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VERGESSENE STILE XL

Johnny Strohbuben: Sonne auf, Herz runter

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Winken die Worte nach innen,
was werden sie nur finden?
- ein Haus in den Frühling oder
das geteilte Echo der Verzweiflung?
Distanzen, länger als alle Gedanken,
nicht wie früher, als noch Sonne war
im Blick, als noch Herzen rhythmisch herrschten.

Und ein und aus gingen die Zeilen, nie
versiegend sondern Wurzeln treibend.
Eine Epoche in Gesang herrlich wie nie,
sonnambulant sich nie sättigend, denn
der Horizont war nicht wollern, wollte
es sein, ein hochtrabendes Märchen.
Heute geht nur Geld und es geht aus.

Aus dem alten Land ritt einst ein junger Dichter mit Hut im Gesicht in die große Stadt ein. Er wollte Lyrik, Liebe und Leidenschaft in die leeren Augen der Moderne pflanzen und tief und bohemistisch wie ein Werther leben und lieben, dichten und denken.

Er versuchte, die Welt kraft der Macht aller Poesie und darüber hinaus an sein fühlendes Herz zu reißen. Es war Johnny Strohbuben, Sohn einer Hippiekommune, benannt nach Jimi Hendrix, den Stohbubens Eltern, sofern ihr Gemüt Augen und Ohren hatte, immer als Johnny Hendrix ansahen. Aber Stohbuben eroberte nur viel zu viele leere Blätter mit schwungvollen Buchstaben und mächtigen Worten, seine Stimme versagte sprichwörtlich und er verzagte. Er füllte mehr Anträge an Ämter als Liebesbriefe an die Liebe aus und alle himmelhochjauchzenden Hymnen fielen noch im Schreiben und immer mehr auf den harten Boden der Resignation. Er versagte und lebt inzwischen Gerüchten zufolge das einnehmende und fordernde Leben einer Königin der Nacht, abgeschlossen mit Wahrheit, Dichtung, Welt. Einzig seine Gedichte verwehte der Wind in die lebenshungrigen Schlünde der Jugend, die staunt und stumm verehrt. Die Spannung seiner Gedichte erwächst aus dem ewigen Kampf zwischen Licht und Schatten, von den lakonischen Titeln („Arm ab und zu“, „Müffelndes Gehöft“) mal abgesehen. Das vorliegende „Sonne auf, Herz runter“ war dem Vernehmen nach sein letztes Gedicht und ist daher von besonderer Relevanz: Die Trauer hat gesiegt, die Hoffnung vergangener Tage verblasst und die Träume werden zu bangen Fragen und schalen Erinnerungen. Am Ende frisst das Geld die Lyrik auf und verschwindet. Johnny Strohbuben hat sich den Ruf eines Kamikaze-Klischee-Kafkas redlich verdient.

TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
6. Dezember 2011 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



EIN KOMMENTAR


  1. LECCE Quando sono nati, nel 1991, pochi ci avrebbe scommesso: quel gruppo che, partendo da un luogo lontano da tutto, pretendeva di fondere i ritmi giamaicani con un dialetto vent dopo avrebbe avuto alle spalle una grande carriera, concerti in ogni angolo del globo e un grande merito: aver restituito dignità al dialetto e a un intero territorio, che proprio sulla musica ha fondato il suo riscatto. Il ventennale del gruppo (Don Rico, Terron Fabio, Nandu Popu, Ggd e Papa Gianni) è scoccato un anno fa, ma discograficamente è l of Sud Sound System in uscita oggi per la Universal, che sancisce la raggiunta maturità. Tredici i brani, due inediti: come ora e via E ora che i Sud Sound System sono una realtà consolidata, Nandu Popu può anche togliersi qualche sassolino dalle scarpe con l letterario: il suo libro fuoco e fumo uscirà il 5 luglio con Laterza.



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