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MONSTERS

1. Der Film in einem Satz:

Tarkovsky stalkt das Monster von Cloverfield im District 9.

2. Darum geht‘s:

Vor sechs Jahren ist dank eines Unfalls mit einer NASA-Raumsonde außerirdisches Leben auf der Erde gelandet. Die Armee der USA versucht, die riesigen Kreaturen in einem Sperr-Gebiet zwischen Texas und Mexiko in Quarantäne zu halten. Sam (Beruf: reiche Tochter) und Andrew (Beruf: Fotograf für eine Zeitung des Tochtervaters) müssen von Mexiko nach Amerika reisen und sind gezwungen, einen Weg durch die infizierte Zone zu wählen, weil alle sicheren Wege aufgrund unglücklicher Umstände nicht zur Verfügung stehen…

Der Brite Gareth Edwards, Autor und Regisseur dieses Debütfilms, versucht etwas ganz Erstaunliches: ein kontemplatives Monster-Movie zu drehen. Niemand schreit, keiner rennt. Sechs lange Jahre leben die Mexikaner mit der täglichen Bedrohung von Kreaturangriff und Luftattackenantwort der US-Armee. Resignation und sich in diesem Leben einrichten, ist ihre einzige Möglichkeit, der Verzweiflung zu entgehen.

Sam und Andrew reisen durch ein verwundetes Land, immer tiefer, immer weiter. Die Wunden werden größer, das Staunen über eine Gegend, in der die Zivilisation auf dem Rückmarsch ist, ebenso.
An der Schwelle zum gelobten Land Amerika angekommen blicken sie auf eine Mauer unvorstellbaren Ausmaßes, den Stein gewordenen Versuch Amerikas, sich von den Gefahren da draußen abzuschotten.

Bei aller Ruhe und Gelassenheit: die Kritik an der amerikanischen Immigrations- wie Interventionspolitik schwingt nicht nur im Subtext mit.
Kann man sich auf die Ruhe des Films einlassen, auf die Entschleunigung, auf die Echtheit (ja!), dann bietet “Monsters” ein erstaunliches, minimalistisches, in Teilen ergreifend schönes Filmerlebnis. Edwards gelingt es vor allem in dem mittleren, zivilisationsfernen Teil das Kino eines Werner Herzog aufleben zu lassen.
Das wahrscheinlich erste Monster-Movie puren Arthouse-Zuschnitts!

3. Der beste Moment:

Mit Sicherheit nicht der Trailer, der kaum irreführender sein könnte.
Ein leiser, ein zarter Film über das Leben und das Arrangieren mit dem allgegenwärtigen Tod.

4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer District 9 einen gelungenen Versuch fand, das Alien-Genre neu zu definieren – die Sozialkritik aber gerne subtiler formuliert gesehen hätte.
* Regie: Gareth Edwards

TEXT: Christian Ihle | RESSORT: At the Movies mit Ihle
14. Dezember 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





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