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MEIN ALTERNATIVES LEBEN #4

Wäre ich nicht in eurpäisch-deutschen Gefilden – sagen wir es ruhig: in Berlin-Neukölln – geboren und aufgewachsen, sondern hätte das Verschmelzen von Spermium und Eizelle, dieses zufällige Endergebnis, das man beseeltes Ich nennt, in indischen Breitengraden stattgefunden, dann wäre ich jetzt mit Sicherheit ein indischer Asket, ein weltabgewandter Sadhu. Hari Om!

alternativ1photo credits: Mario Laatsch

Klar, als ausgewiesener Asket wäre ich nicht auf die Welt gefallen, nein, ich wäre zuerst das Kind von hoffentlich einigermaßen der indischen Mittelschicht verhafteten Eltern: Behütete Verhältnise auch diesseits des Arabischen Meeres, bittesehr. Ich wäre in einem großen Familienverband aufgewachsen, hätte vielleicht drei oder vier jüngere Geschwister, mit denen ich allmorgendlich auf einer klapprigen Rikshaw zur Schule gebracht würde, und nach acht, vielleicht zehn Jahren Schule müsste ich mich für einen Job entscheiden. Und hier beginnt die Problematik: Denn weder habe ich Lust, traditionell denselben Beruf zu ergreifen wie mein Vater (der ist beispielsweise Autoschlosser bei TATA), noch will ich überhaupt irgendein „nützliches“ Mitglied der hektischen Gesellschaft sein, das sich sein Leben ruiniert, indem es sich täglich 17 Stunden abrackert für ein paar Rupien im Tauschwert von vielleicht sieben Euro.
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TEXT: Mario Laatsch | RESSORT: Mein alternatives Leben
5. August 2010 | Keine Kommentare