LA STAMPA – PICTURES NEVER STOP

cover_la_stampa_webSelbstbewusst aufgeklärt

(staatsakt./RTD) Manchmal lohnt es sich zu wissen, wo Musik herkommt. Und damit ist nicht ein Herkunftsland gemeint, auch keine Stadt oder eine ominöse Szene, sondern ein Umfeld, in dem Gedanken sich entwickeln und andere auf Widerstände treffen, die man nicht wegschieben kann. La Stampa benennt ein solches Umfeld diffus. Man bewege sich im „internationalisierten, komisch schwer verortbaren Berliner Kunst-Musik-Milieu“. Aha, mögen manche denken. Aber wer die Musik von La Stampa hört, findet viel davon wieder. Das Internationalisierte, das schwer Verortbare, die Annäherung an den Pop von den Rändern her und meinetwegen auch das Komische.

Musik aus dem Kontext der Art School ist natürlich ein alter Hut. Franz Ferdinand oder Art Brut haben vor ein paar Jahren damit noch mal großen Erfolg gehabt, aber eigentlich kräht kein Hahn mehr danach. Die Musik von La Stampa könnte das ändern. Sie ist auf eine versponnene, eigensinnige Art verspielt, sie liebt den circenischen Auftritt, das Jonglieren und Messerwerfen mit verschiedensten Fragmenten und Traditionen. Sie ist dabei aber nie selbstverliebt oder eitel, sondern von einer fast kitschigen Liebe zum New-Wave-Pop getragen, den man irgendwie vor dieser riesengroßen Mainstreammaschine ins 21. Jahrhundert retten möchte.

Das liegt auch daran, dass bei La Stampa nicht mehr Studenten am Werk sind, sondern mit Jens Vukorep, Jörg Heiser, Jan Verwoert, Thomas Hug und Günter Reznicek Dozenten, Kritiker, Kuratoren, Journalisten, Steuerhinterzieher. Von Jugend hat sich diese Musik auf selbstbewusst aufgeklärte Art verabschiedet. Man könnte sogar sagen: sie blüht, von dieser Last befreit, hörbar auf.

TEXT: Tim Gorbauch | RESSORT: Musik, Reviews
9. März 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



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