THIS IS JUST A MODERN ROCK SONG #5
LENNART THIEM, Jahrgang 1984, lebt in Hamburg, mag das Internet sehr gerne und noch viel lieber Musik. Beides kommt zusammen, wenn es darum geht, KünstlerInnen, die aus unterschiedlichsten Gründen wenig Aufmerksamkeit bekommen, vorzustellen. Was hier unternommen werden soll.
Ich möchte keinen Smalltalk mehr halten, ich mag nicht über die Kälte reden, der Schnee soll hübsch auf meinen Kopf fallen, nicht in ihn hinein, dann kann er nämlich rigoros in den Gegend geschüttelt werden, ganz anders als die Floskeln, mit denen man auf Bemerkungen meteorologische Erscheinung betreffend zu antworten hat. „Ja, das ist wirklich schlimm“, so etwas will höflich und nichtssagend geäußert werden, damit man als Erwiderung schreckliche Geschichten über verspätete Busse und rutschige Gehwege zu hören bekommen darf und anschließend durch diesen tiefgründigen Austausch erfrischt an einen vor dreisten Flocken geschützten Arbeitsplatz trottet, wo es niemals Wetter gibt.
Vor dem Fenster aber wirbelt’s lustig und die Gedanken schweifen ab, schließlich wissen wir, dass Schnee etwas Gutes ist, warum sollten ihn sonst die folgenden wunderbaren Bands und Songs im Namen führen?
Hier also eine kleine Auswahl gegen die olle Mittelmäßigkeit, die es keinem Winter gönnt, kalt und verschneit zu sein.
Sleepy Sun: „Snow Goddess“
Eine Band dieses Namens aus Kalifornien darf aufgrund diverser Klischees keine andere Musik als psychedelischen Pop mit Hang zu sphärischen Chören und Überlängen spielen. Dass sie dabei trotzdem inspiriert klingt, ist a) keine Selbstverständlichkeit und b) eine gute Sache.
Snow Machine: „Birmingham“ / „Camel Lights“
„The genesis of Daemon Records arose from my own frustrations with the music industry. While reaping the benefits of a major label deal, I realized that all around me “music” was getting lost among the checkbooks, executives, and mountains of paperwork that are all such a primary part of any major Label.“ Diese Äußerung ist genauso 80er und romantisch „Indie“ wie die Musik des Trios Snow Machine und damit: Toll. Alles Gute!
Leslie Flanigan: „Snow“
Hier wurde solange gewerkelt, bis sich die Sinuskurven selbst zu hübschen Schleifchen binden. Ein angenehmer Ambienttrack aus dem Bastelkeller mit schmeichelndem Feedback. Danksagungen hierfür richtet Ihr bitte an die Künstlerin Leslie Flaniga.
California Snow Story: „The Only One That Matters“ / „Suddenly Happens“
Nachdem der Gitarrist David Skirving 2001 die von ihm mitbegründeten Camera Obscura verlassen hatte, veröffentlichte er unter dem Namen California Snow Story ein Album und eine EP auf dem Label Shelflife, das auch Bands wie The Ruling Class und Socialist Leisure Party beheimatet.
They That Cried Wolf: „Hunters in the Snow“
Dieser holpernde Folkpop-Postrock Track mit Xylophon und Mundharmonika braucht keine Worte, einzelne Vokale reichen vollkommen, um die Botschaft der Liebe zum Imperfekten zu verbreiten.
Bears: „I’m A Snowman“
(Bandname + Songtitel + Handclaps + „Uhhh“-Chöre + Flöte und Keyboardzeugs + Text) – amtliche Produktion = Twee. Yeah!
Oh Astro: „Snow Queen“
Stolperige Cuts, keine dicken Beats, keine Trauer: Laptoppop jenseits der „Ich hab’ ein WG Zimmer im Altbau, da sind ja nur Instrumente drin, ich kann mich da nicht mehr bewegen und muss deswegen immer auf so Ausstellungen“-Melancholie. Das Ehepaar Oh Astro erstellt Loop basierte LoFi-Tracks ohne Trash und Clash.
10. März 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





