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DIE FRAGE DER ZUSAMMENARBEIT NEU GESTELLT

Florida Jane von Christina Gransow und on:stop:off verwischt die Grenze zwischen Musikproduktion und Illustration.
 

 
Christina, Architektur und Stadt sind deine Themen. Was interessiert dich daran?
 
Christina: Ich habe mich intensiv mit den Ideen von Le Corbusier auseinandergesetzt, dem schweizerisch-französischen Architekten und Theoretiker. Er hatte eine Utopie entwickelt, eine Zukunftsvision einer neuen Idealstadt. Läuft man heute durch Gegenden, die mit dieser Vision etwas zu tun haben, stellt man fest, dass die Idee der Idealstadt oft zu ihrem Gegenteil geworden ist. Viele Gebäude der Nachkriegsmoderne werden ignoriert, abgerissen oder gelten als gescheiterte Experimente. Das finde ich interessant. Die Gebäude sind meiner Meinung nach wirklich schön und ich habe Spaß daran, sie zu zeichnen.
 

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit on:stop:off?
 
Christoph: Wir haben uns in der Armgardtstraße kennengelernt, der Fachhochschule für Gestaltung und Design in Hamburg. Christina hat Illustration studiert, ich Kommunikationsdesign.
 
Christina: Und dort waren wir zusammen in einem Zeichenkurs.
 
Christoph: Richtig: Grundlagen!
 
Ihr kanntet euch also schon vorher. Seit wann existiert on:stop:off als Band?
 
Christoph: Ursprünglich war es eher eine Art Heim-Bastel-Projekt. Als die Songs dann live gespielt werden sollten, sind zwei Kollegen eingestiegen, mit denen ich auch bei Nice New Outfit in klassischer Bandbesetzung zusammenspiele. Das spannende für uns drei bei on:stop:off ist, das wir dort auf andere Weise zusammen Musik machen können, als in der ursprünglichen Bandbesetzung. Wir treffen uns trotzdem im Proberaum und versuchen gemeinsam mit dem Computer alles möglichst dynamisch und bandmäßig umzusetzen. Ich spiele Gitarre, kann das aber eigentlich gar nicht richtig. Und Alex, der eigentlich Gitarrist ist, kümmert sich um Synthiesachen. Dadurch kommen Ideen zustande, die es im Bandkontext so nicht geben würde. Wir haben Florida Jane zwar noch nicht live zusammen gespielt, aber in dem Lied zum Video ist die Mischung aus synthetischen und akustischen Elementen schon zu erkennen.
 
„Das Lied zum Video“ ist eine interessante Formulierung und deutet darauf hin, dass ihr euch gegen den konventionellen Weg entschieden habt.
 
Christina: Wobei ich nicht sagen würde, dass es das Lied zum Video ist. Christoph hatte mir zu Beginn unserer Zusammenarbeit eine Skizze gegeben, das Lied hatte sich damals noch nicht so angehört wie jetzt. Ich habe dann angefangen zu zeichnen und ihm die erste Minute geschickt, was natürlich eine Weile gedauert hat. In der Zwischenzeit hatte er wieder etwas an dem Song verändert – so ging es dann weiter. Es greift ineinander über, das Zeichnerische greift in die Musik ein und umgekehrt.
 
Die Ebenen verzahnen sich miteinander…
 
Christoph: Das war ja das Interessante daran, dass beide Sachen parallel entstanden sind.
 
Christina: Ich hätte auch nicht als Dienstleisterin auftreten wollen, die ein Video zu einem fertigen Song macht. Es sollte eine wirkliche Zusammenarbeit von Musik und Video sein, Lied und Video sollten aufeinander reagieren.
 
Gab es im Vorfeld Absprachen, was inhaltlich passieren sollte?
 
Christoph: Das Lied sollte nicht länger als drei Minuten sein, mehr wurde nicht vereinbart. Einen zeitlichen Rahmen abzustecken, fand ich hilfreich. Schön, dass es so kompakt geworden ist.
 
Christina: Ich hatte Lust, etwas mit Häusern zu machen, die sich bewegen.
 
Wieso tun sie das überhaupt? Sie drehen Pirouetten…
 
Christina: Weil sie sich freuen.
 
Wie Häuser das nun mal tun.
 
Christina: Als ich mir die musikalische Skizze anhörte, musste ich an verlassene Orte denken. An Viertel die tot sind, wie man sie an den Rändern der Städte findet. Dann kommt der Bass rein und sie beginnen zu leben, wenn auch nur für einen kurzen Moment, so lange bis das Lied ausklingt. Man sollte im Video nachvollziehen können, wie sich diese verlassenen Orte zeichnerisch aufbauen. Außerdem tauchen Grabsteine auf. Bei meinen Recherchen war mir aufgefallen, dass Hochhaussiedlungen aus den 60er und 70er Jahren häufig sehr nahe an Friedhöfen gebaut wurden – ein absurdes Bild.
 
Wie lange hat die Arbeit am Video gedauert?
 
Christina: Das Zeichnen zog sich über ein Jahr. Wobei ich natürlich immer viele Sachen nebenher gemacht habe. Nur im letzten Monat saß ich täglich dran, um es dann endlich mal fertig zu kriegen. So ein Video mache ich wirklich nur aus Spaß.
 

TEXT: Oliver Koch | RESSORT: Fundsache, Mish Mash, Musik
18. April 2012 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





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