Kommentar




VERGESSENE STILE XXXIX

Unser einzig täglich Brot
ist die Aussicht auf den Tod.

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Sieben Monate ist es her, dass im Pazifischen Ozean im Müllstrudel ein Schiff in einem wüsten Sturm unterging. Ein Großteil der Passagiere konnte sich auf ein abgelegenes Eiland flüchten, wie Rettungskräfte bei ihrer fieberhaften Suche herausfanden. Doch sie fanden weit mehr als Leben. Die bis dato vollkommen unbekannte Insel, kaum größer als ein Walrücken, wurde nämlich von den Gestrandeten auf ureigene Weise genutzt, um Hilfe anzulocken und dem sicheren Tod durch Verdursten, Kannibalismus oder Langeweile zu entgehen.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
24. November 2011 | 22 Kommentare




VERGESSENE STILE XXXVIII

GOTTHOLD PFEIFENKRAUT: DAS OPERNHAUS LEBEN LÄDT EIN

Mit_Gott_per_Du_CDWohl wissen wir, wenn die Götter
schlaftrunken ihre Oper
ausgesungen haben,
immer noch von keinem Heiligen-
schein, dem es entgegen-
zulaufen gilt.
Es wäre auch zu früh, um hoffen
zu können und zu vermessen,
um zu glauben.
Daher sperren wir unsre Ohren
im Konzertsaal nur
verzweifelt auf
und nehmen geduldig und brav
die Strenge der Askesen-
fibel in Kauf.
Es wäre auch zu früh, um
zu hoffen.

Dem gemeinen Volksmund galt die Sinnes- und Wahrheits- bzw. Glaubens- und Gottessuche schon immer als Dorn im Auge.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
10. November 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE XXXVII

fahrstuhlpinguin-stilFANNY VESPER: FAHRSTUHLVERGÄNGNIS

Ab und zu
fahren die Fahrstühle
und auch du
nach oben oder unten,
je nachdem,
wohin du willst.

Gleich den Blättern im Winde
drehen und verschnaufen sie
manchmal und allerorten, doch
ihre Bestimmung finden sie:

Die kalte, tote Erde.

(Aber keine Angst:)
Bevor wir sterben,
werden wir leben,
wohl oder übel,
hier wie dort.

Wir werden wandern auf Erden,
Freunde werden
mit der Verzweiflung und Angst,
die wir fühlen,
wenn wir über dem Orkus unserer
Vergängnis
spazieren und fliehen
in Lüfte und Wolken.

Fahrstühle werden uns verfolgen,
uns umarmen und, so geht es allen,
mit uns steigen, leiden, fallen
in kalte, tote Erde.

Schön, dass der ehrgeizige Geist der Wirtschaft endlich den torkelnden Sinn der Hochkultur vereinnahmt hat. Und es stimmt: Wer will nicht, dass Produktion, Konsum und Sein besser, schöner und effizienter werden und er irgendwann (bald!) am besten und optimalsten machen, kaufen und sein kann.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
25. Oktober 2011 | 1 Kommentar




VERGESSENE STILE XXXVI

TAMARA KLARA GANSGENAU: VÖGEL

Vögelein!
Vöhögelein!
Vöhöhöhöhöhö
gelein.
Vögelein!

Vögelein klein,
Vögel allein,
jRqtykO Vögelein!

Vögel!
Vögelein!
Vöhöhögelein!
O Vöhöhöhögelein!
O Vögelein!

Vögelein!

Neue Lehrbücher und Almanache brauche die Welt, meint zumindest die Dichterin Tamara Klara Gansgenau selbst. Neue, überarbeitete Wissensbrocken, die den oftmals allzu trockenen Gegenständen endlich mal ein bisschen Leben einhauchen, Sachverhalte auf den Punkt bringen und dabei trotzdem unser aller melodisches Herz zum Springen bringen.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
6. Oktober 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE XXXV

sonneNEMO HOSTIE: E TENEBRIS

Guten Morgen, du dunkle Nacht der Seele!
Bemerktest du schon die Sonnenstrahlen,
die dich kitzeln und die Welt anmalen
und warten auf den zarten Wind
deines Schaffens?
Oder den zarten Hauch des Klingeling,
den dein Freund der Wecker singt
dir vom Tage und vom Tun,
vom Licht und von den Farben?
Denn dein williger Teint
soll lebendig gerötet werden
und banal blühen wie Blumen
es nur tagsüber pflegen zu tun.

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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
13. September 2011 | 2 Kommentare




VERGESSENE STILE XXXIV

SYLVIO NIMMERMÜDE: ALKOHOL- NEBEL- KLARHEIT-GEDICHT

absinthAn Tür und Kamin klopfte ich,
und schon öffneten die Pforten sich.
Ich gab ab Leid und Gleichgewichtssinn
und bekam dafür grünen Absinth

in die Hand und in Massen,
um Elend zu vergessen, mich zu therapieren,
kroch ich später auf allen Vieren
vor all den alkoholreichen Tassen.

Schwummrig schwammig unbestimmt,
wankend wabernd, endlich unverstimmt,
riss selig mein Film gen Morgen
und nahm mir wenig Freude, viele Sorgen.

Und auch der Kater, der mich beschwert,
ist mir edel’ Freund und Gefährt’.
und sinnig vegetieren ist Goldes wert,
Dank der Regierung, bist nicht verkehrt!

Die Regierung hat ihre Ideen wieder entdeckt und nach Jahrhunderten an einfallslosen Einsparungen und rigiden Verboten in Zusammenarbeit mit der Mast-Jägermeister AG, den deutschen Krankenkassen und der Vereinigung ACAB (Alleiniges Cognac- und Alkoholika- Bündnis) ein Programm erschaffen, was gleichzeitig dem Problem der Depressivität Abhilfe zu schaffen sucht (und Millionen an Medikamenten einspart) und die überkommene Kultur der AA um Kreativität und Selbstmedikation erweitert:
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
23. August 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE XXXIII

FRIEDRICH LEID: MEHR ALS BEWUSSTSEIN

EsmarchFriedrichvon_210_280Das Überbewusstsein muss
im Überdruss sein.
Auf der Oberfläche
des tätigen Seins
bilden sich Risse klein-
die werden wir selbst sein!

Denn über der Reflexion
schwebt das Schaffen,
das wir sind schon
längst und täglich.
Unser Körper sinniert
kläglich, verträglich
und synchron
über Bananen und Affen

Über die Psychoanalyse könne er nur lachen, gibt Friedrich Leid (geb. am 23.9.1939, nicht umsonst Freuds Todestag. Daher auch das Sprichwort: „Freud und Leid liegen manchmal nicht weit auseinander“), tschechischer Doktor der Anthroposophie und gleichzeitig Dichter und Meinungsbildner, gern mal bei Tisch zu Protokoll, wenn er seine Gedichte einer auserwählten Anzahl an Freunden, Geschäftspartnern und Bewunderern vorträgt.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
9. August 2011 | Keine Kommentare




VERGESSENE STILE 32

Dr. med. Jens Pitterling:
Dir Alles in allem zu sein
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Was gäbe ich dafür,
dir Alles in allem zu sein!
Das Messer der Heilkunst
schwingt den Reim.
Im Gestankgeschwulst
der Innereien muss ein Herze sein,
dessen Fäden ich seziere,
dessen Bindungen ich studiere,
damit es einmal werde mein
und in meinen Händen blubbert
und dahin gammelt wie alter Leim.
Ja dann, meine Liebe,
hätte es sich ausgeschrubbert,
du wärst nichts mehr
und ich begönne,
dir Alles in allem zu sein.

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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
5. Juli 2011 | 10 Kommentare




VERGESSENE STILE 30

thumbnail.aspxAus aktuellem Anlass gibt es gleich noch einen Stil um die Ohren, nämlich den Folgenden:

Susanne R., das Lätta-Girl: Selbst ich immer &

Aus dem Mutterleibe kroch ich dreckig,
war erschöpft und schrie ganz blöde
und weil ich bin, wie ich bin:
lebenslustig, spontan, witzig,
leidenschaftlich, kreativ & immer ich selbst.

Als Kind lobsangen die Menschen
meinen süßen Sommersprossen
immer nur, niemand erwähnte, wie
lebenslustig, spontan, witzig,
leidenschaftlich, kreativ & immer ich
selbst sein konnte. Die lahme
Sommersprosse schimpften sie mich.
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TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
30. Mai 2011 | 33 Kommentare