OPAK | wir müssen reden » Julian Niedermeier

» Autoren-Archiv

OPAK PRÄSENTIERT: DENOVALI SWINGFEST. 30.09.–02.10., ESSEN

„Wer Helden, Stars und Headliner sehen möchte, der ist bei unserem Festival falsch“, sagen die Verantwortlichen. Das Swingfest funktioniert anders, ohne diesen ganzen Rummel, Budenzauber, der quasi-maschinellen Abfertigung und was sonst noch dazu gehört. Julian Niedermeier hat die Macher des festivals interviewt

1

Das Denovali Swingfest scheint ein besonderes Selbstverständnis zu besitzen. Was hat euch dazu bewogen, dieses Festival ins Leben zu rufen und wie hat alles begonnen?
Die Beweggründe sind recht simpel: Interesse an Kunst im Allgemeinen und Musik hier im Speziellen. Das Selbstverständnis ist auch leicht zu umreißen: Uns ist es wichtig einmal jährlich Künstler unseres Labels unter Ergänzung diverser ausgewählter Gäste in einem authentischen Rahmen zusammenzubringen. Primär weil wir selbst die Künstler gerne live erleben möchten – zudem um einfach mit Freunden (Künstler, Helfer etc.) ein nettes Wochenende zu verbringen. Vielleicht aber auch einfach um ein Festival zu gestalten, dass wir anderweitig so nicht gefunden haben. Das Ganze muss dabei nicht zwangsweise auf Musik beschränkt sein. Letztes Jahr haben wir ein kleines Kino mit Trash- und Experimentalfilmen eingerichtet, dass den Leuten recht gut gefallen hat. Das würden wir gerne ausbauen. Begonnen hat es vor 5 Jahren mit 60 Besuchern – diesjährig gibt’s die 4. Ausgabe. Ich denke die ersten 2, 3 Veranstaltungen waren ein Lernprozess – heute wissen wir schon eher was wir machen und wo unsere Möglichkeiten und Grenzen liegen.
(weiterlesen…)

TEXT: Julian Niedermeier | RESSORT: Musik, Präsentationskorb
19. September 2011 | Keine Kommentare




CONTEMPORARY NOISE SEXTET – GHOSTWIRTER’S JOKE

l Die polnischen Hardcore-Brüder Kapsa (Something Like Elvis) gehen neue Wege: Mit dem Contemporary Noise Sextett sind sie jazzig, illustrativ und experimentierfreudig. Kopfkinomusik. Da verwundert es auch nicht, dass CNS auch schon einen Soundtrack zu einem Theaterstück gemacht haben. Auf Ghostwriter’s Joke vertonen sie jedoch kein Szenenspiel, sondern Lebensgeschichten von Freunden und Bekannten. Verschrobene, schwadige Bilder machen sich auf – erinnert mich irgendwie an das hier.

Die Rhytmussektion klebt und die Bläser sind, im meiner Vorstellung, verschwitzt und mit dem Unterleib gen Publikum gebogen. Polens junge Jazzszene ist ja eh gerade am Brodeln (siehe z.B. Mikołaj Trzaska – Leżał Możliwie / robotobibok – 54kw ).
Und auch hier: es groovt gewaltig, „Chasing Rita“ ist eins dieser Stücke, bei denen man unverhofft zu einem ausladenden Kopfnicker ansetzt. Die Arrangements sind weniger mit Jazz, als mit Rock oder Alternative verwandt. Die einzelnen Melodiethemen der Stücke bleiben zwar sehr präsent, stehen jedoch auf einem Prog-Rock schwangeren Unterbau. Dass die Jungs nicht nur Emo-Hardcore-wasauchimmer gehört haben, sondern auch mit Loops und Samples aufgewachsen sind, merkt man auch. Unter den freejazzigen Ausbrüchen hangelt sich im Untergrund immer noch eine Repetition durch.
Obwohl ich mir noch etwas mehr Aufbrüche und den ein oder anderen Knarz und Bimmel gewünscht hätte, überzeugt dieses Album durch seine Entspanntheit und Natürlichkeit. Die Scheibe ist Ausdruck dafür, wie angenehm man da drüben heutzutage mit dem traditionsbelasteten Jazz umgeht. Kein angestrengter Versuch, zu dekonstruieren; kein gewolltes Klangexperiment mit der Beteiligung von Abfall und Lebensmittel.
Rundum halten Contemoporary Noise Sextet eine Spannung aufrecht und überraschen dabei immer wieder. Noch etwas mehr Kitzeln und Ausprobieren hätten mich gefreut, doch sind CNS wie Zubrowka, ein kleiner Grashalm macht es gleich interessant-anders.

TEXT: Julian Niedermeier | RESSORT: Reviews
12. August 2011 | 3 Kommentare




OLAFUR ARNALDS IN BERLIN

Nach seiner Tour im letzten Herbst, bei der er das Babylon Kino in Berlin-Mitte ausverkaufte, kam Olafur Arnalds nun mit der Prämisse „Intimität“ zurück und spielte drei Solo-Konzerte im Roten Salon der Volksbühne. Dabei ging es ihm nicht um ausgefeilte Arrangements. Im Vordergrund stand die Entstehung von Musik im Moment, und im Dialog mit dem Publikum. Julian Niedermeier hat Olafur Arnalds in einem kurzen Moment des Sonnenscheins auf den Treppen vor der Volksbühne getroffen

olafur

(weiterlesen…)

TEXT: Julian Niedermeier | RESSORT: Feature, Musik
5. August 2011 | 5 Kommentare




EINE LESUNG UNTER FREUNDEN UND BEKANNTEN

Wolfgang Welt auf dem Dockville Kunstcamp in Hamburg
 
IMG_2011_
 
Inmitten einer Kulisse, die an ein Schulungszentrum für DDR-Logistiker erinnert, werden zunächst kollektiv Lösungsvorschläge für Technik und Mikrofone erarbeitet bzw. einfach gebaut. Hatte man sich so nicht auch die freie Kunstszene vor dem Mauerfall vorgestellt? Für Wolfgang Welt jedenfalls scheint die Wohnzimmeratmosphäre der Location nichts Neues zu sein. Er streift durch die Räume, trinkt Bier, hat nicht so richtig Lust sich zu unterhalten, aber auch nicht so richtig Lust zu schweigen und wird mit späterer Uhrzeit immer aufgeweckter. Nachtwächter halt, aber eine ähnliche innere Uhr scheinen hier alle zu haben.
(weiterlesen…)

TEXT: Julian Niedermeier | RESSORT: Literatur, Präsentationskorb
28. Juli 2011 | 3 Kommentare