ALL DAS NUR STYLE?
Der aufmerksamen LeserInnenschaft ist es sicherlich nicht entgangen, dass der Fehlerteufel an dieser Stelle des Hefts zugeschlagen hat. Jan-Eike Michaelis hier nun über Drive

Wie Telefone dienen auch Autos in Filmen meist dazu, erzählerische Abkürzungen zu nehmen. Außer in Filmen, in denen es um die heißen Schlitten selbst geht. Sowie in Nicolas Winding Refns neuem Streich „Drive“. Wenn sich der namenlose, wortkarge Held (Ryan Gosling) hier hinters Steuer klemmt, hält die eh schon minimale Handlung völlig inne und es geht um Textur, Stimmung, Pose: Der glänzende Samt von Goslings Jacke, sein starrer Blick, das Knirschen der ledernen Autofahrerhandschuhe; dazu käsige 80er-Jahre-Synthies in einem nächtlichen L.A. mit nassen Straßen – the birth of cool. Allerdings dient hier, der Titel legt es schon nahe, nicht das Gefährt, sondern das Fahren selbst als Stimulus.
All das wäre bloß Style, würde es „Drive“ nicht gelingen, seine Oberfläche mit dem tragischen Potenzial kurzzuschließen, die dem Konzept des archetypischen Helden per se eingeschrieben ist. Denn ein Held ist immer auch Soziopath, wenn er sich über die allernotwendigste Regel des gesellschaftlichen Zusammenlebens hinwegsetzen muss, um sein Ziel zu erreichen – nämlich den Drachen zu töten, der in aller Regel dann doch Mensch ist, wodurch der Held selbst Drache wird (oder Skorpion) und die Prinzessin garantiert niemals nie kriegt! Winding Refn bringt das in einer einzigen atemberaubenden Fahrstuhlszene völlig ohne Dialoge auf den blutigen Punkt.
Bild: © Universum Film
22. Februar 2012 | Keine Kommentare







