ARMS AND SLEEPERS – THE ORGAN HEARTS
Langsam rollt die neue Platte der Arms and Sleepers an. Ihre Dramaturgie ist von Vorne bis Hinten derart stringent das man sich manchmal fragt, wozu denn überhaupt noch Pausen zwischen die Tracks geschnitten wurden. Das Gefühl von Zugfahrt, das sich schon zu Beginn des Albums einstellt, wird man auch im restlichen Verlauf nicht los. Man steigt also ein – nicht in einen spektakulär verrosteten Ostblockzug mit besoffenem Schaffner, auch in keinen ICE 3 – und fährt gemächlich auf ziemlich festen Schienen durch die Landschaft. Ihre vorherigen Alben wurden oft als filmische Erlebnisse bezeichnet, doch Filme, dich ich als Erlebnis bezeichnen würde sind auch verstörend und brutal, verletzend oder experimentell. Das ist hier wohl nicht der Fall. Stattdessen wurde eine Strecke gewählt, die unerklärlicherweise durch Touristendörfern wie Air (Antwerp), Gotan Project (Reprise) oder gar U2 (I sing the body electric) führt. Sie verschwinden zwar bald schon wieder im sphärischen Dickicht der Platte, aber nichtsdestotrotz…
Der Schaffner, der die Regie für diesen Tripp führt, ist auf jeden Fall fahrtüchtig, stört nicht durch lästige Ansagen das langsame Vorbeiziehen der kargen Gegend. Man wünscht sich an solch zeitlosen Tagen dann doch komische Getränke wie einen Chai Latte, nur um die Struktur der abstrusen Milchhaut auf seiner Oberfläche bei ihrer Zersetzung beobachten zu können. In jedem Fall die richtige Musik, um sich nicht über die immer verspäteten Regionalzüge zu ärgern und einfach den herannahenden Sommer zu beglückwünschen. Ich mag Zug fahren.
Bei ihren Live-Konzerten verbinden die beiden US-Amerikaner Max Lewis and Mirza Ramic ihre Klangcollagen mit anspruchsvoller Videokunst. Wie gut dies zusammengeht, stellen sie auf ihrer aktuellen Europatournee unter Beweis. In den nächsten Tagen unter anderem in Hamburg, Berlin, Leipzig Dresden und Bamberg.
(Expect Candy / Cargo Records)
4. Mai 2011 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed




