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VERGESSENE STILE 26

ich_denkmal.jpg.593935Egon Icherich: Alles ist Ich

Wenn Lyrik schön ist und die Wirklichkeit sich nicht bequemt zu blühen, so muss im Garten der Stile nachgesät werden. Schließlich sollen Blüten sprießen, Stile duften

Und für den frequently askenden unter den Lesenden: Der erste Vergessene Stil in dieser Form trägt die Nummer 26, weil hier bereits unzählige (25) Stile ausgegraben und breitgetreten wurden. Stoff für weiterführende Lektüre bzw. großflächig zu Meidendes ist also ausreichend bei der Hand.


Egon Icherich: Alles ist ich


Vor allem das Ich,
mehr bedarf es nicht.
Neben all den Versteckten
und Verzagten
kann nur der Willige
Atlas gleich die Welt ertragen.
Das bin ich,
nach Verantwortung lechzend
und die Kuschenden rächend.
Keine Entschuldigungen und
falsche Rücksichtnahmen
benötige ich, wenn ich
forme, schaffe und mache.
Ich bin das willige Höchste
und die Welt ist meine Sache.
Mehr braucht es nicht:
Vor allem das Ich.

„Machen, machen, Popacken!“ und „Ich, der Icherich, Ego“ (der letzte Buchstabe seines Vornamens verrutschte leider unter seine Augenbraue) stehen auf der Stirn des jungen Egon Icherich. Er ist ein neuer Dichter, ihm gehört die Welt und er will sie jetzt. Seine philosophischen Wurzeln liegen im Leitwort Max Stirners: Mir geht nichts über Mich. Nur interpretiert er dies als unbedingten Willen, der Welt seinen Stempel aufzudrücken, Verantwortung zu übernehmen, Visionen zu entwerfen, zu leiten und zu lenken, zu fordern und zu fordern. Er hat sich das Credo zu eigen gemacht, dass ein Ruck durchs Land gehen und einer endlich mal anpacken müsse. Er erledigt das lyrisch und zwar eigensinnig, -tümlich und -artig, nicht aber artig. Kein Reimschema kann Icherich bändigen, kein Metrum ihn zähmen, kein Thema ihn mehr fesseln als das eigene Selbst. Nicht umsonst enthält der erste Gedichtband von Egon Icherich, „Ich mich mein“, den „Ich-Zyklus“, die „Oden an das Ich“ und das grammatikalisch grenzwertige „Über Ich nichts nichts nichts“. Er wolle den ganzen zögernden und nie um eine Entschuldigung verlegenen Gutmenschen, die ihr Versagen nur in Anderen suchen, mal zeigen, aus welchem Holz ein Mann der Tat geschnitzt ist: aus lyrischem. Und ohne Frage vermag er aufzuwühlen, zu berücken und nicht zuletzt: zu polarisieren. Inzwischen gibt es zu seinem poetischem Schaffen schon erste Exegesen-Workshops, die es sich staunend zur heiligen Aufgabe gemacht haben, die ersten Personen der einen Zahl in seinem Werk zu zählen: So viele Iche hat noch nie jemand gesehen. Egon Icherich und sein Ich sind überall.

TEXT: Sebastian Schreck | RESSORT: Vergessene Stile
22. März 2011 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





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