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VERGESSENE STILE XXXVI

TAMARA KLARA GANSGENAU: VÖGEL

Vögelein!
Vöhögelein!
Vöhöhöhöhöhö
gelein.
Vögelein!

Vögelein klein,
Vögel allein,
jRqtykO Vögelein!

Vögel!
Vögelein!
Vöhöhögelein!
O Vöhöhöhögelein!
O Vögelein!

Vögelein!

Neue Lehrbücher und Almanache brauche die Welt, meint zumindest die Dichterin Tamara Klara Gansgenau selbst. Neue, überarbeitete Wissensbrocken, die den oftmals allzu trockenen Gegenständen endlich mal ein bisschen Leben einhauchen, Sachverhalte auf den Punkt bringen und dabei trotzdem unser aller melodisches Herz zum Springen bringen.

Daher arbeitet Gansgenau alle Themenkomplexe ab und ersetzt Definitionen und Erklärungen durch geradezu hanebüchen reduzierte, minimalistische Gedichte, die selten mehr als eine Handvoll Wörter gebrauchen, dafür umso mehr Silben in dadaistischer Schärfe aneinander reihen. O-Ton: „Die beste Beschreibung ist immer noch die genaue Beschreibung. Ein Gegenstand ist zunächst erst mal Gegenstand, alles andere wird sich finden. Warum also immer über das Gefragte hinausgehen, wenn die Antwort auch die Frage ist. Und wenn das dann alles noch schön schwungvoll und poetisch abläuft, umso besser!“ Scheinbar wenig und doch viel steckt in diesen Gedichten, wie das Poem „Vögel“ illustriert: Vögel sind offensichtlich Vögel, aber sie sind auch klein und allein, sie zwitschern fröhölich, sie verdienen es, dass mit ihnen voller Hingabe und Anbetung gesprochen wird. Was wissen wir also nun über Vögel?- So viel… Was werden zukünftige Generationen über alles und die Welt wissen, wenn alle Lexika und alle Lehrbücher in dadaistisch-lyrischer Form im Stile der Gansgenau geschrieben sind?- So viel…

TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
6. Oktober 2011 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





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