» Autoren-Archiv

TRENTEMøLLER – INTO THE GREAT WIDE YONDER

great_wide_yonderElektronische Musik lebt von Innovation und Veränderung. Anfang des neuen Jahrtausends ging den Machern leider jeglicher Ideenreichtum flöten und man distanzierte sich wieder von der treibenden Kraft der Maschinen. Außer ein paar guten Tracks wiederholte sich der Brei immer und immer wieder. Die Erlösung kam 2006 ausgerechnet aus Dänemark. Sie hörte auf den Namen “Trentemøller” und ihr Debüt “The Last Resort” ließ alle wieder aufatmen. Selten zuvor war es einer elektronischen Platte gelungen, als Album zu funktionieren. Die Sounds waren gleichzeitig modern und doch alt. Die Songs hatten Struktur, boten aber gleichzeitig viel Raum um auszubrechen. Die spärlich eingesetzten Gastvocals hatten wenig Text, aber dennoch eine eindringliche Aussage. Hurra! Alle waren glücklich und der Output der Konkurrenz konnte sich auch endlich wieder hören lassen. Zwischenzeitlich hat sich Trentemøller auch als angesagter Remixer etabliert und stellte dies mit der Zusammenstellung “The Trentemøller Chronicles” deutlich unter Beweis.
(weiterlesen…)

TEXT: Aydo Abay | RESSORT: Reviews
4. Juni 2010 | Keine Kommentare




GET WELL SOON – VEXATIONS

Highlightcover_Get_Well_SoonEs gibt Momente im Leben, in denen Musik auftaucht und hilft. Hoffnungslos und zu Tode betrübt lag ich da, als eine gebrannte CD mich erreichte und plötzlich alles nicht mehr so grau und kaputt erschien. Jemand hatte alles Nötige auf den Punkt gebracht, um mich aus meiner Lebenslethargie zu holen – und es funktionierte besser, als ich es mir jemals erträumt hätte. Musikalisch eine Mischung aus getragener Fülle und dem Gefühl, das tschechische Märchenfilme transportieren. Textfetzen, die sich eilig im Gedankenzentrum festsetzen und eine insgesamt erhabene, aufbauende Gelassenheit. So traten GET WELL SOON 2006 in mein Leben. Als sie ihr fantastisches und zu Recht umjubeltes Debüt im Januar 2008 veröffentlichten, fühlte ich Zufriedenheit, obwohl ich erstaunt war, dass sich hinter dem Namen nur eine Person verbarg. Konstantin Gropper hatte die Platte im Alleingang geschrieben, produziert und aufgenommen und galt sofort als Wunderkind im deutschen Musikzirkus.
Derartigem Erfolg muss man natürlich standhalten und erneut abliefern. „Everybody’s Darling“ würde im zweiten Durchgang bis aufs Mark geprüft werden, der kleinste vermeintliche Fehler dazu genutzt, den Vogel wieder abzuschießen. Ob dies der Grund war, warum Herr Gropper sein Zweitwerk „VEXATIONS“ nannte, kann ich nur vermuten – die Platte jedenfalls ist durch keinerlei Ärgernisse gezeichnet. Finden sich auch stellenweise die tschechischen Märchenfilme wieder, hat doch eine erstaunliche Selbstsicherheit Einzug genommen: Die kindliche Verspieltheit des Debüts ist einer kontrollierten Perfektion gewichen. Aus dem Märchen ist ein Drama geworden, ohne sich jedoch im Schwulst zu verlieren. Auch diese Platte wird verzaubern und helfen. Ohne Ärgernisse.

TEXT: Aydo Abay | RESSORT: Musik, Reviews
1. März 2010 | Keine Kommentare