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LA STAMPA – VON DER UNMÖGLICHKEIT DES MÖGLICHEN

Die Nachlese zur LA STAMPA Releaseparty am 20.02. im Prater Foyer, Berlin. Von Irrungen und Wirrungen, dem Geist der Berlinale und dialektischen Ampeln. Beim staatsakt.-Labelchef selbst abgefragt: Wort ab, Herr Summen!

cover_la_stampaSeit dem ersten Türenalbum „Das Herz war Nihilismus“ hat kein Staatsakt-Album mehr so polarisiert wie „Pictures Never Stop“ von La Stampa. Von „Großartig!“ (CD-Starts) über „Endlich mal ein Konzept das nicht nervt“ (SPEX) oder „La Stampa haben beschlossen, dieses hässliche Heute als Moment der Befreiung zu definieren“ (Berliner Zeitung) bis hin zu „Die können ja gar nichts!“ (Radio Eins – Soundcheck). Hier wird mit einer einzigen Independent-Veröffentlichung im ursprünglichsten Sinne klar, wo wir im Segment der mittelständischen Unabhängigkeit („Indie-Kultur“) in Wahrheit längst angekommen ist: Im platzsparenden sozialdarwinistischen Kulturkapitalismus, eingebettet in einer Kultur des Kommentars von Facebook bis FAZ, die wie eine Verkehrsampel zu uns spricht: Geht – oder geht nicht.

Dass sich unter dem Namen La Stampa (zu deutsch: „Die Presse“) tatsächlich auch noch namhafte (Kunst-)Kritiker mit jungfräulichen wie (Post)punkigen Popsongs, etwa im Geiste der frühen Mekons oder Sterne – um hier mal mit einem Fuß in der Referenzhölle zu stehen –, nun tatsächlich jugendlich unerfahren selbst der Kritik „der Poperwachsenen“ stellen – das ist natürlich aller Hand.

Dem einen eine wahre Freude im Hinblick auf das Wiederaufblitzen freier Selbstbestimmung, die einem hier entgegenfunkelt („Hey! Komm wir sind bald 40, lass uns gerade JETZT noch mal eine Band gründen!“), dem anderen ein alptraumhaftes, grollendes Donnern im Kopfe: „Wenn ich schon meinen Traum von einem besseren Leben aufgeben musste, dann gefälligst nur noch Traumfabrikation für durchtrainierte Astral-Ästheten oder echte Könner.“ Lady Gaga und Eric Clapton sind in the house!

Dass die Veranstaltung zur Veröffentlichung dieses Albums dann am vergangenen Samstag wegen einer Anweisung des Berliner Ordnungsamts drei Stunden vor Einlass drohte auszufallen und dann Dank des Ehrgeizes des Veranstalters Ran Huber (1000 Dank!) in das Foyer des Praters verlegt werden konnte (samt PA-Anlage) – also von einem Theater ins nächste! – passt hier wie der buchstäbliche Arsch auf den Ikea-Eimer.

La Stampa konnten – während das Publikum noch von Ort A zu Ort B wanderte, gerade noch die Instrumente aufbauen und los ging es. So wirkte der Auftritt der Band unfreiwillig wie ein Remake von „Stop Making Sense“ der Talking Heads: Soundcheck und Probe vor zahlendem Publikum. Nur für die Roadies war kein Geld mehr vorhanden!

„Ist das nun Pop, Kunst oder Kunstscheiß?“ war dann zwischenzeitlich die große Frage am Tresen des hoffnungslos ausverkauften Prater-Foyers, bevor schließlich gegen 01:00 Uhr Driver & Driver aka Patric Catani und Chris Imler die Bühne betraten und ein Set darboten, das man getrost als Sound-Attentat auf das gegenwärtige Ordnungsamt in all unseren Köpfen begreifen darf: „Kampf im Kulturkaufhaus! Mit der Brille auf! Mein Auto mein Haus!“ schallte es aus Megaphon und Boxen: „Umtausch Sofort! Ich hab kein Bock mehr, auf den ganzen Scheiß!“ Krawall im besten Bourrough´schen Sinne!!! Das angereiste Publikum warf befreit die Hände in die Luft – Die Ampelanlage war endlich defekt.

Dass der Veranstaltung dann auch noch unerwartet um Punkt 2:00Uhr der Strom ausgedreht wurde, während Vikor Marek und DJ Quersummen gerade dabei waren, die erste Dubplatte (DUB = zu deutsch: GEIST!) auf den Plattenspieler zu legen, machte den Abend erneut unrund rund!
Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Gästen, die vom teilweise unverschämten Türpersonal des Praters (auch das noch…) – natürlich aufgrund von Anweisungen – nicht in die Veranstaltung hineingelassen worden sind, entschuldigen. Es waren tatsachlich Menschen von weit her angereist, um durch die Fensterscheiben auf den leeren Vorraum des Foyers zu blicken!

Dass dieses Jahr, nach einem harten Winter, so filmisch anfängt, hätten wir uns tatsächlich nicht erträumen lassen. Es muss der Geist der Berlinale gewesen sein. Dialektische Ampelschaltung hin oder her: Ein denkwürdiger Abend.

TEXT: Maurice Summen | RESSORT: Musik, Reviews
23. Februar 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



3 KOMMENTARE


  1. Das geht ja Schlag auf Schlag bei euch…
    Weiter so…


  2. danke. mal sehen, wie weit der spirit trägt…


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