ME AND MY DRUMMER -THE HAWK, THE BEAK, THE PREY
„It’s mostly tha voice“ – nichts beweist Gurus‘ altes Diktum besser als Charlotte Brandis glockenklares Organ, das eindeutig größte Geschenk an die Musikwelt diesen Frühjahres. Dabei hat das Berliner Duo Me and my drummer noch viel mehr zu bieten. Perfekten Pop zum Beispiel.
Den erkennt der anorganische Intellektuelle am unwiderstehlichen Drang zum lauten Mitsingen des doch noch völlig unbekannten Textes, dessen verdiente eingehende Exegese vom sich ungewohnt selbstständig gebärdenden Hinterteil endgültig verunmöglicht wird. Catchy as hell, kein Zweifel, aber auch gut?
Selbstverständlich gut! Denn nichts liebt der Gattungsfreund mehr als wenn sich die Herzensmusik keine großen Gedanken um ihr wahres Wesen macht, sondern (quasi schwebend-nachreflexiv) schlicht ganz bei sich selbst ist. Handelt es sich dabei um Pop, gehört dazu nicht erst seit Heroen wie Morrissey (keep it indie-Flügel) und Elton John (keep it cheese-Flügel) ein gerütteltes Maß Dramatik, das weltumgreifende Gefühl der großen Form in der kleinen. Man muss nur eben wissen, wann es anfängt pathetisch zu werden. Und das wissen Me and my drummer: Wenn etwa Brandis Stimme auf der zentralen Großtat „You’re a runner“ mit den Worten „Crambled hopes of failed career/All of this just don`t fit you my dear!” in höchste Höhen steigt, ist das kein dumpf-blöder Suizidkitsch, sondern eine Beschwörung; die Zeilen „There are more hearts pumping like your own/Don`t you dare to hurt mine“ kein Emo-Gesäusel, sondern ein wahrer Herzensöffner. Eingerahmt wird das von getragenen Synthesizer-Melodien, Piano und präzise geschlagenen Drums, welche im Zusammenspiel mit dieser bereits schwärmerisch gelobten Stimme eine markerschütternde Stimmung erzeugen, die sich höchstens annäherungsweise als eine Kreuzung der Fleet Foxes mit Fever Ray beschreiben lässt.
Der Mut zur großen Geste ist deshalb so verdienstvoll, weil er Produkt eines selten Einklangs von (dramatischer) Form und (lebensumfassenden) Inhalt ist: Egal ob Brandi oder ihr lyrisches Ich, hier singt uns die Stimme eines wahrhaft emanzipierten Menschen vom Verworfen-Sein und Ankommen, Wahnsinn und Klarheit, dem Stürzen und wieder Aufstehen.
Gelungener Pop lehrt uns die alte einfache Einsicht die schwer zu machen ist: Wer sich als Mensch ernst nimmt kann es weit schaffen, und für den Rest kommt auch noch etwas dabei rum. Im Zweifel eben verdammt gute Popmusik.
8. Mai 2012 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed




