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PLEXIGLAS & BLUMENGESTECKE

In OPAK #01 schreibt Daniel Windheuser in der Reihe “Abseitsorte” über ein Beerdigungszentrum in der industriellen Peripherie Shanghais.

lfp-blaskapelleEs riecht nach Holzkohle und Blumen am Hauptportal des „Longhua Funeral Parlors“. Rechts und links des Tores kauern sich zur Straße hin offene Läden in den Schatten eines Autobahnzubringers, in einem der Geschäfte, das sich auf Grabsteinplaketten spezialisiert hat, photoshopt soeben ein Angestellter im Beisein eines Kunden ein Bild dessen verstorbenen Großvaters. In einer Vitrine liegen neben alten Emailleplaketten, auf denen Uniformträger und glückliche Ehepaare in Schwarz-Weiß zu sehen sind, kolorierte Beispielvarianten mit dem Abbild Britney Spears’.

Auf dem Gelände selbst fällt als erstes das wohl erst kürzlich errichtete Hauptgebäude auf, das sich mit einer architektonischen Mischung aus Bauhaus und Star Wars über diverse Aussegnungshallen, ein Krematorium und ein eher gastronomisch orientiertes Bauwerk, in dem sich mehrere Dinnersäle befinden, deren Belegung aus einer digitalen Anzeigetafel neben dem Eingang zu ersehen ist, erhebt.

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TEXT: Daniel Windheuser | RESSORT: Heft, OPAK #01
5. Juni 2009 | 365 Kommentare




DIE MÄNTEL DER HAUT –
ÜBER DAS VERHÜLLEN UND ENTHÜLLEN BEI GESA ROSKAMP

In OPAK #01 schreibt Daniel Windheuser über seinen Atelierbesuch bei der Künstlerin Gesa Johanna Roskamp.

Ohne Titel, 2007, Öl auf Leinwand, 108 x 135 cm

Gesa Roskamp malt keine Porträts, sondern verhüllte Körper, die wiederum nur Platzhalter sind für das, was sich hinter und in ihnen verbirgt. Der uralte Diskurs von Verhüllen und Enthüllen, von Sichtbar und Unsichtbar zeigt sich in einer ganz neuen, anderen Variante. Die Oberflächen, mit denen man es hier scheinbar zu tun hat, verweisen zugleich auf sich selbst und auf das, was sie verhüllen. In einem sehr bewussten Umgang mit dem Formenkanon der Kunstgeschichte, der mal an den entrückten Manierismus Jacopo Pontormos, mal an die stilisierte Ikonografie Tamara de Lempickas erinnert, geht es immer um den Verweis auf das Geheimnis, das sichtbare Unsichtbare, das sich ein- und entfaltet in den Varianten der Bekleidung.

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TEXT: Daniel Windheuser | RESSORT: Heft, OPAK #01
19. April 2009 | 9 Kommentare