OPAK | wir müssen reden » Blog Archive » PETERLICHT – DAS ENDE DER BESCHWERDE

PETERLICHT – DAS ENDE DER BESCHWERDE

PeterLicht
Es muss einen Grund geben, warum es heute scheinbar zum guten Ton gehört, die Musik von PeterLicht geil zu finden. Mit voller Erwartung blicken wir nun also auf sein sechstes Album „Das Ende der Beschwerde“ und stellen fest, dass das Ende der komplexen Gedankenketten des Kölner Songwriters noch lange nicht in Sicht ist.
PeterLicht schafft es, die gesamte Beschissenheit der Welt wunderbar ironisch zu beschreiben. Und das ist einfach Kunst. Dass er mit Hilfe von Popmusik ein angenehmes Umfeld für den ganzen Welt-Wahnsinn liefert und ihn somit einigermaßen erträglich macht, ist sein Geheimnis. Wären die Texte auf „Das Ende der Beschwerde“ musikalisch entsprechend verpackt, hätte das Album auch ein recht unbequemes Unterfangen werden können.

Eine leise Ahnung, wie ebendiese Unbequemlichkeit sein könnte, liefert der Opener „Sag mir, wo ich beginnen soll“. Hier wird mit einem Rufgesang à la Die Goldenen Zitronen zu eintönig-stressigem Beat hervorragend philosophiert. Danach geht es erleichternd poppig weiter. „Neue Idee“ ist genau die Art von Song, der unsere Erwartungen erfüllt. Eingängige Melancholie-Hymnen, die den großen Unterschied zum oben erwähnten unbequemen Unterfangen ausmachen. Und von solch feinen Songs gibt PeterLicht auf seinem neuen Album eine ganze Menge zum Besten.
Dieser Mann meint es ernst. Sowohl mit seiner Kritik und als auch seiner Ablehnung.

Aber nur weil er Formulierungen dafür findet, die zum Niederknien sind, nur weil er eben mit Humor an die Sache herangeht, macht er sich noch lange nicht über unsere miese Lage lustig. Und trotzdem besteht er nicht darauf, zu 100 % Ernst genommen zu werden. PeterLicht möchte nicht belehren, keine Ratschläge geben und schon gar nicht den Zeigefinger erheben. Diese Freiwilligkeit, mit seiner Kunst umzugehen, wie man möchte, die bleibt. Und genau das ist es, warum wir PeterLicht lieben.

TEXT: Sarah Schneider | RESSORT: Musik, Reviews
29. Oktober 2011 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



2 KOMMENTARE


  1. So, nu die komplette Liste, kam an Weihnachten enfaich nicht dazu:Alben:10. Nicolas Jaar Space is only NoiseZu Beginn hat mich diese Platte wirklich umgehauen! So viel verschiedene Stilmittel vermischt auf einer ernstzunehmenden Platte sieht man selten. Zwischen Jazz, sanft blubbernder Elektronik, HipHop und dem schon im Plattentitel vorhandenen Space (Ja ich ze4hle das als Genre!) bewegt sich Jaar in Richtung Kf6rper und Geist und schafft es dabei noch beides zu begeistern.9. Modeselektor MonkeytownAuch diese Platte bietet eine vielzahl an verschiedenen Einflfcssen. Dubstep hier, Radiohead-Remix-artiges gewabbel dort. Meine erste Reaktion war: Oh, da rapt jemand. Oh, wo kommt dieser poppige Sound her? Geil! Auch die Scooter Referenzen aufweisende Single Evil Twin weidf mit seinen verzerrten Synthies und der wummernden Bassdrum zu fcberzeugen. Evil evil Twin, is the Master! Evil evil twin, is the base! Tanzen tanzen!8. Bon Iver Bon IverWas hat Justin Vernon da nur ffcr ein zeitloses Meisterwerk auf die Beine gestellt! Zwischen den inoffiziellen Top-Hits Perth und Beth/Rest stecken mindestens noch zwei dutzend weitere Momente die nur so zum tre4umen einladen. Mit dieser Platte schafft man, sofern man sich drauf einle4sst, im Sommer tief winterliche Geffchle und kann gleichzeitig im Winter die Sonne aufgehen lassen.7. Jamie Woon MirrorwritingWe4hrend meiner Zeit in Kiev kam die Single Lady Luck raus. Fand ich geil, hf6rte ich auf Dauerschleife, immer und immer wieder. Dann kam das Album und als ich feststellte, dass Lady Luck der meines Erachtens schwe4chste Song des Albums ist war ich schon bisschen baff. Woons sanfte Soulstimme fcber der teils atmosphe4rischen, teils fesselnd einge4ngigen Elektronik, dazu die vorallem in der zweiten He4lfte des Albums genutzte Akustikgitarre erzeugen einen bittersfcdfen Traum.6. Girls Father, Son, Holy GhostDie Indie-Recken des Jahres! Hier gilt das Motto: Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht. Dennoch schreiben Girls mit jedem ihrer Songs eine neue Hymne des Indie-Rock. Meine Musik um dieses Jahr, bei spe4tsommerlichem Sonnenschein, auf dem Balkon mit dem besten Freund abzuhe4ngen und das Leben enfaich mal geniedfen. Durchweg entspannend!5. Digitalism I love you, DudeJa ich weidf, in diesem Fall bin ich mal nicht trendy. Ist ohne Frage out. Sowas von 2007 mehr gehts gar nicht, aber trotzdem, was ist das denn bitte ffcr eine geile Scheibe? Digitalism sagten in einem Interview, dass alles was auf der alten Platte schnell gewesen war, auf der neuen schneller sein wird. Alles was damals groovete, grooved jetzt mindestens doppelt so viel und das was damals als catchy bezeichnet wurde greift einen eben noch mehr. Sie fahren gut mit dieser Extremite4t. Ja, sehr gut sogar!4. James Blake James BlakeMr. Hype hf6chst persf6nlich. Kritiker machten weltweit Freudensprfcnge und stimmten Lobeshymnen an. Aber Hype hin oder her, was Blake hier Anfang des Jahres ablieferte war, ist und bleibt enfaich sensationell! Alles ist so verdammt stimmig auf dieser Platte, jeder noch so kleine Klimperer auf dem Piano, jeder der spe4rlich programmierten Hits auf der Snaredrum und jeder angestimmte Ton von Blakes engelsgleicher Stimme muss so sein, find ich geil, kann ich nicht mehr ohne Leben.3. Casper XoXoHierzu will, darf und kann ich gar nicht viel sagen, ausser das ich selten (und damit meine ich eigentlich nie) Musik zu hf6ren bekam die mich derartig berfchrt. Fast schon peinlich.. Eine Platte, strotzend von Emotionen! Mit 16 darf ich das auch geil finden!2. La Dispute WildlifeEigentlich hf6r ich ja kein Hardcore, aber was die Visions hier publizierte hat mich doch glatt von den Socken gehauen! So viel Geffchl, so viel Melodie und die Stimme des Jahres! Grandiose Texte unglaubliche Rhythmen und Von dieser Platte hab ich mich in die Wave ziehen lassen. Und die Wave schwappt weiter fcber das Land, ne4chstes Jahr bin ich dann in Mfcnchen!1. PJ Harvey Let England ShakeWas soll man hierzu sagen? PJ singt, tanzt und tre4umt zu ihren eigenen sanften Melodien. Ffcr mich das beste Songwriting des Jahres, nichts wirkt im geringsten fcbertrieben alles ist schf6n und doch so traurig. Hiervon krieg ich nicht genug. Ihr Lebenswerk und ffcr mich eine Platte ffcr die EwigkeitSongs:1. Ghost of Tom Joad snow in the summertime2. Magnetic man I need Air3. Lamb Another Language4. Andreas Dorau Inkosequenz5. Rockwell 4U6. Nero Crush on you7. Nero Welcome Reality VIP8. DELS Shapeshift9. Katy Perry E.T. (Skrillex Remix)10. Modeselektor Shipwreck11. Active Child Playing House12. Anna Ternheim The longer the waiting13. British Sea Power Observe the Skies14. James Blake Fall Creek Boys Choir15. Ada The Jazz Singer16. Bloodgroup This Heart17. Coldplay Paradise (LOLb2b2b2b2b2)18. Fleet Foxes Montezuma19. Noah and the Whale LIFEGOESON20. The Vaccines NoergaardBestes Konzert:Digitalism (Southside/Melt!)Beste Konzerte (ungereit):Two Door Cinema Club (Southside)A-Trak (Southside)Elbow (Southside)Urlaub in Polen (Eden)Einstfcrzende Neubauten (Muffathalle)Murder (Re4tschenmfchle)Crystal Castles (Melt!)Robyn (!!!) (Melt!)Mogwai (Lka)iLiKETRAiNS (Feierwerk)und so vieles anderes Gutes Jahr!


  2. Habe mir heute im fnac eine Gang Of Four Gold Compilation besorgt! Bei Sebastian freue ich mich rieisg, dass die grodfe Langeweile, um hier mal beim meistgenannten Wort zu bleiben, dieses Jahr erstmals abgelegt werden konnte. Wenn ich nicht irre, ffchrt hier lediglich deine 10 ins Leere. Weiter so. Recht hast du prinzipiell schon, Martin, ich wfcrde nur behaupten, dass man mit 30 alle Spielarten der Musik hinter sich hat (und mit etwas Glfcck begegnet man auf seinem Weg etwas e4hnlichem wie Dubstep). Meine Mitstreiter und ich hatten nur das grodfe Pech, dass wir nach 30 immer noch gefallen an Musik hatten, ich glaube eher instinktiv und auf der reinen Geffchlsebene (vielleicht haben wir uns auch ein wenig angestachelt). Die, die mit 25 ihr Ende setzen, hf6ren dann entweder gar keine Musik mehr oder mit 50 immer noch den alten Kram (bestes Beispiel ist hier wohl die Metal-Szene), manche vielleicht Jazz oder Klassik, da sehe ich aber eher Ausnahmen. Die lauten Revival, wie sie Gang Of Four oder Devo gerade letztes Jahr verkfcndet haben, laufen bei mir fcbrigens ebenfalls ins Leere. Das bringt selten was. Unter’m Strich kf6nnte man sich nach all den Kommentaren auch der ge4ngigen These anschliedfen: Die Popkultur ist Tod! Unabhe4ngig vom eigenen Alter ist sie doch wenigstens in die Jahre gekommen.An alle: Dem Poll seine Leser sind fcbrigens auch in die Jahre gekommen. Wisst ihr noch, was hier frfcher los war?Und Grfcdfe an alle! Ich he4nge hier in der Bretagne rum. Eben erst einen Spaziergang an der Kfcste gemacht. Superbe. Frohes Fest!



KOMMENTIEREN