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RUE ROYALE – GUIDE TO ESCAPE

Manchmal braucht es einen Moment bis es klick macht. Dann hört man beiläufig zu und notiert „guter alter Halleffekt, Junge/Mädchen-Doppelstimme-Gesäusel, Texte egal, all the same, Kling Glöckchen, klingelingeling“. Stangenware für die Teenies mit dem José González-Cover an der Wand, Klappe zu, Platte tot.
 
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Bis man plötzlich konsterniert feststellt, dass die Melodie, welche man gerade im Halbschlaf unter der Dusche vor sich hin summt, gar nicht von den alten Style Council-Platten stammt die man in letzter Zeit so gefeiert hat. Dass es (sieht man von den letzten Kathleen Edwards/Bon Iver-Großtaten ab) schon wirklich verdammt lang her ist, dass eine Platte so aus einem Guss klang. Dass nun ehrlich nichts gegen Pärchen-Gesang einzuwenden ist, wenn es so wunderschön harmonierende Stimmen wie die von Brooklyn und Ruth Dekker sind, die sich hier umgarnen. Dass diese Songs schlicht zu mehr taugen als der wohlgefälligen Umspülung eines Indie-Jugend-Rotweinabends, und wahrscheinlich auch zu mehr als mit der Liebsten im Arm in die Morgensonne zu blinzel, aber dazu besonders gut.

Dann erinnert man sich duster, weshalb man dass irgendwann einmal beschloss gut zu finden, dieses Prinzip der schlichten Kombination von Akustikgitarre, Stimme und dem festen Willen, der Welt mal zu erzählen, wie es sich anfühlt, gerade jetzt zu existieren, hier zu sein und den ganzen menschlichen Schmarrn durchzustehen, dieses ganze Repertoire der Klassiker, vom Herzflattern bis zum Nierenversagen, die Lichtmomente und Dunkelstunden, Sonnenschein und Schatten.
Größtmögliche Unmittelbarkeit, aufdringliche Direktheit – eine eigene Art der Drastik, wundenschlagend, sinnstiftend, eine einzige Narrheit. Denn so ist es schließlich, das undankbare Leben. Obwohl gänzlich unpeinlich, ist das kein Stoff für Ironiefetischisten und Pathosfeinde, wer solche Musik spielt steht mindestens mit dem Seelenheil dafür ein. Wer dass nicht mag, kann gerne draußen bleiben.
„When we’re together we survive“, heißt es auf dem vorletzten Lied; so lässt sich gute Kunst auch definieren. Mit diesem Album überlebt es sich leichter. Es hat schließlich klick gemacht.

Hier reinhören:

TEXT: Peter Merg | RESSORT: Allgemein, Musik, Reviews
26. März 2012 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





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