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SIN NOMBRE

1. Der Film in einem Satz:
Ein mexikanisches Roadmovie, das aus den Slums straight ins Verderben führt.

2. Darum geht‘s:
Die Gang des jungen Verbrechers Casper ist seine Familie, sein Zufluchtsort. Dafür akzeptiert er all die Aufgaben (Gegner umbringen, arme Menschen berauben), die ihm gestellt werden. Nur als er sich in ein Mädchen aus einem anderen Stadtteil verliebt, der für ihn aufgrund seiner Gangzugehörigkeit tabu ist, schweigt er seine Führer an. Die Bockigkeit seiner Freundin löst eine Kettenreaktion aus, an deren Ende Casper das Wichtigste, was er hat, verlieren wird. Zweimal.

Parallel dazu erzählt Regisseur Fukunaga die Geschichte der jungen Sayra, die mit ihrem Onkel und Vater illegal in die Vereinigten Staaten emigrieren möchte. Sayra als auch Casper landen auf ihrem Weg in die Freiheit auf einem Zug, auf dessen Dach sie mit hunderten anderer Getriebener gen Amerika reisen.

“Sin Nombre” (Mexiko/USA 2009, 95 Min, R: Cary Fukunaga) ist eine Geschichte vom unbedingten Lebenswillen unter widrigsten Umständen, die dank des beeindruckenden Tattoo-Overkills auch Zielgruppen ansprechen sollte, die sich normalerweise nicht ins Arthouse-Weltkino verirren. Die deutsche Synchronisation leidet unter dem alten Problem: je mehr Slang und/oder “coole Ghettosprache” im Original verwendet wird, desto schwerer wird eine gelungene, lebendige und unpeinliche Übersetzung. “Sin Nombre” schrammt durchaus das eine oder andere Mal am Rande des Erträglichen entlang. Auch sitzt nicht jede Szene und kann man sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass Ethnotourismus statt stringenter Geschichtserzählung bestimmendes Motiv für die Ausgestaltung mancher Szenen war, dennoch ist der zweifache Sundance-Preisträger “Sin Nombre” (für Regie und, wenig überraschend, Kamera) erstens dank seiner hervorragend komponierten Bilder sehr schön anzusehen und zweitens durchaus mit einer gewissen archaischen Wucht versehen, auch wenn der Klimax letztendlich dann doch nicht jene biblische Größe erreicht, die er anstrebt. Trotz all den kleineren Schwächen: ein gelungener Film.

3. Der beste Moment:
Der Rundgang durch das Ganghauptquartier, der als eine einzige lange Einstellung ohne Schnitt gezeigt wird. Technisch und atmosphärisch auf hohem Niveau.

4. Diese Menschen mögen diesen Film:
Freunde von Tattoos, Tod und Verderben.

TEXT: Christian Ihle | RESSORT: At the Movies mit Ihle
8. Mai 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



3 KOMMENTARE


  1. hey Christian,
    was meinst du damit “schrammt am Rande des Erträglichen vorbei”? Ich habe den Film gestern in der Übersetzung gesehen, bin sehr beeindruckt und hatte wirklich keinen Moment den Eindruck, etwas sei ungelungen. Und dass der Höhepunkt nicht biblisch ist – liegt darin nicht auch eine Stärke des Films?


  2. http://www.ebay.fr/sch/i.html?_nkw=abercombie+and+fitch


  3. Servpro of West Lucas County, 1600 block of Holloway, trailer from business.



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