FEHLFARBEN – GLÜCKSMASCHINEN
Gegenwart, nicht Geschichte
(Tapete/Indigo) Als zu Beginn des neuen Jahrtausends der Punk wieder in aller Munde war und man sich dabei auch der Anfänge in Deutschland erinnerte, sorgte ihr Comeback noch für Furore. Im Januar 2003 verkauften Fehlfarben die Große Freiheit in Hamburg aus, und Peter Hein, der Abtrünnige, der 1980 zwei Tage vor der ersten großen Tour ausgestiegen war, war plötzlich wieder ihr Frontmann. Schon da stritt er darum, nicht bloß als ein Fossil anerkannt zu werden, sondern als ein Stück Gegenwart. Zum Abschied, als längst schon Bierbecher flogen, rief Hein der in Erinnerung schwelgenden Ex-Punk-Gemeinde den wunderschönen Satz zu: „Es tut mir leid, dass ich euer Abi-Treffen gestört habe.“
Die Auftritte danach erregten weniger Aufsehen, genauso wie die Platten, die Fehlfarben nun wieder einigermaßen regelmäßig aufnahmen. Das lag einerseits an der noch immer gepflegten, uralten Punk-Tradition, selten überprobt auf die Bühne zu gehen – andererseits war das, was Fehlfarben im Studio ersannen, dagegen oft schlicht grandios. Das ist auf dem neuen Album, das „Glücksmaschinen“ heißt und auf dem Hamburger Label Tapete Records erschienen ist, nicht anders. Ok, über die Synthesizer in der „Stadt der 1000 Tränen“ kann man streiten, aber die Präsenz, die gerade Heins phänomenal-charakteristischer, widerborstiger Gesang hat – das ist nicht Geschichte, das ist pures Jetzt. Man muss sich nur einmal den Titelsong anhören. Große, druckvolle, berstende Musik.
„Wir leben, wir sind Glücksmaschinen. Wir sind noch lange nicht ausgeschieden.“
16. Februar 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





