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LA CHIVA GENTIVA – “PELAO”

La Chiva GentivaIch habe mich gerade gefragt, ob Argumente ganz allgemein aus der Mode gekommen sind. Oder ob das nur bestimmte Bereiche des Lebens betrifft. Wie Plattenkritiken zum Beispiel.
Die zwar ihrerseite nicht wirklich aus der Mode gekommen sind, aber dafür wegen der Krise ihres Objekts schon auch selbst in eine geraten sind, wofür man nicht nur Diederichsen lesen muss. Der zumindest sinngemäß gesagt hat, man könne über aufregende Musik nur noch im Feuilleton schreiben. Und schließlich: Was ist aufregende Musik? Was einen aufregt, hängt schließlich immer stark von dem ab, wo man herkommt. Zum Beispiel das hier:
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TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Musik, Reviews
2. November 2011 | 13 Kommentare




DVA – HU

68580Dva heißt auf Slawisch: zwei. Und besteht hier aus „Jen“ und „Jenna“, einem und einer (wieder auf Slawisch – zumindest dem einiger Gegenden) nämlich. Nur die Gäste werden namentlich genannt. Sind übrigens auch zwei. Das Album (Indies Scope/Broken Silence), ihr zweites, soweit ich informiert wurde, kommt diesmal mit übersetzten Texten, ist also nicht mehr in Phantasisch getextet wie auf dem Debüt. Die Musik scheint allerdings immer noch eine Folklore nicht existenter Ländereien zu sein, die hier allerdings noch einmal erweitert wurden, und zwar um Elektronik und einen verstärkt experimentellen Ansatz, was interessanterweise nicht zu Ausfaserung geführt, sondern eher zum Gegenteil:
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TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
21. April 2011 | 2 Kommentare




CONNY OCHS – RAW LOVE SONGS

9369Das ist also der junge Mann, mit dem Wino sich auf der gemeinsamen Tour auf Anhieb so gut verstand, dass er mit ihm ein gemeinsames Album aufnahm. Passt auf den ersten Blick so gar nicht. Dann wiederum hat Wino bekanntlich neulich ein akustisches Solo-Album aufgenommen, das zwar von seinen Wurzeln im Blues deutlich geprägt ist, aber eben doch ebenso eindeutig ein Singer-Songwriter-Werk ist. Und hier finden sich dann durchaus Verbindungslinien zu Conny Ochs, der sein Debüt (Exile On Mainstream/Soulfood) allein und ohne hörbare Overdubs aufnahm. Und den Blues kennt auch er.
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TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
15. April 2011 | 5 Kommentare




NAVEL – NEO NOIR

l_01035acc78234386ab807e87ea6350beSie waren eines der Flaggschiffe von Patrick Wagners Louisville Records. Und sie haben es überlebt. Das Label, meine ich natürlich. Wo sie vielleicht auch nicht richtig hingepasst haben – wobei dann die Frage ist, wo solche Musik eigentlich heute hinpasst (Noisolution/Indigo), die so tief in eine Grube mit klassischem Rock um und kurz nach 1990 (ihr ahnt, worauf ich hinaus will) gefallen ist. Noisolution griff dennoch beherzt zu – dort hat man ein Herz für sowas (Gruß an Jingo!). Und das ist auch – pardon, ich verweigere mich eigentlich diesem Spruch – auch gut so. Denn Navel führen etwas weiter, was heute ansonsten ein recht kümmerliches Dasein in den Probekellern der Provinz fristet. Dabei gelingt es ihnen, aus dem scheinbar von allen Seiten gut genommenen Stoff noch eine Dringlichkeit herauszuhauen, die beachtlich ist.
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TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
8. April 2011 | Keine Kommentare




TIM KASHER – THE GAME OF MONOGAMY

up-kasherMan kennt ihn beziehungsweise seine beträchtlichen Songwriter-Künste von Cursive und The Good Life, nun hat er noch diese Fesseln des Kollektivs abgestreift, um seine Lyrik noch ungehemmter zu vertonen. Und es ist gar ein Konzeptalbum (Affairs Of The Heart/Indigo), mit einer „offiziellen“ Ouvertüre, die in gerade mal zwei Minuten von zartem Frühling zu bedrohlichen Tönen führt und so auf das einstimmt, was folgt. „I am a grown man / how did this happen? / People are gonna start expecting more from me / but this is all i am“, singt Kasher im ersten Song. Die Krise des Erwachsenwerdens, keine Kinder zu wollen und keines mehr sein zu können, keinen Job zu wollen, aber das Geld zu brauchen, das Betreiben einer Beziehung aus Angst vorm Alleinsein, der wechselseitige Betrug im gegenseitigen Wissen, der Versuch, sich selbst zu verwirklichen, die unzulänglichen Mittel dafür – wir sehen, es geht nicht allein um Liebesbeziehungen, sondern auch um die Verhältnisse, in denen sie stattfinden.
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TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
2. April 2011 | Keine Kommentare




POLAR BEAR WITH JYAGER – COMMON GROUND

Common-Ground-320x320Die viel gelobten Jazz-Neuerer um Sebastian Rochford treffen auf den in London ansässigen portugiesischen Rapper Jyager. Jazz und HipHop, wir erinnern uns, da gab es immer mal Versuche, Fusionen, Wahlverwandtschaften. Wobei diese hier schon ein bisschen anders ist. Weder rappt hier einer über die instrumentale Version von HipHop, noch bemüht sich der Rapper allzu sehr um eine Einbettung seines Stils in eher klassischen Jazz.
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TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
30. März 2011 | 2 Kommentare




AFRIRAMPO – WE ARE UCHU NO KO

weareuchunokoWas doch so alles an einem vorbeigeht… Seit 2002 schon gibt es dieses Duo aus Osaka, das hier unbeschwert weltoffenen Noise-Rock offeriert. Dabei verraten sie ein Gespür für pointierte Pop-Melodien ebenso wie eine überschäumende Lust am Lärm, die manchmal mit Fuzz in Richtung Weltall dröhnt, anderswo zerlegen sie beherzt die Strukturen des Songs, dann wieder rocken sie die imaginäre Garage mit naiver Unbeschwertheit. Klar, aus Japan haben wir in den letzten Jahren immer wieder eigenwillige und großartige, übrigens auch großartigere Rock-Entwürfe gehört, in deren Hörweite auch Afrirampo (Rock Action/Pias/Rough Trade) arbeiten: Melt Banana, Boredoms, OOIOO, Ruins, Acid Mothers Temple und so weiter.
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TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
28. März 2011 | 11 Kommentare




DON VITO – IV

donvito_IV(Discorporate Records/Cargo) Geil! Die überfallartige Intensität (naja, ich hab noch keine erlebt oder veranstaltet, aber man kann sich das ja mal vorstellen), mit der Don Vito aus dem Wilden Osten Deutschlands hier ihre zehn instrumentalen Math-Noise-Rock-Attacken abfackeln, ist bemerkenswert. Das längste Stück dauert 2:09 Minuten, das kürzeste gerade mal 42 Sekunden. Ist also schnell vorbei der Spaß. Aber – wie eine Minutmen-Platte – macht das nichts, weil man die auf „IV“ enthaltenen Informationsmengen ohnehin erst nach mehreren Durchläufen für sich halbwegs sortiert hat und danach erst recht immer mehr will.

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
23. Juni 2010 | Keine Kommentare




BLACK BONED ANGEL – VERDUN

verdun(Riot Season/Cargo) Deep. Dafür nehmen sie sich Zeit: Etwas über fünfzig Minuten dauert dieses Album, das gar nicht erst in mehrere Tracks zerlegt ist, obwohl es aus drei Teilen besteht. Verdun, das war eine der verheerendsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Fast ein Jahr lang lagen sich deutsche und französische Armee gegenüber, am Ende waren auf beiden Seiten so um die 100.000 Mann „gefallen“, die Gegend in eine Kraterlandschaft verwandelt und nachhaltig verwüstet – und am Frontverlauf hatte sich unterm Strich kaum etwas verändert. Dieser Schlacht widmen sich die Neuseeländer Black Boned Angel mit zermürbender Düsternis und gnadenloser Konsequenz. Wobei zum Schlagzeug (das oft über lange Strecken schweigt) und elektrisch verstärkten Saiteninstrumenten noch Samples kommen, die das Nervenkostüm weiter zerrütten. Neulich schrieb ich über eine Doom-Band, Winter seien dagegen Fun Punk gewesen. Hier passte das auch, allerdings noch ein ganzes, tödliches Stückchen besser…

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
20. Juni 2010 | Keine Kommentare




MOUSE ON THE KEYS – AN ANXIOUS OBJECT

mouse_on_the_keys(Denovali/Cargo) Das Album hält locker, was die EP von vor ein paar Monaten versprach: eine kraftvolle, dichte Musik, die mit den Mitteln (vor allem den Instrumenten) des Jazz Rock-Intensität erreicht, aber auch in fragilen Kompositionen kristallinen Glanz verbreitet. Mouse On The Keys eröffnen furios mit „Completed Nihilism“, das an große Prog-Rock-Momente erinnert, die eine Seite dessen, was sie auf diesem Album veranstalten. Dies kontrastieren sie mit leisen Interludes, die sie virtuos zu steigern wissen. Jazz ist hier eher eine Soundfrage. Ansonsten beziehen sich Mouse On The Keys auf viele andere Musik (Steve Reich, Post Hardcore, Detroit Techno), die wiederum eher in den Kompositionen wirkt, die im übrigen stets klar strukturiert sind, also nicht zur Grundlage von Improvisationen dienen.

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
11. Juni 2010 | 5 Kommentare




CHROME HOOF – CRUSH DEPTH

images(Southern Records/Soulfood) Schon eine eigenwillige Bande: Ohne viel Federlesens fusionieren sie Prog-Rock, orchestrale Einwürfe, elektronische Tanzmusik, Heavy Metal und noch ein weiteres halbes Dutzend disparater Stile zu einer Musik, die zugleich so homogen und zumindest in meinen Ohren unanstrengend unterhaltsam wirkt, als wären all diese Einflüsse nicht dem Fan gar Anlass zu erbitterter Abgrenzung dem jeweils anderen gegenüber. Von den vielen Beschreibungen, die die Kollegen so von sich geben im Versuch, das Unaussprechliche begrifflich zu machen, finde ich am hilfreichsten jene vom Hinterland, wo sich Zappa, Funkadelic und Magma treffen (Q), aber das klammert vielleicht auch noch zu viel aus. Man muss es ja auch heute niemandem mehr erzählen, wo er und sie sich das mal kurz unverbindlich anhören können. Was im übrigen das Genre der Plattenkritik noch nicht ganz erledigt, aber das wissen Sie, liebe Leser, natürlich, sonst könnten wir an dieser Stelle nicht so nett plaudern.

TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Reviews
8. Juni 2010 | 1 Kommentar




RED SPARROWS – THE FEAR IS EXCRUCIATING. BUT THERIN LIES THE ANSWER

RS_Fear_Digipak(Conspiracy/Cargo) Schon recht bedenklich wurde mit dem Begriff Post Rock in den letzten Jahren Schindluder getrieben. Was vielleicht auch daran liegt, das von Anfang an kaum jemand wusste, was das eigentlich sein sollte, außer einer zeitlichen Einordnung, die obendrein von einem Treppenwitz der Musikgeschichte (i.e.: The Strokes) vor zehn Jahren elegant ausgehebelt worden war – beziehungsweise: wie der im Terminus enthaltene Avantgardegedanke eigentlich inhaltlich zu füllen wäre, theoretisch wie praktisch. Interessant in diesem Zusammenhang: Die Begriffsbildungsmethode, ja schon damals nicht neu, fand neue Anhänger in einer metalaffinen Szene, die sich durchaus auch auf das bezog, was von Chicago kommend als Post Rock eine gewisse Popularität erlangt hatte: Vorwiegend instrumentale Musik, die sich nicht in klassischen Liedformen erschöpfte, sich auch nicht auf die stilistischen Wege des Rock festlegen lassen wollte.
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TEXT: Andreas Schnell | RESSORT: Musik, Reviews
31. März 2010 | 2 Kommentare