(Verbrecher Verlag) „Scheidungskind. Homo. Satan. Liebesentzug. Jeder beknackte Psychiater könnte darin lesen wie im offensten aller offenen Bücher.“
Deutschland in den 1970er Jahren, ein Junge entdeckt seine Homosexualität. Seine Eltern tragen dunkle Brillen und hochgeschlossene Mäntel: Terroristen. Nachdem sie über den Haufen geschossen werden, wächst der Junge bei seinen Großeltern auf. Opa Hermann erzählt. Das Drama von Dresden, die Zeit bei der Waffen-SS, Kameradschaft, Abenteuer usw.: ein ehemaliger Nazi. Auf der Suche nach Identität stellt der Junge fest, dass auch das schwule Berlin der 1980er Jahre keine Option bietet, er zieht sich zurück und sucht in Büchern Antworten auf seine Situation.

Martin Büsser, bekannt als Kulturkritiker, Verlagsbetreiber und Herausgeber der „testcard“-Reihe, wechselt hier die Seiten: von faktual zu fiktional. Seine Coming of Age-Geschichte dockt nicht nur an queeren Diskurs an und thematisiert Identitätsfragen und –brüche. Sie ist sprachlich mitunter explizit und v.a. so entwaffnend naiv gezeichnet, dass man diese Graphic Novel gleich mehrere Male hintereinander lesen muss. Danach dann vielleicht wirklich Jean Genet…