THE NATIONAL – HIGH VIOLET
Robby Müller, der Filme von Wim Wenders oder Jim Jarmusch fotografierte, sagte einmal, der Stil sei der Tod der Kamera. Hört man die letzten Alben der aus Cincinnati, Ohio stammenden, inzwschen in Brooklyn beheimateten Band The National, ahnt man, was das in Musik bedeuten kann. The National standen vor ein paar Jahren, als sie gerade mit „Alligator“ ein Werk für die Jahrhunderte veröffentlichten, für ein Songwriting, das zwar nicht neu war, aber doch herausragend. Eigensinnige, aus der Stille erwachsende, vom Schlagzeug angetriebene, traurige, düstere Songs. Dazu der in sich zurückgezogene, wehmütige, fast monotone, aber dann auch immer wieder ausbrechende Bariton Matt Berningers.
Seitdem machen The National vor allem immer so weiter. Erst passiert nicht viel, dann füllt sich der Song, weitet sich, wird groß, riesengroß, schickt Chöre, Bläser und alles mögliche ins Rennen – und fällt wieder zusammen. Das funktioniert so gut, dass The National längst kein Geheimtipp mehr sind, sondern Jahr für Jahr zur Band des Jahres erklärt werden. Aber das Staunen über das, was Berninger und seine Kumpels erfinden, ist längst dem Gefühl gewichen, dass hier ein Quintett Musik reproduziert, wenn auch auf höchstem Niveau.
Und auch auf „High Violet“ (4AD/Beggars Group/Indigo), dem neuesten Werk von The National, hört man großartige Songs, die wie ein Strudel einen nicht mehr loslassen und fast verschlucken. „Terrible Love“ gleich zu Anfang oder „Bloodbuzz Ohio“, das es in der Tat mit den besten National-Oden aufnehmen kann.
TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Reviews1. Juli 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed






