DANIEL JOHNSTON & B.E.A.M. – BEAM ME UP!
(Hazelwood/Rough Trade) Einst machte er mit selbstproduzierten Kassetten von sich reden, und auch später waren die Arrangements seiner Songs eher skizzenhaft und passten hervorragend in das Mini-Subgenre Lo-Fi. Dabei blieb Daniel Johnston immer unberechenbar – übrigens nicht nur als Musiker. Geblieben ist ein naiver Gestus, gelegentlich hemmungslose Romantik, Sehnsucht nach dem Unerreichbaren. Nun hat er für das Frankfurter Label Hazelwood Records einige seiner alten Songs neu aufgenommen. Und das hat mit Lo-Fi nun wirklich nichts mehr zu tun. Begleitet wird er hier von einem elfköpfigen Jazz-Ensemble, bei dem natürlich jede Note sitzt. Das kontrastiert nun mit dem selbstverständlich immer noch irgendwie tastenden, zitternden Gesang Johnstons. Und hebt die Qualitäten seiner Songs eigentlich nur erst recht hervor – und lässt zugleich das Erratische dieser Figur noch deutlicher hervortreten. Im April ist dieses gemischte Doppel auch auf Tournee. Nicht nur eingeschworenen Fans Daniel Johnstons bietet sich da eine exzellente Gelegenheit, sich mit dem Werk eines der originellsten Songwriters der letzten Jahrzehnte zu beschäftigen.
24. März 2010 | 2 Kommentare
(Valeot/Cargo) Bei Bochum denken wir ja eher an einen Herrn G., der immerhin die Neu!auflagen (haha!) von Neu! verantwortete und als Label-Macher durchaus sympathische Züge bekam. Wir können aber ab jetzt bei Bochum auch an Milhaven denken, die – nicht nur das unterscheidet sie von G. – zwar von dort kommen mögen, aber irgendwie zumindest musikalisch eher an Chicago oder Montreal hängen: Post Rock, allerdings in der aktuellen Variante, die dann doch etwas schwerer ist als das, was Tortoise sich damals so ausgedacht haben. Aber auch wenn Milhaven gelegentlich in die Nähe von Post-Metal-Revieren geraten, halten sie zu dem dann doch gelegentlich recht heroisch-hymnischen Stil stets ausreichend Abstand. Das ist schön. So schön wie die Verpackung, die sie dieser Musik gegeben haben: Ein dezentes Hardcover in Weiß mit aufgeprägtem Wal in Schwarz, drinnen steckt die CD (links) und ein paar Kärtchen in Ruhr-Tristesse (rechts). Auch ein haptischer Genuss.
(Rock Action/Pias/Rough Trade) Die fand ich zwar auf ihrem immerhin ein bisschen witzig benamsten Debüt „Chart Pimp“ okay, aber auch nicht sehr viel mehr. Nun muss ich feststellen, dass entweder mein Geschmack sich gewandelt hat (hat er, aber nicht so sehr in Bezug auf schweren Rock), oder Part Chimp einfach ordentlich zugelegt haben. Ein derart geil dröhnender wie bedröhnter Heavy Rock (kannst auch Stoner dazu sagen) stand damals meiner Erinnerung nach nicht auf dem Programm. Jedenfalls nicht sooo bedröhnt. Zwar kommen sie gar nicht aus der Wüste, können es aber locker mit dem ganzen Zeug aufnehmen, haben ihre Geschichtsstunden zu Black Sabbath, Hawkwind, MC5 und dem, was danach so kam, cum laude absolviert und darauf aufgebaut. Sehr erfreulich!
(Indie Recordings/Soulfood) Oh Mann! Die hatten mich mit ihrem letzten Album „Grindstone“ wirklich umgehauen. Ultrakomplexer Grind/Metal/Core-Jazz mit Saxophon, wie ihn sonst wohl niemand macht: Dillinger Escape Plan? Nun ja, immer ein wenig auf der Harte-Männer-Seite, ein bisschen prollig. Alboth oder Naked City auf der anderen Seite sind da zwar ähnlich vertrackt und ganz gewiss in ihrem Landstrich Könige, wenn nicht Kaiser. Aber Shining verbanden mit der Rasanz eine Brachialität, die sie zu etwas Einzigartigem macht. Verbanden – und verbinden. Zwar sind sie hier nicht ganz gefeit gegen Tendenzen zur Bedeutungshuberei, was auf „Grindstone“ zumindest nicht so hörbar war.
(Thrill Jockey/Rough Trade) Das fünfte Album des Duos, das 10. aus dem Kollektiv, das jeweils als Duo, Trio oder Quartett aufspielt, wobei der Kern aus dem Schlagzeuger Chad Taylor und dem Kornettisten Rob Mazurek besteht. Letzterer spielte nicht nur mit der Chicagoer Jazz-Avantgarde, sondern auch mit Post-Rock-Bands wie Isotope 217, die er mitgründete, Tortoise, Gastr del Sol, Stereolab und anderen, ersterer treibt sich in ähnlichen Gefilden herum, ist Mitglied der Band von Tortoise-Gitarrist Jeff Parker, der Band Sticks And Stones, musizierte mit Iron & Wine ebenso wie mit Sam Prekop. Zwar sind sie in ihren jeweiligen Underground-Formationen alles andere als Post Rock, sie sind auf der anderen Seite aber auch keineswegs museale Jazz-Verwalter. Zwar stammt die einzige Fremdkomposition dieses Albums – die erste auf einem Chicago-Underground-Album überhaupt – von Ornette Colemen, also einer unumstrittenen Ikone des Jazz, aber eben einer, die bis heute nicht aufgehört hat, sich weiterzuentwickeln.
(Thrill Jockey/RTD) Der Titel ist durchaus wörtlich zu verstehen und bezieht sich nicht so sehr auf die ohnehin prekäre Existenz des Künstlers an und für sich, sondern eher auf das Prinzip, dem sich das Duo Pit Er Pat unterwarf, als es die Musik für eine Europa-Tournee schrieb und beschloss, mit leichtem Gepäck zu reisen. Computer, Gitarre, Stimme -mehr sollte es im Wesentlichen nicht sein. Reichte dann doch nicht ganz, weshalb Pit Er Pat auch noch Fußtrommel und Snare mitnahmen. Als sie von besagter Tournee zurückkehrten, nahmen sie die in kleiner Besetzung erprobten Songs auf, wobei sie den Stücken zwar noch einiges hinzufügten, selbige jedoch ihren minimalistischen und energetischen Charakter behielten, den sie auf der Bühne entwickelt hatten, wo manch alter Fan sie kaum wiedererkannte. Geblieben sind die schlichten Melodien und die bisweilen reizvoll vertrackten Rhythmen, die allerdings hier weniger, zumindest jedenfalls seltener, afrikanisch-polyrhythmisch klingen als auf ihrem letzten Album. Dass sie dabei immer noch (und vielleicht ja auch mehr als früher) auch einfach gute Songs schreiben können, beweist beispielsweise „Summer Rose“. 



