ALBUM DER AUSGABE – BROKEN SOCIAL SCENE
Wenn das Arts and Crafts Movement im ausgehenden 19. Jahrhundert der Nährboden war, aus dem sich Jugendstil, Werkbund und das Bauhaus entwickeln sollten, so könnte man in schiefem Analogieschluss sagen, dass das in Montreal ansässige Arts&Crafts-Label im frühen 21. Jahrhundert die Bedingungen schuf, unter denen eine Band, ein Künstlerkollektiv, ach was, eine Großfamilie wie Broken Social Scene erst entstehen konnte. Und ähnlich, wie jenes historische Arts and Crafts Movement das Ornamentale, das Florale ersann (oder sich zumindest darauf zurückbesann), um schließlich in so etwas Ungeheurem wie der klassischen Moderne zu gipfeln, verhält es sich auch mit Broken Social Scene, die sich nie im bloß Dekorativen bescheiden. Auch wenn das Bild des Organischen, des Wildwuchses, des Mäandernden ihrem Songwriting bereits in die DNS eingeschrieben scheint – Broken Social Scene sind eine moderne Band auf der Höhe der Produktionsmittel. Verlassen wir an dieser Stelle die Kunstgeschichte.
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28. Mai 2010 | Keine Kommentare
Von Füchsen und Wölfen.
(neoangin.info) Wenige Künstler sind wie Neoangin a.k.a. Jim Avignon sowohl Chronisten wie Protagonisten ihrer Zeit. Seine hört auf den Namen „Die Neunziger“ – und sie hält bis heute an. Damit ist also keineswegs bloß eine in Raum und Zeit bestimmte Dekade gemeint– weder als Retro-Referenzhölle, noch als Sicherheitszone ewig-adoleszenter Sehnsucht. Hier geht es vielmehr um eine Haltung, einen Sound, die unideologische Urbarmachung elektronischer Musik im Indie-Gitarren-Kontext – et vice versa. Eine Haltung, die durchaus überzeitlichen Anspruch hat. So kreuzt der Wahl-New Yorker auch auf Album Nummer 9 preiswertes Lo-Fi-Equipment mit mal stolpernden, mal 4/4 Beats, Walzer mit Offbeats, Gitarren und den wundersamsten Keyboardmelodien. Das klingt mal nach Lou Reed im Kinderzirkus, mal nach The Cure auf Trevilor. Mal niedlich, mal abgründig, zwischen Utopie und Dystopie, Nähe und deren Unmöglichkeit balancierend, erzeugt Avignon ein ums andere Mal jene Ambivalenz, die auch seiner Kunst eigen ist. Unterstütz wird er auf „Say Hi…“ erneut von Chris Immler, Masha Qrella und anderen: 15 Pretiosen für gute und schlechte Zeiten gleichermaßen. Unnötig zu erwähnen: Das gewohnt herausragende Artwork.




