OPAK | wir müssen reden » Markus Göres

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ALBUM DER AUSGABE – BROKEN SOCIAL SCENE

BSS_FORGIVENESS ROCK RECORD_smallWenn das Arts and Crafts Movement im ausgehenden 19. Jahrhundert der Nährboden war, aus dem sich Jugendstil, Werkbund und das Bauhaus entwickeln sollten, so könnte man in schiefem Analogieschluss sagen, dass das in Montreal ansässige Arts&Crafts-Label im frühen 21. Jahrhundert die Bedingungen schuf, unter denen eine Band, ein Künstlerkollektiv, ach was, eine Großfamilie wie Broken Social Scene erst entstehen konnte. Und ähnlich, wie jenes historische Arts and Crafts Movement das Ornamentale, das Florale ersann (oder sich zumindest darauf zurückbesann), um schließlich in so etwas Ungeheurem wie der klassischen Moderne zu gipfeln, verhält es sich auch mit Broken Social Scene, die sich nie im bloß Dekorativen bescheiden. Auch wenn das Bild des Organischen, des Wildwuchses, des Mäandernden ihrem Songwriting bereits in die DNS eingeschrieben scheint – Broken Social Scene sind eine moderne Band auf der Höhe der Produktionsmittel. Verlassen wir an dieser Stelle die Kunstgeschichte.
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TEXT: Markus Göres | RESSORT: OPAK #05, Reviews
28. Mai 2010 | 5 Kommentare




KRUMME JUBILÄEN: PLATTE DES JAHRES 2007

Sonnenmilch_JamaicaVon Füchsen und Wölfen.
Kommando Sonne-Nmilch – Jamaica (Buback/Indigo)

Jens Rachut ist so etwas wie die graue Eminenz des Deutsch-Punk. Die Zahl der Bands mit seiner Beteiligung, Bands, die heutzutage furchtbar altmodisch klingende Begriffe wie Relevanz, Haltung, Underground auf sich vereinten, ist Legion: Angeschissen, Blumen am Arsch der Hölle, Dackelblut, und, allen voran: Oma Hans. Seit dem Ende der Oma im Frühjahr 2006 rückt naturgemäß eine weitere der „Jensen-Bands“ in den Fokus: Kommando Sonne-nmilch.
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TEXT: Markus Göres | RESSORT: Musik, Reviews
1. Mai 2010 | 3 Kommentare




DANIEL JOHNSTON IM ASTRA, BERLIN, 05.04.2010

S2519-Whitney-medMit einem „Hi, how are you?“, jener fast schon ikonografischen Zeile auf den Lippen, kommt Johnston auf die Bühne. Kurt Cobain trug sie, schwarze Lettern auf weißem Shirt, bei den MTV Awards 1992 quer über die Brust, den Titel von Daniel Johnstons’ legendärem 1983er Tape. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, was so etwas bedeuten konnte. Bowie droppt ihn, Beck bezieht sich auf ihn, Steve Shelley von Sonic Youth, Jad Fair, viele andere nehmen Platten mit ihm auf, covern seine Songs. Zuvor bereits einige, danach sehr viele. Viel Ruhm und viel Ehr’. Dann der Zusammenbruch, es ist nicht der erste. Manische Depression, Autismus, Schizophrenie, ein Leben zwischen Anstalt und Medikation. Geschenkt. Johnston ist zurück. Spätestens seit dem Sundance Festival prämierten – wirklich sehr empfehlenswerten – Dokumentarfilm „The Devil And Daniel Johnston“ 2006 auch außerhalb eines losen Insider-Zirkels. Aktuell mit seinem neuen Album „Beam me Up“. Demnächst verfilmt Hollywood sein Leben. Mit Johnny Depp und Philip Seymour Hoffman, heißt es. Aber auch das spielt keine Rolle: Auftritt Johnston vor ausverkauftem Astra.
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TEXT: Markus Göres | RESSORT: Musik, Reviews, Unterwegs
6. April 2010 | 4 Kommentare




NEOANGIN – SAY HI TO YOUR NEIGHBORHOOD

sayhi_vorn(neoangin.info) Wenige Künstler sind wie Neoangin a.k.a. Jim Avignon sowohl Chronisten wie Protagonisten ihrer Zeit. Seine hört auf den Namen „Die Neunziger“ – und sie hält bis heute an. Damit ist also keineswegs bloß eine in Raum und Zeit bestimmte Dekade gemeint– weder als Retro-Referenzhölle, noch als Sicherheitszone ewig-adoleszenter Sehnsucht. Hier geht es vielmehr um eine Haltung, einen Sound, die unideologische Urbarmachung elektronischer Musik im Indie-Gitarren-Kontext – et vice versa. Eine Haltung, die durchaus überzeitlichen Anspruch hat. So kreuzt der Wahl-New Yorker auch auf Album Nummer 9 preiswertes Lo-Fi-Equipment mit mal stolpernden, mal 4/4 Beats, Walzer mit Offbeats, Gitarren und den wundersamsten Keyboardmelodien. Das klingt mal nach Lou Reed im Kinderzirkus, mal nach The Cure auf Trevilor. Mal niedlich, mal abgründig, zwischen Utopie und Dystopie, Nähe und deren Unmöglichkeit balancierend, erzeugt Avignon ein ums andere Mal jene Ambivalenz, die auch seiner Kunst eigen ist. Unterstütz wird er auf „Say Hi…“ erneut von Chris Immler, Masha Qrella und anderen: 15 Pretiosen für gute und schlechte Zeiten gleichermaßen. Unnötig zu erwähnen: Das gewohnt herausragende Artwork.

TEXT: Markus Göres | RESSORT: Musik, Reviews
23. Februar 2010 | 81 Kommentare




NICHT NUR FÜR ZILLO-LESER II

Wo wir hier schonmal so gothik sind wie noch nie, noch einen Hinweis: “Crâne”, 2009, 80×103cm. Körner Union, Lausanne. Werft mal einen Blick auf ihre Arbeiten. Da wird’s auch wieder bunter. Wesentlich bunter.

Crâne

(via limboyouth)

TEXT: Markus Göres | RESSORT: Fundsache, Mish Mash
19. Februar 2010 | Keine Kommentare