THIS IS JUST A MODERN ROCK SONG #6

lennart thiemLENNART THIEM, Jahrgang 1984, lebt in Hamburg, mag das Internet sehr gerne und noch viel lieber Musik. Beides kommt zusammen, wenn es darum geht, KünstlerInnen, die aus unterschiedlichsten Gründen wenig Aufmerksamkeit bekommen, vorzustellen. Was hier unternommen werden soll.
 

Vorweg eine Bitte in eigener Sache: in Zukunft soll den kurzen Empfehlungen ein einzelnes Wort, am besten ein englisches Nomen (hier: „sister“), zugrunde liegen. Wem also etwas Schickes einfällt, der oder die möge einfach kurz einen Kommentar mit oder ohne Begründung hinterlassen oder eine Mail an tepinteresse(at)googlemail.com schreiben. Dummfug jeglicher Couleur (Rassismus, Nazikram, Sexismus, Antisemitismus etc.) zählt natürlich nicht.

Vielen Dank!

So. Und jetzt wird’s familiär. Und das im Internet, wo die Motivation, die Wortgruppe „Twin Sisters“ in ein Suchmaschine einzugeben, sicherlich bei vielen eine zwielichtige und nicht unbedingt züchtige sein dürfte, und das sei nicht als mit zwinkerndem Auge geäußert zu verstehen. Darüber wird nicht gelacht, Schwestern sind etwas Wunderbares.

Twin Sister – Vampires with Dreaming Kids EP
Bei Twin Sister handelt es sich um eine Band aus New York, in der genau eine Frau spielt, eine ganz andere Situation also als bei den herrlichen School Of Seven Bells mit dem tatsächlichen Zwillingspaar Alejandra und Claudia Deheza, die für eine Steigerung des Aufkommens von zotigen Altherrenwitzen in Indiehausen um gefühlte 476 % verantwortlich sein dürften, und das unabsichtlich. Aber von so etwas wollten wir hier ja nicht mehr reden. Zurück also zu Twin Sister.

Die Band sagt von sich selbst „We record music from our apartments for you”. Das ist wörtlich zu verstehen, besucht einmal ihre Homepage und lasst Euch von der Band mit ihrer EP “Vampires with Dreaming Kids“ (siehe unten) beschenken, wartet mit der Unkerei („New York? Vampire? Kinder? Schon wieder oder immer noch?“) und seid bitte einfach dankbar für das, was die Band da tut, nämlich sehr leichten, luftigen Pop spielen, zaghafte Frühsommermusik, wenn man so will, und Anfang Mai will man vielleicht einfach einmal so.

Sisters Of Your Sunshine Vapor – Slow Suicide
Ganz anders sieht die Sache bei den Sisters Of Your Sunshine Vapor aus, die nämlich brauchen bestimmt keine Sonne, schon gar nicht, um eine Sonnenbrille zu tragen. Es würde mich wundern, wenn sie die überhaupt einmal absetzen, außerdem bekommen Menschen, die mit unbedeckten Augen in die Sonne lächeln, Fältchen, aber nicht solch einen Psychedelic-Rockbrett wie Slow Suicide hin. „Allein der Name schon!“, mag man sich denken, und hat dabei noch nicht einmal den Gesang gehört. Und das Riff klingt tatsächlich nach einem Post-Blumfeld-Distelmeyer auf Droge.

Young Doctors In Love – Eloise And Her Sister Martha
Auch beim Pop gibt’s nicht immer nur Liebliches, Backingvocals zum Beispiel können manchmal sehr, sehr forsch sein. Die Young Doctors In Love lassen keinen Raum ungenutzt, wo noch ein Silbchen reinpasst, dort kommt auch noch ein Silbchen rein, und was machen wir, die werten HörerInnen? Fühlen uns ein wenig an die Wand gedrückt, aber staunen dennoch ordentlich, wie sehr uns der Song am Ende mit seinem revisionistischen Hitpotential in Beschlag nimmt.


Black Moth Super Rainbow – Neon Syrup for the Cemetery Sisters

Wegen eines solchen Bandnamens gründen Menschen Blogs, in denen dann aller naselang „wtf“, „omg“, „It’s a rabbit painting Star Wars pictures with Himbeereis!“ und vielleicht auch mal „nsfw“ zu lesen ist. Das ist eine nette Sache, doch könnten sich die Jugendlichen in ein paar Jahren ruhig einmal hübsch von so etwas distanzieren. Bis dahin nämlich nennen Bands, die wie ein zeitgemäßes Update des schicken Duos Air klingen, ihre Songs „Neon Syrup for The Cemetery Sisters”.

TEXT: Lennart Thiem | RESSORT: This is just a modern rock song
9. Mai 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



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