» Autoren-Archiv

WOODEN SHJIPS – WEST

west cover smallWooden Shjips stellen im neueren Spacerock-/Psychedelic-Hype eine wohltuende Ausnahme dar, denn trotz ausuferndem Geknödel dominiert bei den Wahlkaliforniern die hypnotische, straighte – und erstaunliche treibene – Rhythmik. Wooden Shjips, das war von Anfang an ein angenehm direkter, trotz aller Klischees komplett unpeinlicher musikalischer Anachronismus. Natürlich winken Spacemen 3 durch die wabernden Nebelschwaden, aber hier sind sie mit dicken, bunt bemalten Motorrädern vorgefahren, und die im Wind wehenden Haare sind noch etwas dichter. „West“ ist ein spannendes Konzeptalbum über den – surprise surprise – amerikanischen Westen, welcher für die von der Ostküste stammenden Bartträger von je her eher ein Mythos war, und das Spielen mit den üblichen, wohl auch nötigen Formeln macht der Band hörbar Spaß.
Nach zwei Alben auf Holy Mountain und einem Berg inzwischen rarer und teuer gehandelter EPs hat sich nun Thrill Jockey der Band angenommen, was u.a. dafür sorgt, dass „West“ die ersten Wooden Shjips-Aufnahmen sind, die in einem richtigen Studio entstanden. Und bei allen Effektorgien und Experimenten im Post-Rock-Backkatalog des Labels aus Chicago: So viel Fuzz gab´s dort noch nie.

TEXT: Kristof Künssler | RESSORT: Reviews
4. August 2011 | 1 Kommentar




HOQUIAM – S/T

hoquiam(St.Ives Records/Cargo) Hoquiam ist niemand Geringeres als Damien Jurado, der sich mit seinem Bruder Drake zusammengesetzt und ein wunderschönes düsteres Songwriter-Album aufgenommen hat. Letzterer hatte zuvor keinerlei musikalische Erfahrung (vom Schulchor abgesehen), aber bei so spärlichen und persönlichen Aufnahmen ist das möglicherweise eher hilfreich. Erstaunlich, dass sich dieser Perle kein größeres Label angenommen hat, stellt es doch den ohnehin schon großartigen Output Jurados beinahe in den Schatten. Zu allem Überfluss haben die beiden Brüder noch alle 500 Vinylcover handgefertigt. Sweet.

TEXT: Kristof Künssler | RESSORT: Reviews
22. April 2010 | Keine Kommentare




DRAMAMINE – S/T

23058756(Sabotage Records/X-Mist) Sich nach einem Mittel gegen Reiseübelkeit zu nennen, zeugt schon von genug Selbstironie um einen Vorwegbonus zu bekommen. Den haben Dramamine aus Münster aber nicht nötig. Das Debütalbum kommt etwas anachronistisch daher, diese Art noisigen und dennoch straighten Post-Hardcore spielt heutzutage kaum noch jemand, und trotz der Affinität zu 90er-Kram aus der Dischord- und Ebullition-Schule, steht hier der Punkrockfaktor im Mittelpunkt. Das klingt angenehm „un-deutsch“ und rau, und sorgt für eine der Überraschungen der noch jungen Saison.

TEXT: Kristof Künssler | RESSORT: Reviews
19. April 2010 | Keine Kommentare