(Thrill Jockey) 2010 scheint das Jahr der unerwarteten Comebacks in der Elektronikwelt zu werden. Erst zeigt sich nach mehr als neun Jahren das Trio Fenn O’Berg wieder zurück auf der Bildfläche, dann trudeln plötzlich die ersten neuen Releases des eigentlich schon offiziell für tot erklärten Mille Plateaux Imprints ein und plötzlich taucht – beinahe en passant – eine neue Oval EP auf. Ein vollständiges Album soll im Sommer nachfolgen. Unwillkürlich stehen hier Fragen im Raum, die sich angesichts solcher Ereignisse beinahe wie von selbst stellen. Comeback? Ist Comeback nicht ganz schnell auch die brühwarme Version von Stillstand; ein sich Suhlen im altbekannten Sud? Geht es hier lediglich darum, eine Projektion von früheren Zeiten zu reproduzieren; sich noch einmal eine Scheibe des alten Ruhmes abzuschneiden? Steht im Elektronik-Bereich nun auch die Zeit der alten Männer an, wie man es seit einigen Jahrzehnten aus dem Pop/Rock kennt – die Rückkehr zum ewig Gestrigen, zum wertekonservativen Klangkanon? „Schön – klingt genau so wie früher.“
Und wie passt Oval in diese ganzen Fragen? Schließlich bildeten „Systemisch“ und „94 Diskont“ in den Neunziger Jahren entscheidende Eckpunkte elektronischer Musik und entwickelten das Diskursfeld zwischen Digitalität, Zufall, Fehler und Klang, weit bevor überhaupt von einem musikalischen Genre geredet werden konnte und Ovals Arbeiten in großen Teilen als Blaupause für das dienten, was später unter den Namen Clicks’n’Cuts, Glitch oder Laptop-Musik die Runde machte.
Angesichts dieser Fragen macht Oval das einzig Richtige. Anstatt sich auf einer aufgewärmte Version seiner digitalen Ästhetik auszuruhen – einem Sound, der mittlerweile in Windeseile durch unzählige PlugIns problemlos am Rechner reproduziert werden kann, überträgt er die grundlegende Struktur in ein vollkommen neues Sound-Gerüst. Anstelle der bekannten pulsierenden Clicks setzt er auf Gitarre, Schlagzeug und eine Mixtur aus selbst eingespielten und algorithmisch erzeugten Sequenzen.
(weiterlesen…)