SEA WOLF – WHITE WATER, WHITE BLOOM
Oh Schreck. Berühmte Vampirdarsteller eines zeitgenössischen Superfilms lächeln dir bei der youtube-Suche nach Sea Wolf entgegen. Bedeutet: Es scheint, zumindest mit einem Song, der auf dem Untoten-Sampler landete, erfolgreich für die Band gelaufen zu sein. Weniger erfolgreich ist es hingegen nun einen Absatz über ihr neues Album “White Water, White Bloom” (Devil Duck/Indigo) zu verfassen. Sprachlich zu diagnostizieren, dass hier musikalisch die große Langeweile am Start ist, macht aber auch ein bisschen Bock. Weiter noch: Dieser Jon Bon Jovi-Verschnitt von Sänger mit seiner Story, er habe fast das ganze Album fern von der Heimat bei seinem Herzchen geschrieben, da auf Tour kennen und lieben gelernt, lädt sogar ein bisschen zum Gemeinsein ein. Doch dazu fehlt die Energie, weil diese Klänge erst sanft einlullen und dich dann der Tiefschlaf ausknockt
11. November 2010 | Keine Kommentare


“In den besten Familien” lässt man laufen und Mithörende fragen sich verwundert, wer diese Band eigentlich ist. Riot for Candy heißen sie und klingen jung. Jünger zumindest als all die großen deutschen Punkrocker, die mithilfe der Vokabeln Deiche, Bierflasche und Liebe („die sich am besten auf Angstschweiß reimt“) dem Leben andauernde Sinnschwere unterstellen. Die Wortwahl dieses Albums ist stark daran angelehnt, aber der Blick auf die Dinge ist ein anderer. Er ist der einer Generation abweichend von eben jenen Musikern, die die Dreißig längst überschritten haben. Die einen fühlen sich dabei alt, die anderen fühlen sich vielleicht verstanden. Wer wo was verloren hat wird nicht über pures Geschrammel besungen. Geboten wird ferner die Instrumentalseichtheit und ein Klavier wird auch gespielt. Am Album interessierte Nachfragen werden ab morgen direkt als Komplimente an Riot for Candy weitergeleitet.
Es ist eine herrlich verklärte Geschichte, die um dieses Album weht. Zwei Paradeköpfe des Songwritings verneigen sich vor dem musikalischen Talent des jeweils anderen und beschließen kollektives Liedgut in ihren Hauskellern zu produzieren. Gemeint sind Conor Oberst von Bright Eyes und sein nicht minder populärer Freund Jake Bellow von Neva Dinova. So fing es also an, damals im Jahr 2004, dieses Kollaborationsprojekt, das ursprünglich bei Crank! erscheinen sollte und fand doch sein Finish erst im Jahr 2009. Mit vier neuen Stücken, die sich unter bereits Bekannte mischen, veröffentlichte nun das Label Saddle Creek gewohnt stilsicher ein weiteres Werk amerikanischer Wüstenmelancholie. Heißt: klassische Country- und Folkmusik, wie sie gewünscht und erwartet wird. Der lange Entstehungsprozess ist jedoch kein Qualitätsmerkmal. Herr Oberst sei aber entschuldigt, er hatte zwischendurch die Aufgaben, Lorbeeren zu sammeln und Winona Ryder zu küssen.
(Wichita/Cooperative) Sieben Mädchen und Jungs finden sich an der Universität Cardiff, gründen eine Band, geben sich einen spanischen Namen und setzen ein Ausrufezeichen dahinter. Soviel zur Geschichte. Für ihr neues Album „Romance Is Boring“ wählen Los Campesinos! nur die ganz großen Themen. Sie möchten vom Tod, dem Zerfall des menschlichen Körpers und von verlorener Liebe erzählen und davon, dass wahrscheinlich am Ende des Tunnels doch kein Licht scheint. Im übersättigten Krach der Klänge von Geige bis Glockenspiel gehen diese Motivation – und leider auch der hübsche britische Akzent von Sänger und Sängerin -, schier unter. Man möchte der Band das so gewollt Disharmonische mitsamt Satzzeichen im Namen entfernen und ihnen mit auf den Weg geben, dass weniger wie immer und überall mehr ist. 16 Songs lang findet man nur mit der Lupe Melodien, die den Lärm durchbrechen, die die Schwere der Themen tragen und die durch das Ohr dann doch noch ins Herz führen. Überzeugend bleiben am Ende wenige Titel, die wie: „The Sea Is A Good Place To Think Of The Future“ ihre Wahrheit schon im Namen tragen. Dahinter gehört das Ausrufezeichen!



