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ON TOUR – MARNIE STERN

Love for guitars, dogs and cigarettes

Sie ist eine Gitarrengöttin und will nicht so genannt werden. Sie lebt den Rock’n’Roll und geht doch nie aus: Marnie Stern. Ihr drittes Album heißt wie sie und erschien im Oktober auf Kill Rock Stars. Derzeit ist sie auf Tour in Deutschland:

01.12.10 München, Kranhalle @ Feierwerk
06.12.10 Hamburg, Prinzenbar
07.12.10 Berlin, Comet Club

MarnieStern_pic

Stern ist Musikerin, hauptberuflich. Sie hat eine Band, ein Schlafzimmer voller Gitarren und ein musikalisches Markenzeichen – das Fingertapping. Sie ist unendlich lange auf Tour, nie zufrieden mit sich und ihrem Sound und konstant pleite. Für dieses Leben hat Stern hart gearbeitet, geübt und penetrant ihre Demos verteilt, bis Anfang 2007 ihr Debüt „In Advance of the Broken Arm“ erscheinen konnte. Mit einem Sound zwischen Art-Metal, Math-Rock und ein bisschen Verschnauf-Pop füllt sie jetzt schon das dritte Album. Die kurzen Momente des Luftholens sollte man nicht ungenutzt an sich vorbei ziehen lassen, denn viele gibt es davon nicht.

Charakter

Immer noch prägen Einflüssen wie Hella – dessen Zach Hill Sterns Drums spielt – Orthrelm oder Deerhoof den Sound. Trotzdem habe sich seit 2007 einiges verändert, erzählt Stern im Interview. Der Schwerpunkt habe sich vom Experimentellen hin zum Songwriting verschoben: „Das erste Album war wild, das zweite Spaß und das dritte ist emotionaler und vielleicht auch stärker als die anderen. Zwar brauchen die Songs ein bisschen länger, aber wenn sie dich mal eingesogen haben, lassen sie nicht so schnell wieder los“. Stern betont in Interviews und bei ihrer freizügig verteilten KollegInnenkritik immer wieder, wie wichtig es sei, Charakter und Herkunft hinter der Musik zu spüren und macht dies zu einem Qualitätsmerkmal für Musik schlechthin.

Ihr Album klingt nach vollen Aschenbechern und Herzschmerz, nach klebrigem Tisch und Ungewissheit.

Bei ihren eigenen Stücken fällt es nicht schwer, sich die 34-jährige New Yorkerin zweifelnd, wütend, rauchend und abwechselnd Kaffee und Bier trinkend in ihrem charmant-untrendigen Apartment auf Manhattens Upper East Side vorzustellen, das sie angeblich tagelang nicht verlässt, um Musik zu schreiben. Danach klingt auch ihr Album – nach vollen Aschenbechern und Herzschmerz, nach klebrigem Tisch und Ungewissheit. Auf das Unzulänglichkeitsgefühl angesprochen, das in Zeilen wie „It’s not enough. I’m not enough” aus „Transparency is the New Mystery“ oder „Risky Biz“ immer wieder Thema ist, antwortet Stern fast zu klassisch: „In den Songs geht es um eine Beziehung, in der ich das Gefühl hatte, nie kreativ oder gut genug zu sein, um seine Aufmerksamkeit zu halten“. In „For Ash“ besingt sie sogar einen ehemaligen Freund, der sich umgebracht hat. Der sofort losrasende Track ist die erste Single-Auskopplung und auch der Opener des Albums – für Stern war er wichtig, um ihren Ex-Freund weiterleben zu lassen und die guten Erinnerungen an ihn zu feiern. Man glaubt ihr also, wenn sie über das neue Album sagt: „Im Bezug auf die Lyrics ist die Platte viel direkter und gibt sehr viel von mir und meinem Leben preis. Ich hatte ein paar echt harte Monate, die in den Songs durchscheinen“.

Sonderfall Frau mit Gitarre?

Auch wenn sich ihr Leben zwischen persönlichen Krisen, (selbstgewähltem) Musikprekariat und Rock’n’Roll eigentlich nach ganz typischem Musikerlifestyle anhört, wird Marnie Stern gerne als Ausnahme gefeiert. Besonders in anspruchsvolleren journalistischen Formaten steht oft ihr Geschlecht im Mittelpunkt der Betrachtung: So wird sie vornehmlich als eine der wenigen Frauen im Rock bezeichnet, die viel besser Gitarre spielen, als all die Gitarren-Poser und Macho-Männer. Beigetragen dazu hat sicher das Fingertapping à la Eddie Van Halen, das Marnie Stern zu ihrem Markenzeichen gemacht hat. Dabei werden die Gitarrenseiten nicht gezupft, sondern am Griffbrett geklopft – richtiges (stereotyp männliches?) Handwerk. Das sieht auf der Bühne bisweilen komisch, aber auch eindrucksvoll aus. Immer wieder betont Stern, dass sie sich dieses Handwerk selbst beigebracht habe und weniger von Metalbands als von Noise-Bands wie Lightning Bolt oder Hella inspiriert sei. Diese, nicht nur mediale Stilisierung zur weibliche Ausnahme empfindet sie als falsch, zumal sie sich mit ihren – oft zurecht als Phallussymbol gelesenen – Gitarren auch nicht als Eindringling in eine männlich dominierte Szene verstehen möchte. Vielmehr versuche sie, nicht über diese Geschlechtersache nachzudenken: „Ich glaube, dass das Problem da anfängt wo wir Differenzen ziehen. Ich würde sehr viel lieber als Individuum, statt als Mädchen gesehen werden“. Ein frommer Wunsch, für dessen Umsetzung schon einige Leute geackert haben, und vermutlich noch eine ganze Weile weiterackern werden.

So verwundert es andererseits auch nicht, dass Sterns Musik in der Nachfolge von „Riot Grrrl“-Bands wie Sleater Kinney oder Bratmobile rezipiert wird, die mit ihren feministischen Parolen nicht nur die amerikanische Subkultur der 90er geprägt haben. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als habe Stern thematisch mit den Zielen der „Riot Grrrls“ nicht mehr viel am Hut, sagt sie: „Ich liebe diese Bewegung. Sie hat mich ungemein inspiriert und ich glaube nicht, dass mir Geschlecht so unwichtig sein könnte, wenn es die Pionierarbeit dieser Bands nicht gegeben hätte“.

Tropische Küsse

Statt sich um ihr Geschlecht zu kümmern, entwickelt sie lieber spontan zusätzliche Einkommensideen. Als Stern und ihre Band auf einer ihrer letzten Tourneen kein Geld mehr hatten, um einen Strafzettel zu bezahlen, bot sie einen Verkaufsstand für Küsse an: 3 Dollar für einen Kuss auf die Wange, 10 Dollar für die Lippen und 100 Dollar für einen Zungenkuss. Letzterer wurde leider nicht verkauft, dafür aber extra lange Wangenküsse; schließlich musste das Event von den Fans auch photographisch festgehalten werden. Eine Veranstaltung, die letztlich auch in unterschiedliche Richtungen gender-politisch lesbar ist: Sei es als Form der Selbstermächtigung oder als Inszenierung, die zeigt, dass Stern statt über, in stereotyp-heterosexuell geprägten Diskursen handelt.

Nach der Tour wieder zurück in New York, hängt sie vorgeblich in ihrem Apartment ab, schaut fern und bleibt auch ansonsten lieber zuhause. Manchmal wagt sie zum Rauchen einen Schritt auf den Balkon ihres Apartments im 16. Stock. Auf die Frage, warum sie dann noch mitten in Mannhatten lebe, antwortet sie nur: „Ich sollte nicht mehr hier sein. Ich würde gerne irgendwann mal an einem tropischen Ort leben, mit einem kleinen Haus und einem Garten für meinen Hund“. Wie ihre Musik dann wohl klingen würde, bleibt abzuwarten. Bis dahin sollte man unbedingt von ihrer Rastlosigkeit und Unzufriedenheit profitieren, denn mit einem Cocktail am Strand, ist es damit bestimmt nicht mehr weit her.

Marnie Stern – “s/t “ (Souterrain Transmissions/Kill Rock Stars)

TEXT: Liz Weidinger | RESSORT: Musik, Präsentationskorb
1. Dezember 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



7 KOMMENTARE


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