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LCD SOUNDSYSTEM – THIS IS HAPPENING

lcd_happeningEndlich ist es da, Kritiker und Fans haben seit 2007 darauf gewartet. Mit seinem dritten und – angeblich – letzten Album liefert James Murphy, Kopf des Projektes LCD Soundsystem, erneut eine tanzbare Disco-Punk-Platte ab, die zwar nicht mehr über-innovativ, aber weiterhin mit das Intelligenteste ist, was die Musikindustrie zu bieten hat. Das bekam auch Lady Gaga zu spüren. Sie musste ihre fünfmonatige Herrschaft über die elektronischen Billboard-Charts für eine Woche an das LCD Soundsystem abtreten.
Nachdem der Hype nun so langsam abebbt, versuchen wir uns mal an einer nüchternen Betrachtung von „This is Happening“:

Unaufgeregt beginnt der erste Track. Doch in gewohnter Murphy-Manier geht’s dann irgendwann los. Nix mehr mit Understatement, das LCD Soundsystem-Mastermind ist zurück. “Drunk Girls”, Song Nummer 2 auf dem Longplayer, erinnert an “Wild Boys” und ist doch mehr als eine Referenz an Duran Duran – gleichwohl kein Versuch den Disco-Punk zu emanzipieren. Denn die Musik, die Murphy geschaffen hat, ist vom ersten Release, Losing my Edge aus dem Jahre 2002, an universell. Hier hören die Mädels im gleichen Maße hin wie die Jungs, die Indie-Fans genauso wie die Elektro-Heads und am Ende der Musiknahrungskette warten die Nerds nur darauf, zu Drunk Girls auf dem Tanzflur die Glieder zucken zu lassen.

Der Song “Pow Pow” kommt stimmlich teilweise den Beastie Boys nahe. Doch auch in diesem Track bleibt immer die Musik der wahre Protagonist. Denn Anti-Held Murphy ist und bleibt in erster Line Produzent. Sein Ausflug in die Welt der Popstars, und ein solcher ist er spätestens seit ebenjenem Sound of Silver, endet nun mit This is Happening. Die beiden letzten Tracks “Somebody’s Calling Me” und “Home” sind denn auch der Schwanengesang des LCD Soundsystems. Langsam faden sie den unverwechselbaren Sound, den der DFA Record-Chef mit seinem Projekt geschaffen hat, aus. Das Ende einer Ära, einer musikalischen Revolution, von der wir glaubten, sie habe gerade erst begonnen.

Nachtrag: Was bleibt? Vielleicht die Erkenntnis, dass ein Album, auf dem kaum ein Song kürzer als sechs Minuten ist, der Musikindustrie den Weg in die Zukunft weisen könnte? Vielleicht die Erkenntnis, dass Musik mittlerweile ohne Band, aber dafür mit einem allwissenden Produzenten funktionieren kann?

TEXT: Daniela Ullrich | RESSORT: Reviews
25. Juni 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



3 KOMMENTARE


  1. Es muss “DFA Record-Chef” heißen, nicht “DFS”, oder?
    Aber sonst:
    POW! POW POW POW! POW POW, POW POW! :-D


  2. DSF? DSDS? DNS? Sorry, kleiner Vertipper! Hüstel. Ist korrigiert.


  3. http://bolson.tmorenewables.nethttp://bolson.tmorenewables.net



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