FLIMMER – SINGING
(A Tree In The Field-Records) Flimmer – das sind 2 x Bass, 1 x Schlagzeug und 0,5 x Gesang. Hm, klingt nach 100-prozentiger Schrottmusik? Nach blutjungen Pickeljungs, denen zwar der Gitarrist abhanden gekommen ist, die aber auf Teufelkommraus trotzdem eine Band sein wollen?
Weit gefehlt: Die Flimmer-Mitglieder sind alle seit mindestens anderthalb Jahrzehnten den spätpubertären Schuhen entwachsen, der gemeinsame Versuch mit der Gitarre wurde vor fünf Jahren aufgegeben. Warum? Weil man nach dem Ausstieg der letzten Gitarre festgestellt hat, dass Flimmer-Songs ohne selbige sehr viel besser funktionieren.
Ihre Musik bezeichnen die drei Baseler dementsprechend als „Psy-core“ – eine Stilbezeichnung, die angesichts des druckvollen, treibenden, brachialen und dann auch wieder zurückhaltend-frickeligen Doublebass-Sounds (in denen man übrigens niemals auf den Gitarre-fehlt-Gedanken kommt) ruhig mal überdacht werden sollte. Auf Anhieb stehe ich da allerdings jetzt auch etwas rätselnd vor mehreren Stil-Schubladen. Am wenigsten quietscht die mit der verwischten Hardcore-Aufschrift.
Hin und wieder gesellen sich zu den auf „Singing“ rar gesäten Instrumenten einige elektronische Brocken, dann und wann wird auch ein Mikrofon hinzubemüht: Soweit verständlich, sind die Texte englisch und deutsch, mit zumeist wunderbar dahingerotzter dadaistischer und oft sinnfreier Bedeutung. Pro Song bedarf es entweder gar keiner oder sonst auch eher weniger Worte. Selten benötigen Flimmerstücke länger als zwei Minuten – doch in diesen steckt mindestens so viel wie in den meisten Fünfminütern von Bands, denen keine Gitarre „fehlt“!
17. Juni 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





