C/O POP IM GLORIA, FREITAG ABEND MIT OMD, CARIBOU, BONAPARTE, ROBYN
Ein bisschen peinlich, sehr bunt und leider unemanzipiert
Zwei mittelalte Herren – beide schwarz gekleidet und mit leichtem Doppelkinn-Ansatz – stehen auf einer Bühne und üben eine extreme Faszination auf das gesamte Gloria-Publikum aus. Diese beiden Herren sind die Gründungsmitglieder der 80er Jahre-Kuschelrockband von OMD. Nun könnte man das Publikum in zwei Sparten aufteilen: Glücklich grinsende (Ex-)OMD-Fans und – mittendrin – fassungslose Konzertgänger, die – zum Teil peinlich berührt und kopfschüttelnd – wortlos das Geschehen auf der Bühne beobachten. Denn diese beiden Herren stehen nicht vor den paar hundert Gästen von Günter Jauchs “Die ultimative Chartshow – Die erfolgreichsten Künstler der 80er Jahre”, sondern vor dem Publikum eines ausverkauften Spex-Konzerts im Rahmen der c/o pop. Wer hier Karten ergattern konnte, wartet ungeduldig auf Caribou, Bonaparte und Robyn.
Stattdessen setzt es erstmal altbekannte 80er Jahre-Hymnen und ein paar neue Songs ähnlichen Stils, performed von einem Laptop und zwei Menschen. Versehentlich, aber womöglich nicht ganz zusammenhangslos kommt mir das Wort “Alleinunterhalter” in den Sinn. Der Gipfel des ganzen sind die völlig übertriebenen Schlagersängerattitüden des topgelaunten Sängers Andy McCluskey. Immer wieder zeigt er mit weit ausholenden Gesten ins Publikum, möchte scheinbar die ganze Welt umarmen und wirft seine Arme dann doch nur um sich, gibt sich völlig seiner vor dem Spiegel einstudierten dramatischen Bewegungen (oder doch auch der Musik?) hin.
Von diesem Überraschungsauftritt wirken zwei Menschen am allermeisten überrascht: die Jungs von OMD. Das jedenfalls würde Einiges erklären, zum Beispiel folgende krude Ansage zu Song No. 3: “Now it’s getting dangerous – this is a brandnew song, it’s so fucking new, i even don’t know the words. But I have this…” Sänger Andy McCluskey zieht einen Zettel aus der Tasche, den er während des gesamten Songs vor sein Gesicht hält.
Ein paar Monate hat McCluskey noch Zeit – dann sollte er den Text aber wirklich drauf haben, denn im Herbst sind OMD auf Deutschlandtour, um das im September kommende Album zu promoten.
Nach diesem etwas seltsamen Einstieg folgen nun “Caribou” mit einem wahrhaft großartigen Set voller Drums, Percussion, elektronischem Gedengel & Geklapper. Der vollgepropfte Saal kommt nun ums Wippen, Tanzen und Klatschen nicht mehr umhin – Caribou sind live sehr großartig und bescherten mir den besten Auftritt des Abends.
Von den nachfolgenden Kostümfreaks “Bonaparte” schienen vor allem die männlichen Konzertbesucher durchaus angetan. Vermutlich lag das allerdings weniger an den musikalischen Qualitäten der bunt zusammengewürfelten Truppe aus der Hauptstadt, sondern vor allem an den weiblichen Darstellerinnen, die im Laufe des Auftritts mit verzerrten Minen, opulenten Gesten und irgendwann dann auch barbusig über die Bühne stolzierten. Schade eigentlich, wenn es schon ums Ausziehen geht, hätte ich doch wenigstens von einer Band wie Bonaparte einen Funken Gleichberechtigung erwartet.
Robyn als Hauptact war eben Robyn – Pop in Reinform, nichts anderes hatte ich erwartet und meine Erwartungen wurden erfüllt – so konnte ich beruhigt nach vier Songs den Saal verlassen und die restlichen Zuschauer alleine in ihrer Pop-Exstase lassen.
5. Juli 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed




