OSCAR HEYM – DIE RESERVEN
(Siebenhundertzwanzig Grad) In „Die Reserven” wird der junge Geologe Wenzel Hoffmann während der späten siebziger Jahre in ein Intrigenspiel um Ölfunde an der deutsch-deutschen Grenze verwickelt. Der Roman erscheint im neuen Themenbuchverlag Siebenhundertzwanzig Grad, dessen erste Themenreihe „Energie und Strategie” hiermit ihren Auftakt erfährt.
Ein obskures Buch von einem obskuren Autor in einem obskuren Verlag. Das Buch ist außerdem erstaunlich schlecht.
Erstaunlich vor allem, weil das zu Bemängelnde von den sonst meist kritiksuffizienten Kategorien „Ästhetische Schwächen” und „Inhaltliche Schwächen” nicht ausreichend umfasst wird. Man muss schon die Kategorie „Handwerkliche Totalausfälle” bemühen und sich zur weiteren Umschreibung des Problems ernsthaft überlegen, den passendsten Begriff aus der Reihe „Lektorat unter Opiumeinfluss” , „Demenz als Lektorat” und „Wo war der Lektor?” auszusuchen. Ein Beispiel muss hier genügen: „Seit dem Tod ihres Mannes … führe sie den Haushalt allein”, wird Wenzel Hoffmann von einer ach-so-bösen Baulandspekulantin mit dem ach-so-symbolischen Namen Frau Krieger aufgeklärt, und drei Zeilen später fragt Hoffmann die Dame, ob ihr Mann verstorben sei.
Ansonsten jammert, zweifelt und vögelt sich Hoffmann durch ein klumpiges Gewirr an Geschäftsintrigen, klischeehafter Kalter-Krieg-Rhetorik und Gewissenskonflikten – das heißt, er merkt, dass es irgendwie doof ist, Ölarbeiter auszubeuten, steigt aber trotzdem nicht aus dem Geschäft aus. Stilistisch ist das Ganze auf halbem Wege zwischen Bastei-Lübbe und einer Schreibwerkstatt für Zwölfjährige anzusiedeln. Schade, denn das Verlagskonzept versprach einiges. Und der Buchumschlag sieht auch ganz ordentlich aus. Aber, wie der Engländer sagt, „Never judge a book by its cover.”
26. Februar 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





