ROCKET BROTHER #8 – 13, BABY! MELT, BABY!

katis_blogKATI WEILHAMMER lebt in Berlin, schreibt unter anderem für verschiedene Musikmagazine und hat ein Faible für skandinavische, insbesondere norwegische Bands, über die sie an dieser Stelle, unter ROCKET BROTHER, berichtet.
 
 

Das Melt!-Festival feierte dieses Jahr seinen 13. Geburtstag. Und was war das für eine Sause: Es wurde geheiratet (kein Scherz!), getanzt, gesungen und gefeiert. Geladen waren Bands aus aller Welt. Neben den Großen Headliner Massive Attack, Goldfrapp, Moderat, DJ Shadow und Booka Shade, durfte man sich auch dieses Jahr auf ein spannendes Line-Up freuen. Natürlich durften auch auf dem diesjährigen Melt! die Vertreter aus dem nördlichen Europa nicht fehlen.

melt2010_headphoto credits: intro.de

Gleich Freitag ging es mit den fantastischen Shout Out Lounds los. Musikalisch begleiteten sie mit „Please Please Please“ und „Walls“ die Sonne beim Untergehen und sorgten mit ihrem „Cure“-esken Sound für einige romantische Momente im Publikum. Sänger Adam Olenius sah wie immer aus, als wäre er gerade einer Haarpflegewerbung entsprungen und Keyboarderin Bebban Stenborg verzauberte mit ihrem elfenhaften Wesen wieder einmal den männlichen Anteil des Publikums.

Zauberhaft ging es dann, ebenfalls auf der Hauptbühne, mit dem Isländer Jón Þór Birgisson, Jónsi, weiter. Dieses Jahr veröffentlichte der Sigur Ros Sänger sein erstes Soloalbum, „Go“ und umgeben von den Stahlbaggern der Stadt aus Stahl, den grünen und violetten Lasern, die sich im dunklen Himmel ihren unergründlichen Weg suchten, wurde die laue Sommernacht plötzlich von der Mystik Islands heimgesucht. Man wagte gar nicht zu Atmen, aus Angst man könnte auch nur einen Ton verpassen. Mit Feder im Haar tanzte er über die Bühne, sang „Go Do“, „Tornado“ oder „Animal Arithmetic“ – und so sehr er die Distanz zwischen ihm und dem Rest der Welt auch liebt, so sehr war er in dieser einen Stunde tausenden Festivalbesuchern ganz nah. Danach wollte man eigentlich nur noch am Ufer des Sees sitzen, dem Gewitter, das in weiter Ferne donnerte und grollte zusehen – sprachlos, atemlos.

Aber viel Zeit blieb nicht zum ausruhen, denn im Intro-Zelt war es an der Zeit für Lindstrøm & Christabelle. Im Januar veröffentlichte der Osloer DJ mit der extrovertierten Sängerin das Album „Real Life Is No Cool“. Die Intro schrieb damals: „in beschwingtem Discoschritt, mit funky Gitarrenlicks und groß aufgefahrenen Bläserfanfaren oder Streichersätzen aus der Electrokiste.“ Vielversprechend. Also rein in das viel zu heiße, und leider auch viel zu leere Intro-Zelt. Cristabelle, wie man es nicht anders erwartet hat, überzeugte mit einer ungeheuren Präsenz auf der Bühne. Vielleicht trügte der erste Eindruck, vielleicht lag es auch nur an ihrem Hut, der aus einer halben Vinyl-Platte bestand, oder vielleicht funktioniert das Duo auch einfach besser im Club. Schnell verpuffte die aufdrängende Präsenz in noch mehr heiße Luft und lies zwei verlorene Menschlein auf einer viel zu großen Bühne zurück. Ihre Smäshersingle „Lovesick“ konnte da leider auch nichts mehr retten.

Nach ein paar Stunden Schlaf melden sich Sprache und Atem zurück und der zweite Tag des Melt! Festivals wartete nur darauf, erobert zu werden. Miike Snow, wie den üblich vermeidlichen weißen Masken sorgen für ein wahres Soundgewitter. Blauweiße Laser, scheppernder Elektro und ein Hit nach dem anderen. Die Gemini Bühne, die zweitgrößte des Festivals ist von einem Menschenmeer umgeben, kein Einziger hätte da mehr dazwischen gepasst, vor der Bühne – die pure Extase.

Dann der Sonntag. Kings Of Convenience spielten eines ihren seltenen Festivalkonzerte. Das Erlend Øye auf der Bühne Entertainment pur ist, hat sich inzwischen rumgesprochen. Bereits um 16 Uhr hatten viele Festivalbesucher den Weg zur Gemini Stage gefunden, freudig abwarten, was da so kommen mag. Den Hüftschwung in feinster Øye-Manier wollten sich viele nicht entgehen lassen. Gleich zu Beginn gab es eine kleine Lehrstunde in Sachen elektronische Musik.
Øye: „We are not an Elektronic Band.” Eirik Glambek Bøe: „There is no ‚Utz Utz’ in our music, but maybe you can be our ‘Utz Utz’“.
Eine gute Stunde lang gab es alte und neue Songs, unter anderem auch Misread. Und sein legendäres Trompetensolo gab es dann noch ganz zum Schluss als Zugabe oben drauf.

Zurückspulen und noch einmal bitte.

TEXT: Kati Weilhammer | RESSORT: Rocket Brother
20. Juli 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



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