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EINE LESUNG UNTER FREUNDEN UND BEKANNTEN

Wolfgang Welt auf dem Dockville Kunstcamp in Hamburg
 
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Inmitten einer Kulisse, die an ein Schulungszentrum für DDR-Logistiker erinnert, werden zunächst kollektiv Lösungsvorschläge für Technik und Mikrofone erarbeitet bzw. einfach gebaut. Hatte man sich so nicht auch die freie Kunstszene vor dem Mauerfall vorgestellt? Für Wolfgang Welt jedenfalls scheint die Wohnzimmeratmosphäre der Location nichts Neues zu sein. Er streift durch die Räume, trinkt Bier, hat nicht so richtig Lust sich zu unterhalten, aber auch nicht so richtig Lust zu schweigen und wird mit späterer Uhrzeit immer aufgeweckter. Nachtwächter halt, aber eine ähnliche innere Uhr scheinen hier alle zu haben.

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Kurz nach Lesungsbeginn haben sich die meisten schon eingelassen auf Welt’s Welt, die bekanntlich mit der eigenen etwas zu tun hat, aber doch irgendwo daneben angesiedelt ist. Er liest seine Geschichten und jeder weiß: Welt ist kein Schriftsteller der diesen ganzen Zauberwald an Kuriositäten und „Don’t push me ’cause I’m close to…“-Momenten erfunden und mit Kalkül zusammen gebaut hat. Und sonderlich akribisch scheint er auch nicht zu sein. Eher durstig, was ähnlich deutlich zutage tritt, wie die Denkroutinen in seinem Kopf, die von Sex, Schreiben, Saufen, Musik und Überleben geprägt sind.

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Manchmal greift er seiner eigenen Geschichte voraus. Mit einer im Tonfall gepflegten Desinteresses vorgetragenen Anekdote über die Protagonisten, die gleich sowieso gekommen wäre. Freiheit des Autors im Umgang mit seinem Text, hier gleich Leben, das er vorträgt wie wir es uns vorgestellt haben: leicht verschwommen und verzogen, manchmal genuschelt.
Ist man mal weggetreten, damit beschäftigt, Parallelen im eigenen Leben zu finden, wird man zurückgeholt. Entweder durch einen von Welts knatternden Atemzügen. Oder durch Knarf Rellöm und Carsten Hellberg, die mal einen T-Rex-Song spielen, mal einen Bo Diddley-Rhythmus klären oder per Fingerschnipsen von Welt auf die Bühne geholt werden.
Eine Bierglaslesung auf Höhe der wirren Augen des Autors, er selbst als knarziger Kautz im Mittelpunkt. Das wusste man und deswegen war man auch hier. Weil es nicht nur um perfekt organisierte neue Lectureperformances gehen kann. Hochkultur am Rand. Und Outsider in der Mitte!
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Fotos: Hendrik Lehmann

TEXT: Julian Niedermeier | RESSORT: Literatur, Präsentationskorb
28. Juli 2011 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



3 KOMMENTARE


  1. Ein denkenswürdiger Abend!


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