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VERGESSENE STILE 32

Dr. med. Jens Pitterling:
Dir Alles in allem zu sein
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Was gäbe ich dafür,
dir Alles in allem zu sein!
Das Messer der Heilkunst
schwingt den Reim.
Im Gestankgeschwulst
der Innereien muss ein Herze sein,
dessen Fäden ich seziere,
dessen Bindungen ich studiere,
damit es einmal werde mein
und in meinen Händen blubbert
und dahin gammelt wie alter Leim.
Ja dann, meine Liebe,
hätte es sich ausgeschrubbert,
du wärst nichts mehr
und ich begönne,
dir Alles in allem zu sein.


Dies ist eins der über 700 Gedichte, die der Autor, ein 50-jähriger Arzt aus Leipzig, innerhalb der letzten 13 Monate (ca. zwei Gedichte pro Tag!) zu Papier brachte. Dabei ist es ihm gelungen, unter Vermeidung von Pseudoplagiaten, eine gleichzeitig gefühl- und kraftvolle Art von Lyrik zu schaffen, die es gar nicht nötig hat, sich als Kopie des Pseudo aufzuführen, schließlich ist sie echt und schwungvoll aus dem tiefen Schlund der Realität gezogen. Er tritt damit den Beweis an, dass man sich im Alter durchaus erfolgreich neuen Herausforderungen zuwenden kann. Ohne Scheu vor den großen Themen Liebe und Leben weiß er diesen durchaus neue Aspekte und Metaphern anzufügen, wobei man ihm abnimmt, diese sämtlich selbst gedacht und gefühlt zu haben. Besonders die Verbindung medizinischer Alltagspraxis mit dem hohen Ross Liebe schlägt über die Konventionen kulturell gängiger Liebesverklärung hinaus, in Gestalt der plastischen Gestanksmetaphorik (im Beispielgedicht: Gestankgeschwulst, ausgeschrubbert), anhand der Pitterling die Fäden zwischen Leben, Liebe und Tod zieht. Amouröse Besitzansprüche werden in ihrer destruktiven Kraft schonungslos und schmerzhaft vorgeführt und so der Gestank sumpfiger Erdigkeit ehrfürchtig in die luftigen Höhen der Hochkultur getragen. Lebensweisheit, Ekel und artistischer Mut sind sein Antrieb, Lebensekel, Weisheit und mutige Kunst sein Inhalt- Mögen Dr. Pitterling noch viele Operationen am offenen Herzen beschieden sein!

TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
5. Juli 2011 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



10 KOMMENTARE


  1. Nachdem ich nun mit Vergnügen “Dir Alles in allem zu sein” gelesen habe, freute ich mich sehr darüber, dass dieses sensible Buch und dieser charmante Dichter hier vorgestellt werden. Einzig verwunderlich daran ist nur, dass das wiedergegebene Gedicht, auch wenn es zweifelsohne sehr schön (und etwas brachial) ist, nicht in dem Band zu finden ist. Auch entsprechen die Gedichte nur marginal der hier vorgetragenen Beschreibung. Weiß der Herausgeber der kulturell scheinbar hoch zu lobenden Serie “Vergessene Stile”, Sebastian Schreck, da näheres?

    Was mich zudem verwundert:
    http://www.amazon.de/Dir-Alles-allem-zu-sein/dp/3866346352

    Wer hat denn bitteschön die furchtbaren Kürzungen im Klappentext zu verantworten? Die schönsten Stilismen wurden ja sträflichst und verantwortungslos weggekürzt! (Zum Glück blieben wenigstens die wunderbaren “Pseudoplagiate” erhalten.)

    Nichtsdestotrotz: Schön, dem dichtenden Doktor die Ehre der Vorstellung zuteil werden zu lassen. Dafür sei dem Herausgeber trotz aller inhaltlichen Unklarheiten Dank ausgesprochen: Dank!

    Ein halb zufriedener Kunde:
    Passer


  2. Puh! Jetzt bin ich aber in die Enge getrieben. Ich weiß auch nicht, wie das titelspendende Gedicht- es ist mein Lieblingsgedicht von Pitterling- nicht in deinem Band auftaucht. Vielleicht wurde das Buch ja nach dem Erscheinen noch mal überarbeitet und gewissermaßen entschärft, da die zugegebenermaßen sehr kontroverse Verbindung zwischen zarter Liebe und harter Gedärmschnippelei dem unbedarften Leser ein zu weiter Spagat war- vielleicht hast du die Version ab 12 und ich die ab 18? Jedenfalls beschrieb ich den Pitterling nur nach bestem Wissen und Gewissen. Ich empfehle Antiquariate und andere Anlaufstellen, um das Mysterium der Pitterling-Rezeption zu entziffern.

    Ansonsten Danke für das Lob! Keine Ahnung, wer da für die Amazon-Seite an meinem schönen Text gepfuscht hat, davon wusste ich nicht und ich empfinde das auch, ehrlich gesagt, als Sauerei. Da will ein windiger Verlag einen jungen, begabten Dichter zum Posterboy (und Dadaisten) machen, das ist nicht koscher und nicht gutzuheißen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns an der ästhetischen Brillianz des Pitterling über so eklatante Ungereimtheiten in der Rezeption hinwegzuhangeln, denn die Gedichte sprechen für sich. Eine klare und bestimmte Sprache, die zu bewegen weiß. Schön zu wissen, dass es auch mitdenkende Leser gibt. Dafür danke ich und ich werde weiterhin die ganze verrückte Welt der Dichtung unter dem Teppich des Vergessens in das Licht der Öffentlichkeit kehren, keep on rockin’!


  3. Schade nur dass er so ein scheiß Lehrer und Mensch ist ;)


  4. Ich gebe dem Kommentar weiter oben recht, er ist wirklich ein schlechter Lehrer und Mensch und sehr herablassend seinen Schülern gegenüber.


  5. Der verzweifelte Versuch literarisch intellektuell zu wirken, währenddessen man in beruflicher Hinsicht Niveaulosigkeit walten lässt.


  6. Wir können uns nur den oberen Ausführungen anschließen,dieser Mensch ist als Lehrkraft untragbar und anderen Mitmenschen gegenüber sehr abwertend und Niveaulos!!!!!!


  7. Neuer Lehrer, unfassbar schreckliche Persönlichkeit… Sehr herablassend und plauzig. Mir ist noch keine Person untergekommen die mir auf Anhieb so unsympathisch erschien.


  8. Offensichtlich ist der Kerl nicht ganz klar im Kopf und unhöflich sowieso scheiß Zeit mit dem Typ gehabt


  9. Da ich diese doch sehr fragwürdige Art von Mensch nun eine gewisse Zeit als Lehrkraft ertragen musste, kann ich mich den oben geschriebenen Kommentaren nur anschließen. Sehr herablassend und unhöflich, schlimm das es solche Lehrer und vorallem Ärzte gibt.


  10. ;), Bla, ano, Ehemalige klasse, Joan, Mr.WasgehtSiedasan, kann ich nicht bestätigen, ich glaube die genannten haben keinen Verständnis für weltgewanden Humor und echten Charakter. Gehörnte Schülerchen die sich in Anonymität versteigen um wie bockige Kinder aus dem Dunkel Pupsgeschreusche von sich zu geben, mehr nur ein Kommentar auf ihre Unreife, sind als solche wahrliche Komödie.
    Es lebe die Kunst!
    Und das Gedicht finde ich gut.



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